Familienunternehmen Kind: „Erfolg ist so einfach!“

Familienunternehmen Kind
„Erfolg ist so einfach!“

Martin Kind hat nicht nur Deutschlands größte Hörgeräte-Kette aufgebaut, sondern ist auch Präsident von Hannover 96 und hat mit seinen Unternehmen ein Vermögen gemacht. Im Gespräch verrät er sein Erfolgsgeheimnis.
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GroßburgwedelBei Großburgwedel denken wohl die meisten Deutschen an das rote Klinkerhaus, das durch Ex-Bundespräsident Christian Wulff zweifelhafte Berühmtheit erlangte. Dabei hat der ländliche Vorort von Hannover mehr an Prominenz zu bieten. Im Gewerbegebiet direkt neben Autobahnabfahrt und Ikea residiert nicht nur Drogeriekönig Dirk Roßmann. Auch Deutschlands größte Kette für Hörgeräteakustik Kind hat hier ihren Stammsitz. Unternehmer Martin Kind kann von seinem lichten, aber schlichten Büro direkt auf die Zentrale seines Tennis- und Skatfreundes Roßmann blicken.

Beide Self-Made-Männer zählen laut „Manager Magazin“ zu den reichsten Deutschen: Der umtriebige Multi-Unternehmer Martin Kind rangierte 2013 mit geschätzten 600 Millionen Euro auf Rang 188. Sein Vermögen hat Kind - im Nebenjob Präsident des Fußball-Bundesligisten Hannover 96 - unter anderem mit Immobilien, einer Firma für Arbeitsschutz, einem Hotel, Radiosendern, einer Beratung und einem Musikverlag gemacht. Nun will sich Hörgeräte-Filialist Kind verstärkt als Hersteller auf dem Weltmarkt Gehör verschaffen.

„Ich hab ein Kind im Ohr“ – diesen Spruch mit dem Fingerzeig auf die Ohrmuschel kennt jeder zweite Deutsche. Dabei musste Martin Kind von seinem Sohn und Mitgeschäftsführer Alexander vor drei Jahren erst mühsam zur Kampagne überredet werden, wie der 69-Jährige im Gespräch mit dem Handelsblatt überraschend einräumt (das komplette Interview zum Download). „Ich war skeptisch. Nie hätte ich mir vorstellen können, welch unglaubliche Aufmerksamkeit der Slogan erregt.“ Die Werbekampagne in Print und TV mit Prominenten wie Sänger Adel Tawil und Schauspieler Michael Degen gab dem Geschäft einen Schub. „Unsere Position als deutscher Marktführer konnten wir deutlich ausbauen - unter anderem dadurch“, erzählt er.

Martin Kind, der wie so viele Familienunternehmer keine Zahlen veröffentlicht, verrät gegenüber dem Handelsblatt erstmals seinen Umsatz: Mehr als 170 Millionen Euro erwirtschaftet die Kind-Gruppe im Jahr. 2.500 Beschäftigte arbeiten in 14 Ländern. In der Branche hat sich der drahtige Kahlkopf Respekt erarbeitet. „Martin Kind ist ein absolut gradliniger, brillanter Geschäftsmann“, sagt Günter Steinmeier, Präsident des Fachverband Deutscher Hörgeräteakustiker. „Es ist schon imponierend, was er aufgebaut hat.“

Dabei hatte Martin Kind ganz klein angefangen. Als er 1970 den Akustikerladen seiner Eltern in Hannover übernahm, waren Hörgeräte extrem stigmatisiert. „Das waren damals solche Oschis – groß und unattraktiv mit nur  begrenztem Nutzen“, erzählt Kind. „Heute sind Hörgeräte digitale Hightech-Produkte, die sich über Bluetooth per Smartphone steuern lassen. Die Akzeptanz steigt deutlich.“

Inzwischen werden hierzulande rund 900.000 Hörgeräte pro Jahr verkauft, der Branchenumsatz liegt bei rund einer Milliarde Euro. Etwa 5.200 Akustiker-Fachgeschäfte gibt es bundesweit, mehr als 560 gehören zur Kind-Gruppe. Es folgen Geers mit rund 500 sowie Amplifon mit etwa 180 Filialen.

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