Familienunternehmen
Chefs von außen als Notnagel

Viele Familienunternehmen sehen lieber jemanden aus der eigenen Sippe an ihrer Spitze und lehnen das Engagement externer Manager ab. Doch in kaum einem Land ist dies so ausgeprägt wie in Italien. Ein Erklärungsansatz.

DÜSSELDORF/MAILAND. Eine Eigenschaft der italienischen Kultur sei es, Familienunternehmen „sehr possessiv“ zu betrachten, sagt Guido Corbetta, ein auf Familienunternehmen spezialisierter Professor an der Bocconi-Universität in Mailand. Zum anderen sei es eine Frage der Dimension, denn in Italien gibt es vor allem kleinere Familienfirmen mit bis zu 50 Mitarbeitern. „Solche Firmen haben es oft nicht leicht, externe Manager zu finden“, gibt Corbetta zu Bedenken. Anders sei dies in Großunternehmen: Bei den von Familien kontrollierten börsennotierten Konzernen in Italien hätten 50 Prozent einen externen Vorstandsvorsitzenden.

Die Situation der Familienunternehmen in Deutschland ist ähnlich. Je größer die Unternehmen und je ambitionierter die Expansionspläne, desto eher werden familienfremde Manager engagiert. Bei kleineren Unternehmen wird auch in Deutschland ein externer Manager an der Spitze der Geschäftsführung oft nur als Notnagel gesehen, zeigte eine Untersuchung der Bonner Unternehmensberatung Intes.

Andere Untersuchungen stützen die These des italienischen Ökonomen Marco Vitale, dass in Deutschland und der Schweiz mehr als in Italien der Grundsatz herrscht: „Erst das Unternehmen, dann die Familie“ – ein Motto, dass der frühere Henkel-Chef Konrad Henkel Mitte der 70er-Jahre prägte. Die Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner befragte im vorigen Jahr 500 deutsche Familienunternehmen aus allen Wirtschaftszweigen. Sie gaben an, dass es kein Unternehmensziel sei, ein Betätigungsfeld für Familienmitglieder zu schaffen. Es gehe vielmehr um die langfristige Sicherung der Firma.

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