Familienunternehmen Starkes Fundament, dünne Rendite

Nachhaltiges Wirtschaften und hohes ökonomisches Potential zeichnen deutsche Familienunternehmen aus. Die Mittelständler sind stabil und erfolgreich - und haben doch ein großes Problem.
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Firmenschriftzug einer Tchibo-Filiale in Dortmund. Quelle: dpa

Firmenschriftzug einer Tchibo-Filiale in Dortmund.

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DüsseldorfSie bilden das ökonomische Fundament Deutschlands: Mittelständler und familiengeführte Firmen beschäftigen 80 Prozent aller Arbeitnehmer. Sie tragen mehr als die Hälfte zum Bruttoinlandsprodukt bei. Sie wirtschaften nachhaltig, da sie sich nicht von kurzfristigen Schwankungen des Kapitalmarkts treiben lassen. Diesen großen Stärken steht allerdings eine nicht minder große Schwäche gegenüber. Familienunternehmen wie der Schraubenhändler Würth, das Handelsunternehmen Haniel oder der Kaffeeröster Tchibo leiden im Vergleich zu börsennotierten Konzernen unter einer massiven Renditeschwäche.

Wie Berechnungen des Handelsblatts zeigen, steigerten die 50 größten nichtbörsennotierten Unternehmen Europas im abgelaufenen Geschäftsjahr zwar ihren Umsatz um 14,7 Prozent. Aber die Gewinne sanken gleichzeitig um 2,7 Prozent. Dadurch fiel die Nettoumsatzrendite von ohnehin schon geringen 3,3 auf nur noch 2,6 Prozent. Die 50 größten börsennotierten Unternehmen Europas hingegen waren zuletzt mit einer Nettorendite von sieben Prozent mehr als doppelt so profitabel wie die Familienunternehmen.

Auch der langfristige Vergleich offenbart die Schwäche: In keinem der Jahre 2007 bis 2011 lagen Familienunternehmen im Renditevergleich vorn. Selbst im Krisenjahr 2009 betrug die Rendite börsennotierter Firmen 4,4, während sie bei den nichtbörsennotierten bei 3,8 Prozent lag. Der Versandhändler Otto etwa bewegte sich 2011 mit einer Rendite von nur noch 0,2 Prozent sogar nahe der Verlustzone. Auch der Duisburger Mischkonzern Haniel erwirtschaftete eine Rendite von nur 0,9 Prozent. Haniel ist hoch verschuldet, und frisches Kapital, um sein Portfolio neu zu ordnen, fehlt. Selbst dem Medienkonzern Bertelsmann, mit einer vierprozentigen Rendite vergleichsweise profitabel, fehlt die finanzielle Kraft, um notwendige Investitionen zu stemmen.

Über einen Börsengang könnten die Mittel leicht aufgebracht werden. Doch diesen schließt die Eigentümerfamilie Mohn aus, um ihre Macht im Konzern zu sichern. "Familienunternehmen haben es oft schwerer als börsennotierte Konzerne, an Kapital zu kommen. Dadurch laufen sie Gefahr, notwendige Investitionen und Übernahmen hinauszuzögern", bestätigt Olaf Wandhöfer von der Unternehmensberatung Bain & Company. Dabei gibt es eine Möglichkeit, die Vorteile beider Unternehmensmodelle - die günstige Kapitalbeschaffung bei börsennotierten Firmen und die längerfristige Orientierung bei Familienunternehmen - zu verbinden.

Dax-Firmen wie BMW mit Ankeraktionär Quandt und Fresenius mit Großaktionär Kröner gelingt es seit 2007, dem Rekordjahr in der deutschen Unternehmensgeschichte, ihre Nettogewinne im Schnitt jährlich um mehr als zehn Prozent zu steigern. In Konzernen mit Börsennotierung und Ankeraktionär verbindet sich das Beste aus zwei Welten.

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12 Kommentare zu "Familienunternehmen: Starkes Fundament, dünne Rendite"

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  • "Dünne Rendite" - soll das ein Makel sein?

    Das bedeutet, dass die Familienunternehmen im Interesse der Gesamtwirtschaft und des Landes wirtschaften, anstatt sich die Taschen vollzustopfen wie die Konzerne und die Industrie!

