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Familienunternehmen: Angestellte Manager übernehmen die Macht

In Familienunternehmen gelten eigene Regeln. Einen angestellten Manager die Geschäfte führen zu lassen, galt lange Zeit als Notlösung. Jetzt sind die Fremd-Manager auch im Mittelstand auf dem Vormarsch: Denn sie haben viele Vorteile - und Inhaber immer öfter keine Alternative.

von Sibylle Schikora
Angestellte Manager haben es in Familienunternehmen oft schwer. Foto: Archiv
Angestellte Manager haben es in Familienunternehmen oft schwer. Foto: Archiv

KÖLN. Unternehmer sollten sich besser nicht darauf verlassen, dass eines ihrer Kinder einmal die Führung des Unternehmens übernimmt. "Die Mehrheit der Unternehmerkinder hat ganz andere Wünsche", sagt Michael Keller. Der Berater weiß, wovon er spricht. Er war lange Dozent an der European Business School in Oestrich-Winkel (EBS). Und dort sind viele Studenten Unternehmerkinder mit hochambitionierten Eltern. Deren Hoffnung: Der Nachwuchs soll die Führungskraft von morgen sein. Keller hat seine Studenten gefragt, was sie wollen. Ergebnis: Jeder zweite hat kein Interesse daran, das Unternehmen der Eltern zu übernehmen.

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Die Folge: Immer mehr Familienunternehmen werden von angestellten Managern geführt. So rechnet jeder dritte deutsche Unternehmer damit, dass der Anteil externer Führungskräfte in den kommenden Jahren wächst, belegt eine Studie von Pricewaterhouse-Coopers (PWC). Schon heute ist nur noch jedes vierte Unternehmen in Deutschland fest in der Hand von Führungskräften, die zur Familie gehören.

Dabei gilt ein einfacher Zusammenhang: Je größer und internationaler die Firma ist, desto mehr Führungskräfte kommen von außen. "Schon ab einem Jahresumsatz von 500 Millionen Euro ist die Geschäftsführung meist zu komplex, um sie auf wenige Familienmitglieder aufzuteilen", sagt Norbert Wieselhuber, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Wieselhuber & Partner.

Hauptgrund für den Vormarsch angestellter Manager ist aber fehlender Nachwuchs. "Die Kinder wissen, wie viel ihre Eltern gearbeitet haben", erklärt Berater Keller, der Teilhaber der Unternehmensberatung Klein & Coll. Ist. "Kaum Urlaub, kein freies Wochenende und ein hohes privates Risiko sind persönliche Opfer, die viele nicht tragen wollen." Zudem sehnt sich der Nachwuchs danach, seinen eigenen Weg zu gehen und nicht in die Fußstapfen der Eltern zu treten. "Selbstverwirklichung steht hoch im Kurs", sagt Keller.

Doch selbst wenn der Nachwuchs Interesse hat, das Unternehmen der Eltern zu leiten, ist die Entscheidung meist noch längst nicht gefallen. Wer in den Augen der Eltern zu wenig Talent mitbringt, noch zu jung oder nicht ausreichend ausgebildet ist, kommt trotz des Familienbonus oft nicht auf den Chefsessel. "Die Einstellung der Unternehmer hat sich geändert", berichtet Keller. Zwar wünschen sie sich, dass ein Familienmitglied die Unternehmenstradition weiterführt. Doch das Wohl des Unternehmens sei ein noch höheres Gut. Die Folge: "Die Möglichkeit, einen Manager einzustellen, schließt kein Unternehmer mehr bei seinen Überlegungen aus", sagt Keller. "Wer jahrelang eine Firma aufgebaut hat, will sie in kompetenten Händen wissen, Familie hin oder her."

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