Familienunternehmen

Die Unterschätzten

Firmen, die in Familienhand sind, genießen hierzulande großes Vertrauen und sind hochgeschätzt. Das belegt eine Studie der Beratung PWC. Doch in manchen Punkten trauen ihnen die Deutschen zu wenig zu.
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Vor 60 Jahren begründete Claus Hipp, hier mit seinem Sohn Stefan Hipp, den Markt für Bio-Babynahrung in Deutschland. Wie die meisten Familienunternehmen im Lande genießen die Pfaffenhofener ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Quelle: obs
Familienunternehmer

Vor 60 Jahren begründete Claus Hipp, hier mit seinem Sohn Stefan Hipp, den Markt für Bio-Babynahrung in Deutschland. Wie die meisten Familienunternehmen im Lande genießen die Pfaffenhofener ein hohes Ansehen in der Bevölkerung.

(Foto: obs)

DüsseldorfFamilienunternehmen haben in Deutschland einen exzellenten Ruf: Vor allem in Sachen Verantwortung lassen sie Großunternehmen und Start-ups weit hinter sich – 60 Prozent der Bevölkerung hierzulande sehen Familienunternehmen bei der verantwortungsvollen Unternehmensführung klar an erster Stelle. Zudem schneiden sie bei den Arbeitsbedingungen für die Belegschaft, bei der Kundenorientierung und der Vernetzung mit regionalen Zulieferern und Partnern besonders gut ab.

Das zeigt die aktuelle Umfrage „Wettbewerbsvorteil Vertrauen: Die Stärke deutscher Familienunternehmen 2016“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC. Rund 1000 Bürger wurden befragt, wie sie Familienunternehmen im Vergleich zu anderen Unternehmenstypen wahrnehmen.

Diese Familienunternehmen sind die Lieblinge der Mitarbeiter
Die 50 größten Betriebe erwirtschafteten eine Billion Euro
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2015 beschäftigten die 50 größten Familienunternehmen Deutschlands laut der Karriereplattform Kununu fast vier Millionen Mitarbeiter – der gemeinsame Umsatz belief sich auf eine Billion Euro. Eine Kununu-Analyse von 12.000 Bewertungen zeigt, welche dieser Unternehmen Arbeitnehmer besonders schätzen – und warum. Auf einer Skala von eins (sehr schlecht) bis fünf (sehr gut) bewerteten ehemalige und aktuelle Mitarbeiter die Arbeitsbedingungen, Karrierechancen und Gehälter.

Platz 10: B. Braun Melsungen
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Der Hersteller von Medizintechnik- und Pharmaprodukten punktet bei seinen Mitarbeitern laut Befragung vor allem mit seinem Image. Das Sortiment umfasst 5000 Artikel, die der Konzern in eigener Fertigung herstellt. Bis Ende 2015 beschäftigte das Pharma-Unternehmen 55.719 Mitarbeiter. Im Durchschnitt aller Kategorien erhielt die B. Braun Melsungen AG 3,71 von fünf möglichen Punkten.

Platz 9: Brose
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In die Top Ten der beliebtesten Familienunternehmen Deutschlands hat es ebenfalls der Automobilzulieferer Brose geschafft. Laut der Karriereplattform Kununu schätzen Mitarbeiter bei Brose vor allem den kollegialen Zusammenhalt. 1971 übernahm der heutige Vorstandsvorsitzende Michael Stoschek (Bild) die Leitung des damaligen Metallwerks – zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen 1000 Mitarbeiter und erreichte ein Geschäftsvolumen von 55 Millionen D-Mark. Heute sind 24.000 Mitarbeiter an 60 Standorten in 23 Ländern tätig – und erwirtschaften 6,1 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 8: Bosch
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Bosch hat Software an Volkswagen geliefert, die von dem Autobauer auch für dessen massenhaften Abgasbetrug genutzt wurde. Trotzdem landet der international agierende Automobilzulieferer im Ranking der beliebtesten Familienunternehmen Deutschlands auf Platz acht – und das laut Kununu gerade wegen seines Images. „Bei Unternehmen, die meist weltweit agierende Konzerne sind, überstrahlt das Gesamtimage offenbar sogar die unmittelbar mitarbeiterrelevanten Merkmale“, sagt ein Sprecher.

