Familienunternehmen
Mittelstand: Bei der Bank gibt es keine Kekse mehr

Geht es um ihre Zukunft, haben Familienunternehmen keineswegs eine rosa Brille auf: Zwar sind die meisten Unternehmen in der Krise gut aufgestellt, doch bei knapp der Hälfte aller Familienunternehmen liegen die Entlassungspläne schon in der Schublade. Probleme haben Firmenlenker dieser Tage oftmals auch mit ihrer Hausbank.
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DÜSSELDORF. "Die Selbstgewissheit der Familienunternehmen ist ungebrochen", urteilt Tom Rüsen, Experte für Familienunternehmen an der Universität Witten/Herdecke. So schnell lassen sie sich nicht erschüttern. Ihnen kommt jetzt zugute, dass sie mit einer traditionell hohen Eigenkapitalquote - im Schnitt 40 Prozent - gut gerüstet sind.

Nur gut ein Viertel von ihnen schätzt die Entwicklung im nächsten Jahr als bedrohlich oder sehr bedrohlich ein. Und das, obwohl die Branchen Automobil, Elektrotechnik, Stahl- und Papierindustrie teils ganz extrem unter Druck geraten sind. 75 Prozent der Familienunternehmen haben zum Teil dramatische Nachfrageeinbrüche, während gleichzeitig ihre Preise fallen. Jedes dritte kämpft mit mehr als 30 Prozent Nachfrageeinbruch. Im Klartext: Die üblichen Kostensenkungsmaßnahmen dürften zur Bewältigung nicht reichen, so die Analyse.

Das belegt eine repräsentative Studie der Universität Witten/Herdecke im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Befragt wurden 250 Unternehmen aller Branchen und Größen - von 50 bis über 5 000 Mitarbeiter - und mit Umsätzen unter 50 Millionen Euro bis über eine Milliarde Euro. Die Wissenschaftler wollten wissen, inwieweit Familienunternehmen von der Krise betroffen sind und wie ihre spezifischen Bewältigungsmuster aussehen. Hier zeigte sich Erstaunliches - und dass sie keineswegs eine rosarote Brille aufhaben, sondern allenfalls Zweckoptimismus an den Tag legen: 41 Prozent der Familienunternehmen haben bereits die Pläne für Personalentlassungen in den nächsten Monaten fertig in der Schublade. Rüsen: "Und das ist für Familienunternehmen der letzte gangbare Weg."

Zumal die meisten schon Maßnahmen getroffen haben: 74 Prozent bauten Zeitarbeiter ab, 59 Prozent fahren Kurzarbeit, bei 36 Prozent gab es Verzicht auf Prämien und Boni und bei 29 Prozent Gehaltsverzicht. Zumal: Allein um die Rentabilität zu erhöhen, entlassen Familienbetriebe nicht, so die Studie. Dazu ist die Bindung an die Mitarbeiter zu stark.

Rudolf Wimmer, Professor an der Universität Witten/Herdecke, bilanziert: "Die Familienunternehmen reagieren dosiert, sind aber keineswegs gelähmt. Mit ihrer Langfristig-Orientierung haben sie es einfach nicht so übertrieben. Weder haben sie im Boom zu stark Kapazitäten aufgebaut, noch müssen sie jetzt hysterisch ein Desinvestment betreiben." Denn gut geführte Familienunternehmen können mit ihren typischen Charakteristika in der Krise gut punkten, so Rüsen: mit ihrer hohen Eigenkapitalquote, ihrer Belegschaft, die in hohem Maße bereit ist, ebenso Opfer für die Krise zu bringen, mit ihren intensiven Kunden- wie Lieferantenbeziehungen und ihrer Rückendeckung durch Familie und Gesellschafter.

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