Familiendrama
Betrugsvorwurf gegen Indus-Aufsichtsräte

Die dramatischen Vorgänge um die Mittelstandsholding Indus erhalten eine neue Wendung. Seit Monaten versuchen zwei Finanzinvestoren, offene Forderungen gegen Indus-Gründer und Mittelstandsikone Winfried Kill einzutreiben. Die Familie versuchte die Rettung – und plötzlich steht der Bruder Günter Kill, amtierender Indus-Aufsichtsratschef, unter Betrugsverdacht.
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HAMBURG. Der Finanzinvestor Pentagon beschuldigt Günter Kill, den Fonds bewusst über die Finanzlage seines Bruders getäuscht und Pentagon damit einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe zugefügt zu haben. Der Fonds hat deshalb bei der Staatsanwaltschaft Köln Strafanzeige erstattet (Aktenzeichen 110Js636/09).

Der Vorwurf lautet auf Betrug im besonders schweren Fall. Auch der Rechtsanwalt und langjährige Berater der Familie Kill, Egon Schlütter, der ebenfalls im Indus-Aufsichtsrat sitzt, ist wegen gemeinschaftlichen Betrugs im besonders schweren Fall angezeigt. Gleichzeitig werden derzeit signifikante Vermögenswerte von Winfried Kill an andere Familienmitglieder übertragen. Die Gläubiger fürchten, dass dies geschieht, um das Vermögen Kills dem Zugriff der Fonds zu entziehen.

Die Geschäfte der Indus AG, die 41 Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen mit rund 6000 Mitarbeitern hält, sind durch die Strafanzeige nicht betroffen. Indus kommentiert die Vorgänge deshalb nicht.

Alle Streitigkeiten gehen zurück auf ein Geschäft zwischen Winfried Kill und Pentagon mit Aktien des Münchener Altersheimbetreibers Curanum. Im Mai 2008 verpflichtete sich Kill, eine so genannte Put-Option zu übernehmen, die der Fonds ursprünglich mit der von Lars Windhorst geführten Firma Vatas geschlossen hatte. Pentagon kaufte dabei 2,5 Millionen Curanum-Aktien zum Preis von 7,35 Euro pro Aktie.

Pentagon erhielt das Recht, die Aktien später für 8,50 Euro pro Stück an Vatas zurückzugeben. Weil Vatas in Zahlungsschwierigkeiten war und Kill fürchtete, den von ihm hoch geschätzten Windhorst als Geschäftspartner zu verlieren, garantierte Kill dem Fonds die Zahlung von 21,25 Millionen Euro. Außerdem garantierte Kill, dass sein Nettovermögen 21,25 Millionen Euro auch tatsächlich überstieg.

Was Pentagon nicht wusste: Im Mai 2008, als Winfried Kill für Vatas einsprang, war der Indus-Gründer längst nicht mehr so solvent, wie er vorgab. Nach eigener Auskunft gegenüber der Börsenaufsicht hielt Winfried Kill zu jenem Zeitpunkt 22 Prozent an Indus. Sein Anteil hätte bei Vertragsabschluss einen Gegenwert von rund 100 Millionen Euro gehabt. Pentagon sah sein Geschäft deshalb ausreichend gesichert. Tatsächlich jedoch hatte Kill im Mai 2008 längst den Großteil seiner Indus-Aktien verkauft und hielt nur noch 8,46 Prozent. Davon sagte er aber bei Vertragsabschluss mit Pentagon nichts.

Im November 2008 trat Winfried Kill als Aufsichtsratsvorsitzender von Indus zurück – angeblich litt er seit Monaten unter starken Depressionen und anderen psychischen Störungen. Seinen Platz an der Spitze des Indus-Kontrollgremiums nahm sein Bruder Günter Kill ein. Günter Kill war es auch, der im Februar 2009 in einem Gespräch mit Pentagon als Bevollmächtigter seines Bruders angab, das Vermögen von Winfried Kill liege erheblich über den 21,25 Millionen Euro, die Pentagon einforderte. Zudem gab Günter Kill an, außer einem zinslosen Darlehen der NordLB gäbe es keine Forderungen an seinen Bruder. Dies geht aus Unterlagen hervor, die der Staatsanwaltschaft vorliegen.

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  • Grittal: die indus um W. Kill hat sich mehrmals verzockt..und angeblich wusste dann keiner was los war! Weder Vorstands- noch Aufsichtsratsvorsitzender!
    mit Grittal kann man aber gut die Sorgenfalten wegstrahlen, woll Herr Kill?
    ...Grittal kann man auch gut in der Gummizelle ausschuetten, um zu simulieren wie es wirklich ist wenn man unter der bruecke auf scharfkantigem Sand schlafen sollte....

    alles bullshitt: die Gier frisst das Hirn auf!!!!!

  • Grittal: die indus um W. Kill hat sich mehrmals verzockt..und angeblich wusste dann keiner was los war! Weder Vorstands- noch Aufsichtsratsvorsitzender!
    mit Grittal kann man aber gut die Sorgenfalten wegstrahlen, woll Herr Kill?
    ...Grittal kann man auch gut in der Gummizelle ausschuetten, um zu simulieren wie es wirklich ist wenn man unter der bruecke auf scharfkantigem Sand schlafen sollte....

    alles bullshitt: die Gier frisst das Hirn auf!!!!!

  • Was es nicht alles in Deutschland gibt.
    Da macht jemand ein Geschäft und erwartet daraus einen möglichen Gewinn.
    Nachdem das aber in die Hose gegangen ist, kann man sich nicht anders helfen als den Geschäftemacher als demnt zu bezeichnen.
    ich bin gespannt wie diese Klage ausgehen wird ?

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