Facility-Management
Ein Chef mit Putz-Erfahrung

Als Student hat Eberhard Sasse in einer Bank sauber gemacht. Heute gehört das Institut zwar noch immer zu seinen Auftraggebern, Sasse aber führt mittlerweile einen Facility-Management-Komplettanbieter. Nichts verkörpert den Aufstieg der Branche in Deutschland so eindrücklich wie sein Werdegang.

BREMEN. Wenn abends in der Schalterhalle einer Bank am Münchener Frauenplatz die Lichter ausgingen, kam Eberhard Sasse. Nacht für Nacht wischte der Student den Fußboden der Filiale. Das ist jetzt 32 Jahre her. Heute arbeitet Sasse noch immer für dieselbe Bank. Doch inzwischen ist der 56-jährige Vorstandsvorsitzender der Dr. Sasse AG, einer international tätigen Unternehmensgruppe, die vom Reinigen bis zur technischen Wartung und Bewachung das komplette Facility-Management-Angebot für Gebäude, Flugzeuge und Eisenbahnzüge abdeckt. „Dass die Bank heute noch zu meinen Auftraggebern gehört, bedeutet mir sehr viel“, sagt Sasse. „Kontinuität in der Kundenbeziehung ist eines unserer wichtigsten Unternehmensziele.“

Nichts verkörpert den Aufstieg des Facility Management in Deutschland so eindrücklich wie der Werdegang von Eberhard Sasse. Als er 1976 den Grundstein der späteren Dr. Sasse AG legte, kannte den Begriff Facility Management noch niemand. „Damals gab es einzelne Handwerksbranchen, heute werden zusammengefasste Management-Leistungen erbracht“, erinnert sich Sasse. „Die gleiche Entwicklung hat unser Unternehmen durchlebt.“ Bis Sasse zum Komplettanbieter wurde, vergingen fast 20 Jahre. Heute beschäftigt er weltweit 4 000 Mitarbeiter, der jährliche Umsatz beläuft sich auf 120 Mill. Euro.

Wer glaubt, dass hinter dieser Erfolgsgeschichte eine ausgeklügelte Strategie eines geborenen Facility Managers steckt, täuscht sich: „Am Anfang stand nur ein junger Mann, der sich selbständig machen und gute Arbeit leisten wollte“, erinnert sich Eberhard Sasse an seine Jugend. „In die Branche bin ich eher zufällig gerutscht.“ Als Student der Rechts- und Politikwissenschaft brauchte Sasse einen Nebenjob, verkaufte Weihnachtsbäume, betrieb eine Eisdiele und bot seine Dienste schließlich auch als Reinigungskraft an.

Der nächtliche Putz-Job in der Münchner Bank am Frauenplatz war Sasses erster Auftrag. „Da ist in mir der Wunsch entstanden, Dienstleistungen rund ums Gebäude anzubieten“, sagt er. Ein weiterer Zufall sorgte dafür, dass der Unternehmer heute Aufsichtsratsvorsitzender in derselben Münchner Bank ist: Vor drei Jahren fusionierte das Kreditinstitut mit der Raiffeisenbank München. Dort hatte sich Sasse bereits seit Jahren im Aufsichtsrat engagiert.

An seiner Sichtweise auf den Beruf hat sich seit Eberhard Sasses Anfangstagen nicht viel geändert: Auch heute will sich der Vorstandsvorsitzende der Dr. Sasse AG als Dienstleister verstanden wissen, dem gute Geschäftsbeziehungen und Produktqualität wichtiger sind als das Unternehmenswachstum. „Wir erleben auf dem Facility-Management-Sektor derzeit einen starken Konzentrationsprozess“, sagt Sasse. „Aber Wachstum ist als Selbstzweck ungeeignet.“ Während die Großen der Branche wie Bilfinger Berger oder HSG durch Unternehmenszukäufe ihre Marktanteile systematisch erhöhen, verzichtet Sasse darauf ganz bewusst. Unter den Großen der Branche sei man der Kleine: „Wir haben keinen Ehrgeiz, zu den Top Drei aufzuschließen.“

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