Familienunternehmen Paradies
„Den Dauerbausch möglichst lange erhalten“

Der Emir von Kuweit hüllt sich darin, so mancher Durchschnittsdeutsche auch: Das Familienunternehmen Paradies stellt Betten her. Ob kühlend oder wärmend, die beiden Chefs wissen: Auf den Dauerbausch kommt es an.
  • 1

Die ersten Steppdecken bestanden aus alter Kleidung. Sie waren aus Reißwolle, also gereinigten und gerissenen Textilien. Heute stellt das Familienunternehmen Paradies Hightech-Betten her, aus Nylon-Fasern, die wärmen und kühlen können. In allen möglichen Breiten und Längen kann das Unternehmen vom Niederrhein liefern – seit nunmehr 160 Jahren.

Der Emir von Kuwait schlägt sein Paradies-Bettzeug, das 2,40 mal 2,60 Meter misst, noch mal unter die Matratze, wie es in der arabischen Welt üblich ist, in Deutschland sind 1,55 oder 1,35 Meter breite Bettdecken beliebt. Den Wechsel bekommen die Maschinen in der Werkhalle Neunkirchen-Vluyn und die 180 meist weiblichen Mitarbeiter hin – und es ist noch Luft nach oben: „Wenn ich die Produktion aufdrehe, dann erstickt mein Bruder in Bettdecken und Kissen, dann muss er viel verkaufen“, sagt Rolf Kremers schmunzelnd. Sein Bruder Klaus kümmert sich um Vertrieb und Marketing. Seit rund 20 Jahren führen sie das Unternehmen gemeinsam, wie es schon ihre Vorfahren getan haben. Interviews geben sie gewöhnlich nicht, zu zweit nun zum ersten Mal.

Die Brüder wollen auch nichts zu Umsatz und Gewinn sagen. Der Bundesanzeiger gibt ebenfalls wenig Auskunft. Die wichtigsten Konkurrenten sind Centa Star, die Firma gehört nach einer Insolvenz in Eigenregie seit 2013 zur Frankenstolz-Gruppe, und Billerbeck mit einem Gesamtumsatz von rund 44 Millionen Euro.

Ein paar Anhaltspunkte geben die Paradies-Chefs aber doch: Die deutschen meist weiblichen Käufer sorgen für zwei Drittel des Umsatzes. Der Rest geht ins Ausland, vor allem nach Japan und in 49 weitere Länder. Auch der russische Präsident Wladimir Putin habe, jedenfalls vor der Trennung von seiner Frau, unter Paradies geschlafen, erzählt Klaus Kremers: „Zumindest wissen wir, dass sie damals bei unserem Distributeur gekauft hat.“

Schon 1854 begann das Gründerpaar Wilhelm und Gertrude Kremers mit dem Verkauf der ersten Steppdecken aus Reißwolle. „Upcycling“ sagt Klaus, aber „leider nicht atmungsaktiv“, ergänzt Rolf. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg startete das Unternehmen wieder mit Reißwolle. Bald entwickelten die Kremers ein erstes künstliches Füllvlies aus Acryl.

Seite 1:

„Den Dauerbausch möglichst lange erhalten“

Seite 2:

Kühlende Fasern als Innovation

Kommentare zu " Familienunternehmen Paradies: „Den Dauerbausch möglichst lange erhalten“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Guter Artikel ueber Menschen mit einer guten Einstellung und einem soliden Geschaeftskonzept.

    Kleine Korrektur: der Firmenstandort liegt in Neukirchen-Vluyn (nicht: Neunkirchen-V.)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%