Familienunternehmen
Hartes Erwachen mit leerer Kasse

Wenn das Geld knapp wird, ist gute Planung gefragt. Erst in der Krise nimmt der Mittelstand das Liquiditätsmanagement ernst. Viel zu spät, glauben Experten. Wie Unternehmer potentielle Risiken besser erfassen können.
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Berlin Seit drei Monaten wird Thorsten Braun mit Anfragen nach seiner Software zur Liquiditätsplanung überhäuft. Er ist Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Intevo, die auf ihrer Internetseite eine einfache Excel-Tabelle anbietet, mit der mittelständische Unternehmer ihre Liquidität steuern können.

Für ihn ist die verstärkte Nachfrage ein Indiz dafür, dass Unternehmen immer härter gegen finanzielle Engpässe kämpfen müssen. „Das Liquiditätsmanagement ist jetzt stark in den Fokus der Geschäftsführer gerückt“, folgert Braun. Aus seiner Beratungspraxis weiß er, dass gerade im Mittelstand das Know-how in diesem Bereich oft nur sehr schwach ausgeprägt ist. „Wir erleben, dass in vielen mittelständischen Betrieben das Liquiditätsmanagement bislang überhaupt kein Thema war“, sagt Braun.

Einige Unternehmen beauftragten Mitarbeiter erst jetzt damit, im Internet nach Know-how zu stöbern. „Viel zu spät“, meint Braun. Die Prozesse für die Liquiditätssteuerung sollten schon in guten, ruhigen Zeiten aufgebaut werden, rät er.

Unternehmen hingegen, die bereits professionell organisiert sind, können nun die Systeme ausbauen und an die aktuellen Schwierigkeiten anpassen. „Heute wird versucht, mögliche Risiken besser zu erfassen“, sagt Braun. Hier geht es vor allem darum, die Wahrscheinlichkeiten für Zahlungen zu bewerten. Denn viele Kunden zahlen heute deutlich später und finanzieren sich somit über ihre Lieferanten. Im Zuge der erwarteten Pleitewelle steigt auch das Risiko von Zahlungsausfällen.

Auch größeren mittelständischen Unternehmen fällt es derzeit nicht leicht, Liquidität zu beschaffen. „Es wird jetzt in sehr vielen Unternehmen die gesamte Palette an Möglichkeit zum Schöpfen von Liquidität genutzt“, sagt Thomas Schräder, Finanzmanagement-Experte bei Pricewaterhouse-Coopers. Dabei geht es im Wesentlichen um die klassischen Instrumente des Liquiditätsmanagements, wie zum Beispiel die Optimierung von Vorratshaltung, Zahlungszielen oder Inkasso. Investitionsvorhaben werden streng geprüft und vielfach auf Eis gelegt.

Verstärkt suchen Unternehmen heute aber auch nach analytischen Wegen, um finanzielle Risiken zu erfassen und bewerten zu können. Zu den Risiken zählen Rohstoffpreise, Währungsschwankungen und Zinsen. Das Controlling zielt laut Schräder darauf ab, innerhalb des Unternehmens zu einem integrierten Risikomanagement zu kommen. „Dafür wird intensiv an den Schnittstellen zwischen den Abteilungen gearbeitet, um die verschiedenen Expertisen im Unternehmen einzubinden und verlässlichere Daten zu gewinnen“, sagt Schräder.

Auf dem Prüfstand stehen in puncto Risikomanagement häufig auch die Beziehungen zu den Banken. Laut Schräder wird wieder sehr breit nach Finanzierungsquellen gesucht. „In der Zukunft kann es durchaus wieder verstärkt Diversifizierungsstrategien in dieser Hinsicht geben“, meint Schräder.

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  • Guten Tag......Da mir Chefstrategen Experten und Geschaeftsfuehrer und dergleichen brechreitz erzeugen; diese folgende Geschichte.* Durch puren Zufall landete ich in einer Schulung fue " Manager " die von Coopers ( gegen fuerstliche bezahlung ) ueber mehrere Tage tagte und tagte und tagte. Der Kursleiter; ein hochintelligenter und liebenswerter Akademiker ( echt ) merkte dass sein Publikim ( ich inklusieve ) nicht mal die Haelfte kapierte. ich traf den Kursleiter einige Wochen spaeter bei schlechtem Wetter und bot ihm an bei mir einzusteigen. Er vertraute mir unter der Hand an dass die Schulung ein Resultat hervorbraechte " Als ob mann Perlen vor die Saue werfe. " Der Mann hatte Recht; denn er verstand nichts vom Alltag eines Unternehmens und wir nichts von der Theorie. Jedoch; leitet mann seinen Laden mit Verstand und Achtung, ja mit Respekt anderen und Geld gegenueber muesste es hinhauen. besteb Dank

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