Fachkräftemangel
Unis werben für die Wirtschaft

Der Fachkräftemangel zwingt viele mittelständische Firmen zur Kooperation mit den Hochschulen. Mit Stipendien und Stiftungsprofessuren wollen sie Studenten von ihrer Qualität überzeugen und Großkonzerne wie SAP ausstechen.
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KÖLN. Sebastian Holtappels soll das Essener IT-Unternehmen GFOS bekannter machen. Dabei ist der 23-Jährige kein Marketingfachmann - zudem befindet er sich noch in der Ausbildung. Nur 13 Stunden arbeitet Holtappels pro Woche im Unternehmen. Den Rest der Zeit büffelt er an der Universität Duisburg-Essen für seinen Bachelor in Wirtschaftsinformatik. GFOS unterstützt Holtappels Studium mit 11 000 Euro jährlich und bindet ihn zudem in die Softwareentwicklung ein.

Das Ziel des Stipendiums ist die Werbung in eigener Sache: Das Unternehmen will bei anderen angehenden Informatikern auf sich aufmerksam machen. "Wer hier von der Uni geht, nimmt uns noch zu selten wahr", sagt GFOS-Geschäftsführer Burkhard Röhrig. "Viele Absolventen sehen zunächst nur Konzerne wie SAP als mögliche Arbeitgeber."

Im Ringen um Spezialisten hat der Mittelstand gegen Großunternehmen oft schlechte Karten. Der Fachkräftemangel verschärft die Situation: 2008 hatten laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) 49 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten bei der Suche nach Fachkräften mit Hochschulabschluss. 2006 waren es nur 33 Prozent.

Viele kleine Firmen kooperieren daher wie GFOS mit Hochschulen, um ihr Image bei der umworbenen Zielgruppe zu pflegen. Die Spannweite reicht vom Sponsoring eines Studenten wie Sebastian Holtappels bis zur Finanzierung eines ganzen Campus.

Studenten zieht es in die Metropolen

Bis zu 2,5 Mio. Euro jährlich trägt etwa der Förderverein der Hochschule Furtwangen zum Betrieb der Außenstelle Campus Tuttlingen bei. Mehr als 80 Firmen aus der Region stemmen die Summe, 9 000 Euro pro Student zahlt das Land. Einzelne Betriebe haben sich verpflichtet, zehn Jahre lang 200 000 Euro jährlich zu investieren.

Der ländliche Standort - ein Zentrum für Medizintechnik und Elektronik - ist beim Nachwuchs nicht gerade beliebt. "Angehende Fachkräfte zieht es meist in die Metropolen", sagt Stefan Helbig, Vorstandsmitglied des Fördervereins. "Wir wollen Studierenden zeigen, dass wir eine starke Industrie haben, für die das Herkommen lohnt."

Noch stammen 85 Prozent der Studenten aus der Region. Zwei neue Studiengänge sollen nun die Attraktivität der Hochschule steigern: Industrial Material Engineering sowie Industrial Virtual Engineering. "Die Anfragen zeigen uns, dass wir bei den Kursen für das Wintersemester 2011/12 mit mindestens 30 Prozent Studierenden von auswärts rechnen können", sagt Studiendekan Peter Anders.

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  • in Norwegen besteht echter ingenieurbedarf und das nicht zu
    Dumpinglöhnen und nicht zu Sklavenbedingungen wie in diesem bornierten
    Deutschland.


    Norwegen braucht dringend ingenieure

    http://www.norwegen.no/en/arkiv/OM-/Arbeit-Aktuelles/jobmarked/engineers/

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