Familienunternehmen
Sorge über steigende Rohstoffpreise

Die gestiegenen Rohstoffpreise machen deutschen Familienunternehmen schwer zu schaffen. Mangelnde Absicherung gegen den Preisanstieg hat bereits zu ersten Notverkäufen in einzelnen Branchen geführt. Trotz allem geben sich die Unternehmen zuversichtlich für die Zukunft.

FRANKFURT. Die deutschen Familienunternehmen bekommen die gestiegenen Rohstoffpreise massiv zu spüren. In einzelnen Branchen hat der Druck sogar schon zu Zwangsverkäufen von Firmen geführt. „Gerade in der Lebensmittelindustrie wissen wir von einigen Zulieferfirmen, die die Rohstoffpreise unterschätzt und nicht entsprechend abgesichert haben und bei denen es deshalb zu Notverkäufen gekommen ist", sagte Norbert Winkeljohann, Mitglied des Vorstands der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers, gestern in Frankfurt.

Konkrete Fälle wollte Winkeljohann nicht nennen. Allerdings bestätigen Aussagen aus dem Einzelhandel seine Schilderung. So berichten Brancheninsider, dass die Preisverhandlungen der Zulieferbetriebe gerade mit den großen Lebensmittelketten derzeit extrem schwierig seien. Vor allem der Discounter Lidl sei ein sehr hartnäckiger Verhandlungspartner. Wer deshalb höhere Kosten etwa bei Energie, Getreide und Milch nicht an seine Großabnehmer weitergeben könne, gerate schnell in existenzielle Schwierigkeiten, heißt es.

Allerdings sind die Rohstoffpreise längst nicht nur im Lebensmittelbereich ein großes Thema. In der gestern vorgestellten PwC-Studie „Familienunternehmen 2008“ haben 61 Prozent der befragten deutschen Unternehmen die Punkte Rohstoffe, Preise und Lieferung ganz oben auf die Agenda mit den größten Herausforderungen gesetzt. „Der Zugang zu Rohstoffen beschäftigt die Familienunternehmen in Deutschland derzeit weitaus stärker als in Europa und im Rest der Welt“, sagte Winkeljohann. Daneben sehen die Familienunternehmen vor allem das Kostenmanagement und die Rentabilität als bedeutende Herausforderungen in den kommenden zwölf Monaten.

Ein weiteres Thema ist die Krise an den Finanzmärkten. „In Gesprächen berichten die Familienunternehmen, dass die Banken bei der Finanzierung vorsichtiger geworden sind“, sagte Winkeljohann. Man fürchte bei den Unternehmen eine Verschlechterung der Kostenkonditionen.

Dennoch geben sich die Familienunternehmen zuversichtlich für die Zukunft. „Wir waren überrascht von dem Selbstbewusstsein, das uns bei den Telefoninterviews begegnete“, sagte der PwC-Manager. Dabei bauen die Firmen vor allem auf ihre Technologieführerschaft. Dagegen spielt seine starke Marke laut Umfrage kaum eine Rolle. Damit unterscheiden sich deutsche Familiengesellschaften deutlich von denen im Ausland. Sie messen der Marke eine weitaus höhere Bedeutung zu.

Auch wirtschaftlich blicken die deutschen Familienunternehmen überwiegend zuversichtlich ins neue Jahr. „Sieben von zehn Unternehmen erwarten in den kommenden Monaten eine steigende Nachfrage“, sagte Winkeljohann. Entsprechend würden die Firmen in den kommenden Monaten hohe Investitionen in Technologie, aber auch in das Personal planen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%