Familienunternehmen: Die Lust und Last des Besitzes

Familienunternehmen
Die Lust und Last des Besitzes

Rund 300 Familienunternehmer haben bei ihrem Kongress in Witten diskutiert, wie Eigentum verpflichtet. Dabei helfen ihnen Märchen. Fühlen sie sich als „gestiefelter Kater“ oder eher als „Hans im Glück“?

WittenLehrreiche Märchenstunde für fast 300 Familienunternehmer. Statt mit steifen Expertenreden werden sie zum Auftakt des 18. Familienunternehmerkongresses an der Universität Witten/Herdecke mit Szenen aus Grimm‘schen Märchen emotional auf ein ernstes Thema eingestimmt: Eigentum verpflichtet.

„Der gestiefelte Kater“ und „Hans im Glück“ – zwei Gleichnisse, die unterschiedlicher nicht sein könnten und vom Glück und Unglück des Besitztums erzählen. Der eine erbt vom Vater nichts außer einem Kater. Doch der verhilft ihm mit Cleverness zu Ansehen, Reichtum und schließlich zur Königskrone. Der andere, Hans, bekommt als Lohn einen dicken Goldklumpen. Doch der ist ihm eine Last. Er tauscht ihn gegen ein Pferd und immer weiter, bis er schließlich einen wertlosen Stein hat. Doch erst als der in den Brunnen fällt, ruft der besitzlose Hans erleichtert: „Ich bin der glücklichste Mensch!“

Die Last des Eigentums kennen auch Familienunternehmer nur zu gut. Besonders wenn sie die Tradition vieler Generationen fortführen sollen. So wie Florian Rehm, die fünfte Generation der Jägermeister-Dynastie, begründet 1878: „Jahrzehntelang wurde das Unternehmen bei uns in der Familie als Bürde empfunden. Mein Großvater war Kinderarzt, musste aber als Geschäftsführer arbeiten. Dabei wäre er als Mediziner viel glücklicher geworden.“

Erst als das Familienunternehmen kurz vor dem Verkauf stand, hat sich die Sichtweise der Familienmitglieder langsam gewandelt. „Die fünfte Generation hat die Freude am Eigentum wiedergefunden“, erzählt Florian Rehm. „Unsere Mutter hat uns Kinder daran erinnert, dass Eigentum auch eng mit Dankbarkeit verbunden ist. Die Dankbarkeit, etwas zu besitzen und gestalten zu können. Der Gesellschaft etwas geben zu können, aber auch etwas zurückzubekommen.“

Das Gleichnis von Hans im Glück interpretieren Unternehmer, die ihr Eigentum nicht nur als Verpflichtung, sondern vielmehr auch als Chance begreifen, denn auch ganz anders: „Hans im Glück war eigentlich ein unglücklicher Mensch. Denn er wusste nichts Sinnvolles mit seinem Eigentum anzufangen“, wird ein Unternehmer in der Theaterperformance zitiert. „Statt sich vom Ballast des Eigentums zu befreien, hätte er andere Menschen glücklich machen können, indem er ihnen Arbeit und Brot gibt.“ Wer selbst nicht in der Lage sei, mit Eigentum geschickt umzugehen, der könne ja jemanden dafür anstellen und trotzdem Eigentümer bleiben. Eine Huldigung an die vielen kompetenten Fremdgeschäftsführer.

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