Familienunternehmen
Der Schuster, der nicht bei seinen Leisten blieb

Erst Schuhfabrik, dann Hotelkette: Wie das Familienunternehmen Seetel erfolgreich die Branche wechselte

Das Schicksal meinte es nicht immer gut mit Burghardt Seelige-Steinhoff. Gerade 15 war er, als der Vater starb und ihm die Schuhfabrik im westfälischen Beckum plötzlich führungslos hinterließ. Nach harten Lehrjahren bei befreundeten Unternehmern wurde Seelige-Steinhoff Chef des väterlichen Betriebs mit über hundertjähriger Tradition. Doch schon nach wenigen Jahren schloss er die Schuhfabrik. Danach meinte es das Schicksal besser mit ihm. Heute könnte sich der 75-Jährige als Hotelkönig der Ostseeinsel Usedom bezeichnen. Tut er aber nicht. Das passt auch nicht zu dem knorrigen und schnörkellosen Westfalen. „Wir sind keine Könige, wir sind Unternehmer“, knurrt er bloß. Und das „wir“ ist kein Pluralis Majestatis, denn es bezieht Seelige-Steinhoffs ganze Familie mit ein: den Sohn Rolf, die Ehefrau Jeanne, die Schwiegertochter Bettina.

Das familiäre Führungsquartett steht für die ungewöhnliche Erfolgsstory eines Schusters, der eben nicht bei seinen Leisten blieb. Er sattelte vom Schuhfabrikanten zum Hotelier um. Seelige-Steinhoffs Familienunternehmen Seetel betreibt heute auf Usedom 15 Hotels, Residenzen sowie Ferienwohnungen und eine Hausbrauerei mit Ausschank. Mit gut 26 Mio. Euro Umsatz im vergangenen Jahr und rund 500 Mitarbeitern – davon 90 Azubis – ist das Seetel größter Arbeitgeber und Lehrherr auf der Insel. Doch auf welchen Umwegen kam das westfälische Familienunternehmen ausgerechnet an die Ostsee, und welchen Wandel machte es durch?

Schon als junger Mann hat Seelige-Steinhoff erkannt, dass die Zukunft der Schuhproduktion made in Germany düster war: „Es kamen die Schuhe aus Italien und Spanien auf den Markt. Die konnten damals noch für die Hälfte unserer Kosten produzieren.“ Er verlegte sich deshalb erst einmal auf den Schuhimport und gründete europaweit Importgesellschaften.

Das neue Geschäft brachte ihn in der Welt herum – und eröffnete ihm eine neue Profession. „Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass im Tourismus viel Geld zu verdienen ist.“ Eine Beteiligung an einem Robinson-Club in Kenia war der Anfang. Dann gab er Geld für ein Hotel auf Mallorca, das „Bahia del Sol“: Das wurde die Keimzelle des Hotelimperiums von heute. Der Pionier in Sachen Urlaub ließ nicht nur sein Geld arbeiten, sondern stieg gründlich in die fremde Welt des Hotelmanagements ein, reinvestierte, sicherte sich weitere Anteile, bis ihm das Haus auf der Baleareninsel fast ganz gehörte.

Dann zwang ihn die Gesundheit zum radikalen Kurswechsel. „Sie haben noch höchstens drei Wochen zu leben, eröffnete mir damals der Arzt“, erinnert er sich. „Aber das ist ja nun lange her.“ Junior Rolf, gerade Elektroingenieur in Aachen geworden, musste mit ran. Er übernahm 1986 die Führung des Hotels auf Mallorca. Nebenher schaffte er es, ein Zweitstudium als Betriebswirt abzuschließen.

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