Familienunternehmen Schwan-Stabilo-Chef glaubt an Zukunft der Malstifte

PC und Smartphones zum Trotz - die deutschen Schreibgerätehersteller machen mit Bleistiften, Kulis und Markern bessere Geschäfte denn je. Der Schwan-Stabilo-Chef ist überzeugt: Der totgesagte Stift hat eine Zukunft.
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„Wir glauben an die Zukunft des Schreibstifts.“ Quelle: dpa
Sebastian Schwanhäußer

„Wir glauben an die Zukunft des Schreibstifts.“

(Foto: dpa)

HeroldsbergDer Schreibgeräte- und Kosmetik-Hersteller Schwan-Stabilo rechnet trotz Digitalisierung auch längerfristig mit einer stabilen Nachfrage nach Schreib- und Malstiften. Vielleicht reiche der künftige weltweite Schreibgeräte-Absatz irgendwann nicht mehr ganz an das heutige Niveau heran. Und natürlich unterliege auch die Schreibgerätebranche wie andere Branchen Zyklen und Trends. „Trotzdem glauben wir an eine Zukunft der Stifte“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter, Sebastian Schwanhäußer, in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Bestärkt sieht sich der Mitgeschäftsführer des Familienunternehmens auch von den jüngsten Kreativ-Trends und der wiedererstarkten Freude am Selbermachen - sozusagen als Gegentrend zur Digitalisierung. Als Beispiel nennt er den inzwischen wieder etwas abgeflauten Ausmaltrend oder das „Handlettering“, der Lust an kreativer Buchstaben- und Textgestaltung, der zuletzt den Verkauf solcher Stifte beflügelt hatte. Daneben hätten alle großen Schreibgerätehersteller stark von den sozialen Netzwerken profitiert, von denen diese Trends rasch weltweit verbreitet würden. Derzeit erlebe sein Unternehmen gerade einen Boom bei pastellfarbigen Markierstiften.

Eine wichtige Stütze für das Geschäft mit Schreibgeräten ist nach Schwanhäusers Angaben die Schule. „Aus den Büros sind Stifte schon lange weg. Aber in der Schule sind sie nach wie vor da. Und solange Stifte zum Erlernen der Handschrift noch weiter verwendet werden, sehe ich für die Branche kein Problem.“ Und da Bildung und Schulen etwas sehr Lokales seien, sei der Markt gar nicht so sehr globalisiert. „Und das gibt vielen Firmen (der Branche) die Chance, sich speziell aufzustellen“, sagte der Schwan-Stabilo-Mitgeschäftsführer. „Jeder versucht, seine Marke zu schärfen und auszudifferenzieren. Und es ist ja auch kaum ein Spieler in der Branche verschwunden.“

Die Kunst hinter den Kosmetikstiften
Fingerspitzengefühl gefragt
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Die Textmarker und Buntstifte von Schwan-Stabilo kennt jeder. Dass der Mittelständler aber auch der weltgrößte Hersteller von Kosmetikstiften ist, wissen nur wenige. Die Familienfirma vertreibt ihre Eyeliner und Lippenstifte nicht unter dem eigenen Namen. Stattdessen liefern die Franken an große Labels wie Avon, Revlon, LVMH oder Procter & Gamble.
Es gehört viel Fingerspitzengefühl dazu, den richtigen Farbton für die Kosmetikstifte zu erwischen. 10.000 verschiedene Farben sind möglich.

Echte Handarbeit
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Erfahrene Experten mischen die Töne von Hand. Rot ist besonders gefragt. 3000 unterschiedliche Rot-Töne hat Schwan-Stabilo im Angebot. Die Spezialisten experimentieren so lange, bis der Farbton den Kunden gefällt. Abnehmer sind die großen Kosmetikmarken.

Kaum ein Stift gleicht dem anderen
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Zwei Kollektionen im Jahr liefert Schwan-Stabilo. Kaum ein Stift gleicht dem anderen. Die Zusammensetzung ändert sich je nach der Region, in der die Stifte verkauft werden. Einerseits, weil die Konsumentinnen in jedem Teil der Erde eine andere Haut haben. Andererseits, weil das Klima unterschiedlich ist.

Auf Nummer sicher
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Jeder einzelne Stift wird in der Produktion von Computern und den Mitarbeitern kontrolliert.

800 unterschiedliche Stoffe
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Mehr als 800 unterschiedliche Rohstoffe bilden die Basis der Stifte. Am gebräuchlichsten ist Bienenwachs als Grundmaterial.

Hoch automatisiert
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Die Produktion in Heroldsberg ist hoch automatisiert. Die Firma betreibt auch zahlreihe Werke in Amerika und Asien.

Intensive Tests
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Die Qualitätsstandards sind höher als in der Lebensmittelbranche. Daher werden alle Stoffe eingehend getestet.

Schwanhäußer macht aber zugleich deutlich: „Wir stellen fest, dass weiter viele Bleistifte verkauft werden - mehr denn je. Aber wir verlassen uns nicht drauf. Wir haben unser Unternehmen nicht darauf gebaut, dass wir sagen, dass es immer so weitergeht“. Denn eine längere Krise, die über drei oder fünf Jahre gehe und jährlich zehn Prozent Umsatz koste, würde am Ertrag zehren. Das Unternehmen habe sich deshalb zuletzt mit der Outdoor-Sparte („Deuter“, „Ortovox“, „Gonso“, „Maier-Sports“) eine zusätzliche Säule zugelegt - neben der Stifte- und Kosmetiksparte. Im Geschäftsjahr 2016/17 erwirtschaftete der Konzern einen Umsatz von gut 713 Millionen Euro. Er beschäftigt weltweit mehr als 5000 Mitarbeiter, rund 2000 davon in Deutschland.

Weitere Firmenübernahmen plant das Heroldsberger Unternehmen laut Schwanhäußer nicht. Es gehe erst mal darum, die übernommenen Firmen weiter zu entwickeln. Wenn es aber eine Gelegenheit gebe und ein Unternehmen in das Portfolio passe, schließe er einen weiteren Zukauf nicht grundsätzlich aus. Das Geld dafür habe das Familienunternehmen. Schwanhäußer rechnet in der deutschen Schreibgerätebranche nicht mit größeren Übernahmen. Die meisten Firmen seien in Familienhand. „Und die wollen nicht verkaufen, sondern das Unternehmen lieber der siebten oder achten Generation übergeben.“

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  • dpa
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