Factoring
So wird Papier zu frischem Geld

Viele Rechnungen von Mittelständlern bleiben lange unbezahlt. Sie an Spezialdienstleister weiter zu verkaufen ist besonders in der Finanzkrise eine interessante Finanzierungsmöglichkeit. Einige stehen dem Factoring noch skeptisch gegenüber - doch die Akzeptanz des professionellen Forderungsverkaufs wächst.

KÖLN. Modehersteller Réne Lezard aus Schwarzach tut es, so gut wie alle Mobilfunkunternehmen. Und auch der Druckertoner-Hersteller Geha aus Brilon im Sauerland. Sie verkaufen ihre offenen Forderungen an einen Factoring-Anbieter, einen so genannten Factor. Dieser treibt dann das Geld für sie ein, übernimmt also auch die Aufgabe, dem Schuldner gegebenenfalls Mahnungen zu schicken. "Mit Factoring erreichen Mittelständler mehr Liquidität und verbessern ihre Bilanzstrukturen", sagt der Chef der Dresdner Factoring AG Bernward Rohmann. Einige Mittelständler stehen Factoring noch skeptisch gegenüber - das könnte sich aber bald ändern. Denn die Akzeptanz für den Rechnungsverkauf wächst stetig.

Meist bekommt der Factoring-Kunde 80 bis 90 Prozent der Forderungssumme innerhalb von zwei Tagen ausgezahlt. Und den Rest, wenn der Schuldner die Rechnung beglichen hat. Der Factor erhält von seinem Kunden eine Gebühr, deren Höhe sich nach dessen Jahresumsatz richtet, und Zinsen auf den Rechnungsbetrag, den er vorgeschossen hat.

Der Vorteil: Der Kunde hat keine Zahlungsausfälle. Weil Factoring-Unternehmen das Geld in der Regel so schnell überweisen, kann der Kunde beim weiteren Einkauf Skonti nutzen und so sogar einen Teil der Factoring-Kosten wieder reinholen. Zudem sorgt die gestiegene Liquidität für bessere Ratings und damit in der Regel für bessere Konditionen für eigene Kredite. Doch trotz aller Vorteile - Factoring hatte bisher ein Imageproblem. Rechnungen zu verkaufen und so Geschäfte mit Geld zu machen, das noch gar nicht bezahlt ist, das hatte für viele Mittelständler lange Zeit etwas Anrüchiges.

In den vergangenen Jahren ist die Akzeptanz für Factoring im Mittelstand dennoch langsam, aber sicher gestiegen. Branchenkenner schätzen, dass Factoring im Zuge der Finanzkrise die Mittelständler endgültig erobern könnte. "Factoring hat in den letzten Jahren gerade im Mittelstand deutlich an Akzeptanz gewonnen", bestätigt Alexander Moseschus, Geschäftsführer des Deutschen Factoring-Verbands (DFV). "Für viele Unternehmen ist es sogar zum Qualitätssiegel geworden, Factoring zu betreiben." Nach DFV-Angaben lag die Zahl der Kunden der im DFV organisierten Factoring-Anbieter im vergangenen Jahr bereits bei zirka 4700. Das ist ein Zuwachs um etwa 22 Prozent im Vergleich zu 2006. Auch Volker Ernst, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand (BFM), ist zuversichtlich. "Das Akzeptanzproblem ist noch nicht ganz verschwunden, aber sehr viel kleiner geworden", sagt er. Nur noch sehr kleine Unternehmen stehen seiner Erfahrung nach Factoring skeptisch gegenüber.

Kein Wunder, denn viele Factoring-Anbieter bemühen sich um passende Lösungen für ihre Klientel. Selbst für Branchen mit besonders schwierigen Kunden gibt es eine Factoring-Möglichkeit. Unternehmer, die nicht wollen, dass ihre Kunden von dem Rechnungsverkauf erfahren, können so genanntes stilles Factoring betreiben.

Beim stillen Factoring kümmert sich der Unternehmer selbst um das Mahnwesen, nicht der Factoring-Anbieter. Der Schuldner überweist das Geld auf das Konto des Unternehmer, nicht auf das des Factors, und merkt so nicht einmal, dass der Unternehmer seine Rechnung verkauft hat. Stilles Factoring ist jedoch nicht so weit verbreitet wie die offene Variante und auch nicht für jeden geeignet. "Es ist nur etwas für den großen Mittelstand, nicht für kleine Firmen", erklärt Ernst vom BFM. Das liegt daran, dass Factoring-Unternehmen für die stille Variante die Bonität ihres Kunden strenger prüfen als beim offenen Factoring. Weil sie nicht direkt mit demjenigen, der das Geld zahlen muss, in Kontakt stehen, ist das Risiko eines Zahlungsausfalls für sie höher. Zudem verlangen Factoring-Unternehmen in einem solchen Fall meist, dass der Kunde mindestens fünf Mio. Euro Jahresumsatz erzielen muss.

Ob still oder offen: Große Teile der Factoring-Branche sind davon überzeugt, dass die Akzeptanz für ihr Geschäft in der Krise weiter wachsen wird, und so auch das Geschäft selbst. "Factoring wird in der Finanzkrise seine Vorteile wahrnehmen", prognostiziert DFV-Geschäftsführer Moseschus. Das glaubt auch Ernst: "Der Markt wächst, weil das Produkt in diese Zeit passt", sagt er. "Man muss heute einfach das Risiko streuen."

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