Platz 7: Heidelberg-Cement
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In der Gesamtbewertung erhält das Baustoffunternehmen 3,8 von fünf möglichen Punkten. Überdurchschnittlich gut schneidet der Konzern mit Hauptsitz in Heidelberg in der Kategorie Kollegenzusammenhalt ab. Im Heidelberg-Cement-Konzern sind etwa 63.000 Mitarbeiter in rund 60 Länden an über 3000 Standorten tätig.

Platz 6: Beiersdorf
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Die wohl bekannteste und erfolgreichste Marke der Beiersdorf AG ist Nivea. Die Produktpalette ist in 200 Ländern erhältlich und zählt mittlerweile zu den größten Hautpflegemarken der Welt. Auf der Karriereplattform überzeugt der Hersteller von Pflegeprodukten bei ehemaligen und aktuellen Beschäftigen durch das Gehalt und Sozialleistungen.

Platz 5: VW
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Vor mehr als einem Jahr wurde bekannt, dass Volkswagen illegale Abschalteinrichtungen in der Motorsteuerung von Diesel-Fahrzeugen eingesetzt hat, um US-Abgasnormen zu umgehen. Trotzdem lieben die Mitarbeiter den Wolfsburger Autobauer nach wie vor: Im Ranking belegt VW Platz fünf. Das Unternehmen überzeugt durch Gehalt und Sozialleistungen.

Vielfach werden die deutschen Familienunternehmen allerdings unterschätzt. Zum Beispiel wenn es um die Sicherung von Arbeitsplätzen geht. Hier liegen sie in der Wahrnehmung in etwa gleichauf mit Konzernen. Dabei haben die 500 größten Familienunternehmen nach der Finanz- und Wirtschaftskrise an ihren Beschäftigten festgehalten und ihre Belegschaft sogar um elf Prozent ausgebaut, wie die Stiftung Familienunternehmen ermittelte. Demgegenüber hätten die Dax-Konzerne (ohne Familienunternehmen) ihren Mitarbeiterstamm um sieben Prozent abgebaut. „Familienunternehmen müssten sich stärker nach außen zu positionieren und deutlich machen, dass sie ein wichtiger Jobmotor für die deutsche Wirtschaft sind und Arbeitsplätze sichern“, meint Peter Bartels, PWC-Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand.

Unterschätzt werden viele Familienunternehmen auch bei ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. In diesem Punkt schneiden Großunternehmen in der öffentlichen Wahrnehmung mit 68 Prozent Zustimmung am besten ab. Nur elf Prozent sehen Familienunternehmen hier an erster Stelle. „Dabei gibt es viele ‚Hidden Champions‘ und Weltmarktführer unter den deutschen Familienunternehmen“, betont Bartels.

Auch bei Digitalisierung und Technologie sieht nur jeder zehnte Befragte Familienunternehmen vorn. Hier gibt es bei einigen sicherlich noch Nachholbedarf. Die große Mehrheit der Befragten fordert deshalb, dass die Familienunternehmen bei der Digitalisierung stärker unterstützt werden sollten.
Punkten können inhabergeführte oder -kontrollierte Unternehmen in Sachen Familienfreundlichkeit (56 Prozent), gesellschaftliches Engagement (47 Prozent) und offene Arbeitskultur (39 Prozent). Bei letzterem liegen sie sogar deutlich vor den Start-ups (29 Prozent).

Einen deutlichen Vorsprung haben Großunternehmen nach Ansicht der Deutschen allerdings, wenn es um Karriere, Weiterbildung und attraktive Gehälter geht. Nur 14 bis 20 Prozent der Befragten sehen Familienunternehmen hier an vorderster Stelle. Angesichts des zunehmenden Mangels an Fachkräften sieht Bartels diese öffentliche Wahrnehmung kritisch. Nur die wenigsten berücksichtigen bei den Gehaltsstrukturen, dass Mittelständler häufig außerhalb von Metropolregionen ansässig sind. Bartels: „Damit liegen auch die Lebenshaltungskosten deutlich niedriger.“

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