Familienunternehmen
Die wachsende Macht der Beiräte

Sie treffen für Unternehmerfamilien in Notfällen und Krisen, aber auch in guten Zeiten wichtige Entscheidungen: Bereits jedes zweite Familienunternehmen hat einen Beirat. Warum die Bereitschaft von Unternehmerfamilien, sich von einem Beirat in die Karten schauen zu lassen, immer mehr zunimmt. Eine Exklusiv-Studie.

DÜSSELDORF. Stephan Schwarz war 30 Jahre alt, sein Bruder Heiko 24, als ihr Vater vor dreizehn Jahren mit einem Kleinflugzeug im afrikanischen Sambia tödlich verunglückte. Die Nachricht kam an einem Freitag. Die Familie war geschockt. Und die rund 2 000 Mitarbeiter des Familienunternehmens GRG Services bangten um ihre Existenz. "Ohne fremde Hilfe hätten wir nicht gewusst, wie es weitergeht", sagen die Brüder heute. Ihr Vater aber hatte für diesen Notfall vorgesorgt: durch einen Beirat, der seine Gebäudereinigungsfirma über Jahrzehnte begleitet hatte.

Bereits am Samstag trafen sich die Beiräte - ein Steuerberater, ein Wirtschaftsprüfer und ein befreundeter Unternehmer - mit der Familie des verunglückten Vollblutunternehmers. Sie spielten die verschiedenen Szenarien mit der Ehefrau und ihren Söhnen durch. "Wir waren uns einig, dass wir schon am Montag vor die Mitarbeiter treten sollten, um ihnen so schnell wie möglich mitzuteilen, wie es mit dem Unternehmen weitergeht", erinnert sich Stephan Schwarz an jenes Wochenende im Januar 1996. Damals hängte er seine Karriere als Buchverleger an den Nagel, um die Firma seines Vaters fortzuführen. "Der Beirat half mir bei meinen ersten Schritten als Geschäftsführer. Ich konnte auf seinen Rat zählen."

"Beiräte können für Unternehmerfamilien in Notfällen und Krisen wertvolle Hilfe leisten, sind aber auch wichtige Sparringspartner, wenn es gilt, in guten Zeiten die richtigen Entscheidungen zu fällen", betont Christoph Achenbach, Partner der Intes Beratung für Familienunternehmen in Bonn. Beiräte sind aber vor allem eins: mächtig im Trend und im Mittelstand immer professioneller aufgestellt. Das ergab eine Umfrage, die Intes mit der Interessensvertretung Familienunternehmen ASU mit der privaten Hochschule WHU nach sieben Jahren nun zum zweiten Mal unter rund 4 000 Familienunternehmen durchgeführt hat.

Das Ergebnis der Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt: Mehr als jedes zweite Familienunternehmen in Deutschland - 52 Prozent - hat heute einen Beirat. Zum Vergleich: 2002 waren es erst zwei von fünf. Mehr noch: Fast jedes zweite Gremium berät heute die Familienunternehmer nicht nur, sondern kontrolliert sie auch und erfüllt wichtige Entscheidungskompetenzen.

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