Familienunternehmen Die langfristige Perspektive zahlt sich aus

Sie treiben nicht zwanghaft den Unternehmenswert, sondern sichern ihr Eigentum für die nächste Generation: Familienunternehmen sind weniger krisenanfällig. Langer Atem und Visionen helfen ihnen, in schlechten Zeiten zu bestehen. Was Konzerne von Familienunternehmen lernen können.
  • Chris Löwer
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Seit über hundert Jahren verkauft Miele Waschmaschine, hier eine Werbung aus den Anfangstagen. Noch länger gibt es das Familienunternehmen. In 110 Jahren hat es keine roten Zahlen geschrieben. (Foto: Miele) Quelle: Pressebild

Seit über hundert Jahren verkauft Miele Waschmaschine, hier eine Werbung aus den Anfangstagen. Noch länger gibt es das Familienunternehmen. In 110 Jahren hat es keine roten Zahlen geschrieben. (Foto: Miele)

(Foto: Pressebild)

BERLIN. So viel Klarheit und Verantwortlichkeit wirken fast ein wenig wie aus der Zeit gefallen: Das Weinheimer Familienunternehmen Freudenberg hat sich Leitsätze verordnet, die wie in Stein gemeißelt sind. Etwa: "Wir vertrauen auf eine grundsolide Führung, die auf persönlichem Beispiel beruht und durch Bescheidenheit, Vertrauen in die Mitarbeiter und Förderung des Teamgeistes geprägt ist." Ziel des unternehmerischen Handelns ist eine langfristige Perspektive. Als Geschäftsgrundsatz ist klar formuliert, dass die Eigenkapitalquote nicht unter 40 Prozent sinken darf.

Was Freudenberg zu Papier gebracht hat, leben viele Familienunternehmen, was sie weniger krisenanfällig gemacht hat. In Schieflage geratene Konzerne könnten davon lernen, meint Peter May. Für den Gründer und Geschäftsführer der Intes Akademie für Familienunternehmen sind starke Werte und klare Ziele eines der Erfolgsrezepte, ein "innerer Kompass", der letztlich zu einer robusten Geschäftsentwicklung führe. Dazu trage auch eine strukturell bedingte solide Grundkonstellation bei: "Solange der oder die Inhaber selbst die Geschäfte führen, sind die Interessen von Inhabern und Management automatisch deckungsgleich."

Paradebeispiel Miele: 110 Jahren ohne rote Zahlen

Selbst wenn dem nicht so ist, wird in den Köpfen des Managements verankert, was Torsten Groth "Überleben als Erfolgskriterium" nennt. Der Experte für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke erklärt den Unterschied: "Das Eigentum für die nächste Generation zu sichern steht im Mittelpunkt von Managemententscheidungen. Bei börsennotierten Unternehmen geht es um das riskante Spiel, den Unternehmenswert hochzutreiben."

Als Paradebeispiel für solides Wachstum gilt der Hausgerätehersteller Miele, der seit 110 Jahren von zwei Familien, den Mieles und Zinkanns, geführt wird - seither ist kein einziges Geschäftsjahr mit roten Zahlen abgeschlossen worden. Typisch für Familienunternehmen, meint Peter May: "Erfolgreich ist, wer Märkte nicht nur bespielt, sondern verändert." Und dabei einen langen Atem und Visionen hat. Wie die Merck KGaA, der mittlerweile weltweit führende Hersteller von Flüssigkristallen für die Displayindustrie. Vor 100 Jahren wurden die ersten Flüssigkristalle in hoher Reinheit hergestellt, aber erst seit gut zehn Jahren fliegt das Geschäft. "Ein Vorstand eines börsennotierten Unternehmens könnte nie so lange an einer Vision festhalten", bemerkt Groth.

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