Mittelstand

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Familienunternehmen: Der Mittelstand lässt seine Nachfolger warten

Familienunternehmer wie der Duschkopf-Hersteller Hansgrohe stellen ihren Nachwuchs auf eine lange Probe. Ein Branchenphänomen: Kinder charismatischer Chefs haben es nicht leicht — und müssen ganz schön lange warten.

Amaturenhersteller Hansgrohe hat die schärfste Konkurrenz mit Grohe in der Verwandtschaft Quelle: PR
Amaturenhersteller Hansgrohe hat die schärfste Konkurrenz mit Grohe in der Verwandtschaft Quelle: PR

StuttgartRichard Grohe jobbte auf dem Bau, schraubte Gerüste zusammen und übte sich als Landschaftsgärtner. Der in der Westschweiz aufgewachsene Unternehmersohn wollte Anfang 20 erst einmal seinen eigenen Weg gehen. Nach zwei Jahren verflog aber die Euphorie für den rauen Job an der frischen Luft. "Mein Vater hat mich dann doch zum rechten Zeitpunkt angesprochen", erinnert sich Richard Grohe. Und Klaus Grohe, lockte den abenteuerlustigen Sohn mit einem Job in den USA. Vater Klaus hatte den Armaturenhersteller Hansgrohe mit seinen Designideen groß und weltberühmt gemacht. Die Heimholung gelang. Seither lässt der Vater den Sohn einen weiten Weg gehen.

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Richard kam als Trainee und studierte an der Berufsakademie Betriebswirtschaft. Sein Gesellenstück lieferte er längst in Frankreich ab, als er ab 1995 das französische Werk aufbaute. "Ich war dort für alles verantwortlich", erinnert Richard Grohe. Seit 20 Jahren arbeitet der 47-Jährige jetzt für Hansgrohe. Inzwischen ist er stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung und für Europa zuständig.

Doch den Vorsitz traut ihm der heute 75-jährige Senior immer noch nicht zu. Bei seinem Rückzug aus dem Tagesgeschäft vor vier Jahren installierte Grohe mit seinem Finanzchef und engen Vertrauten Siegfried Gänßlen einen familienfremden Manager an der Spitze. Obwohl Gänßlen inzwischen auch bereits 66 Jahre alt ist, wurde sein Vertrag in diesem Jahr bis 2015 verlängert. "Grundsätzlich ist es nicht akzeptabel, wenn ein Nachfolger älter als 45 Jahre alt ist, bis er voll zum Zug kommt", sagt Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Ideal sei ein Alter um die 35 Jahre, sonst sei der Junior verbraucht und werde im Betrieb als ewiger Sohn gesehen, sagt der Familienexperte.

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Die heutigen Unternehmer-Kinder sind meist nicht aus dem gleichen harten Holz wie ihre Väter, die sich hochgekämpft haben. Meist gut ausgebildet, agieren sie moderater und teamorientierter. "Ich bin gottfroh, dass der Siggi da ist mit all seiner Erfahrung", nimmt der Unternehmersohn es gelassen, dass er Gänßlen noch vor der Nase hat. Hennerkes hält die Geduld von Richard Grohe für einen "schweren Fehler, auch weil nicht klar kommuniziert ist, wann der Wechsel kommt". Nicht ganz so strikt sieht Arno Lehmann-Tolkmitt, Nachfolgeexperte der Bonner Intes-Beratung, die Altersfrage: "Starke Persönlichkeiten brauchen keine Titel, schwachen helfen sie nicht."

  • 28.11.2012, 17:22 UhrDrSchulte

    Selbst der Bund, die Länder und die EU haben sich der Thematik angenommen, da es für Unternehmen einfach schädlich ist, wenn die Unternehmer bzw. Inhaber den Zeitpunkt verpassen loszulassen. Es gibt extra Programm wo zum Beispiel Fördermittel Bayern weiterhelfen.

  • 26.11.2012, 03:21 UhrHans

    Bei Hansgrohe hat der Mehrheitseigentümer, die amerikanische Masco-Gruppe, auch mehr als ein Wörtchen dabei mitzureden wer das Unternehmen leitet

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