  • Die Renditegeilheit der heutigen Zeit beißt sich mit dem traditionellen Rückgrad der deutschen Wirtschaft. Erst als Bänker und Wirschaftsberater verlangt haben 25% Rendite muss sein, hat das gesunde System, daß 85% der deutschen Wirtschaftsleistung ausmacht zu kranken begonnen.

    Wird Zeit den Schmalspurschissern den Finger zu zeigen und wieder zu einer gesunden Binnenwirtschaft zurückzukehren!

  • „Gewinn“ ist meines Erachtens keine gute Bemessungsgröße für den Erfolg von Mittelständlern, weil man als Unternehmen natürlich so wenig wie möglich ausweisen will… wegen der Steuer. Daher wird hier schön Bilanzpolitik betrieben. Wie man auf Englisch so schön sagt „profit is an opinion, cash is king“. Eine EBITDA-Analyse als Cash-nahe Kennzahl zum Vergleich wäre hier sicherlich interessant.

  • Man merkt das dieser Artikel von einem Redakteur der Großkonzerne geschrieben wurde.
    In Familienunternehmen etnscheiden andere Faktoren als in Konzernen: Menschlichkeit und Langfristigkeit zusammen mit Verantwortung!
    Während Großkonzerne die Mitarbeiter ausbluten, sie wie Vieh behandeln und meist an allem sparen gilt im deutschen Mittelstand die Devise: Erfolg gibts nur durch Verantwrotung.
    Die Quartalsbilanzen der Konzerne sind Augenwischerei und Selbstbetrug. Rendite entseht im Mittelstand daraus dass man gemeinsam in die selbe Richtung geht und jeder die Ärmel hochkrempelt anstatt in geschniegelten Markenanzügen Worthülsen zu verbreiten.
    An alle Familienunternehme: Lasst Euch durch solche Meinungsmache für Großunternehmen nicht verunsichern, wir sind auf einem guten Weg!

  • Die (scheinbare) Diskrepanz ist dem Prinzip nach rasch erklärt: Wer sich nicht monatlich bzw. spätestens quartalsweise mit zum Teil aus der Bilanz herausgekitzelten Ergebnissen rechtfertigen muss, schafft stille Reserven im Unternehmen und minimiert damit gleichzeitig seine Steuerzahlungen.

  • Hoeher, weiter schneller! Ich kommentiere nur die Ueberschrift, den Rest lesen ich erst gar nicht.

  • Der Artikel beleuchtet nur eine Facette und ist etwas sehr vereinfacht. Gutes Unternehmertum ist stets eine gute Mischung aus innovation, gewinnstreben und sozaler Verantortung. Wer mehr wissen will dem seine das vielbeachtete Buch von Wolfgang Zimmermann, Unternehmer sind Verrückte und was Manager von ihnnen lernen können empfohlen , vor kurzen erschienen

  • Danke für die wohl treffende Analyse. Eine gesunde rendite ist wichtig, Rendite ist aber nicht das Einzige Bewertungskriterium, sie sollte es zumindest nicht sein.

    Langfristiges denken wird an der Börse bestraft, in der Realität wird sie belohnt.

  • Ich bin ganz Ihrer Meinung. Den Tenor des Artikels haben wohl die ewig gestrigen aus dem Bankgewerbe geschrieben.
    Wenn wir den Mittelstand mit seinen Überzeugungen und seiner Unabhängigkeit nicht hätten, wären wir nicht so gut durch die letzte Krise gekommen.

  • Die "geringe" rendite muss kein Nachteil sein. Ich denke, es reicht den Familien um davon recht ordentlich zu leben - und warum sollte es dann mehr sein? Diese Familien wissen, dass man Geld nicht essen und nicht mitnehmen kann. Sie wollen den Kindern lieber einen gutgehenden Betrieb hinterlassen statt eines gefüllten Bankkontos. Letzteres kann bei einer Inflation ruck-zuck weg sein, ein Betrieb erwirtschaftet aber auch bei Inflation einen auskömmlichen Gewinn.

    Wenn diese Unternehmen nur an eine Gewinnmaximierung dächten, dann würden sie nicht so viel ausbilden - und Deutschland ginge es dann viel, viel schlechter!

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