Familienunternehmen
Die Angst vor Private-Equity-Investoren nimmt ab

Der Einsatz von externem Beteiligungskapital in Familienunternehmen hat in Deutschland erheblich an Bedeutung gewonnen. Über 70 Prozent der Entscheidungsträger in familiengeführten Unternehmen rechnen auf Sicht der nächsten fünf Jahre mit einem wachsenden Einfluss von Private-Equity-Investoren. Das zeigt eine aktuelle Umfrage von Pricewaterhouse Coopers unter 89 Entscheidungsträgern.

OSNABRÜCK. Insbesondere bei langfristig angelegten Investitionen mit hohem Risiko ist die Finanzierung durch private Kapitalgeber aus Sicht der Familienunternehmen interessant, So kann sich die Mehrheit der Befragten vorstellen, zur Wachstumsfinanzierung auf Private Equity zurückzugreifen. Auch zur Regelung der Unternehmensnachfolge würden mehr als die Hälfte der befragten Familienunternehmen Beteiligungskapital in Anspruch nehmen.

Wenn sich Familienunternehmen für die Zusammenarbeit mit einem Private-Equity-Investor entscheiden, kommt es ihnen bei der Auswahl vor allem auf die Motive des Kapitalgebers an. Langfristige Zielvorgaben und eine gute Reputation der Beteiligungsgesellschaft sind wichtige Entscheidungskriterien für die Unternehmen. Hier hatten externe Gesellschafter lange Zeit Schwierigkeiten, im deutschen Markt Fuß zu fassen, zumal sie hierzulande nicht auf eine langjährige, aussagekräftige Referenzliste verweisen konnten. Die Nationalität des Kapitalgebers spielt zwar eine untergeordnete Rolle, die Befragten schätzen es dennoch, wenn den Investoren die hiesige Sprache sowie lokale Besonderheiten geläufig sind.

Im Falle eines Einstiegs externer Finanzinvestoren gilt es, die verschiedenen Interessen der Beteiligten zusammenzubringen. Die Familienunternehmen verfolgen eine langfristige Geschäftspolitik, damit sich Investitionen amortisieren können, während die Kapitalgeber eher einen kurzfristigen Anlagehorizont zwischen drei und sieben Jahren bis zum Ausstieg haben. Auch Private-Equity-Häuser sind an einer Steigerung des Unternehmenswertes interessiert, wenn sie sich an einem Familienunternehmen beteiligen.

Nur so können sie eine akzeptable Rendite erzielen. Hier ist es wichtig, dass beide Parteien aufeinander zugehen und eine Strategie entwickeln, die beiden Interessen – den langfristigen sowie den kurzfristigen – Rechnung trägt: So kann beispielsweise auch die bloße Umstrukturierung der Produktion oder des Vertriebs langfristig die Wettbewerbsfähigkeit manches Familienunternehmens sicherstellen.

Betrachtet man die Entwicklung, die das Finanzierungsinstrument Private Equity in den vergangenen Jahren genommen hat, so zeichnet sich deutlich ab, dass diese Art der Finanzierung zunehmen wird. Familienunternehmen ziehen bei spezifischen Anlässen die Beteiligung eines externen Kapitalgebers immer häufiger in Betracht. Gleichwohl sind die Investoren hier in der Bringschuld. Sie sollten sich beweglich zeigen und nicht nach einem starren System vorgehen. So könnten sie offen für Minderheitsbeteiligungen sein und längere Haltedauern ohne Einschränkungen akzeptieren.

Norbert Winkeljohann ist Mitglied des Vorstands bei PricewaterhouseCoopers und leitet den Bereich Mittelstand.

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