Familienunternehmen Wago im Gespräch
„Es ist gute Sitte, nicht über den Gewinn zu reden“

Sven Hohorst liegt nichts am Rampenlicht. Dabei macht sein Familienunternehmen riesigen Umsatz und stattet die Fabriken der Zukunft aus. Die Produkte sind so gefragt, dass der Chef sich mit Luxusproblemen herumschlägt.
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Sven Hohorst setzt auf Understatement. Ein Interview, das sei ihm eigentlich nicht so recht. Um ihn dürfe kein Personenkult entstehen. Dennoch nimmt er sich die Zeit, am Rande einer Messe über seine Branche, die Firmenentwicklung und sogar ein wenig von der Familie zu reden.

Dabei müsste sich der 51-Jährige eigentlich nicht verstecken. Mehr als 600 Millionen Euro Umsatz macht die Firma Wago, die komplett im Besitz der Familie Hohorst ist. Doch selbst wenn der Betrieb beim Umsatz sechs Prozent zulegt wie 2013, ist der Firmenchef nur mäßig zufrieden. „In der Vergangenheit sind wir gerne auch zweistellig gewachsen“, sagt der Familienunternehmer.

Das Produkt, auf das die Kunden fliegen, heißt Automatisierungstechnik und Stromklemmen. Hohorst, ein mittelgroßer Mann mit rundem Gesicht, nutzt aber gern auch den Fachausdruck „elektromechanische Leitungsverbinder“. Wo immer zwei Leitungen miteinander verbunden werden müssten, kämen Wago-Produkte zum Einsatz: Bei der Elektroinstallation in Gebäuden, bei der Verkabelung von Maschinen und der Automation ganzer Fabriken.

Konkurrenten Phoenix Contact und Weidmüller in Sichtweite

Im ostwestfälischen Minden, wo die Firmenzentrale liegt, sind im Umkreis von weniger als eine Stunde Fahrt gleich drei große Konkurrenten angesiedelt: Phoenix Contact, Weidmüller und Harting. Das Cluster sei per Zufall entstanden, erzählt Hohorst. Aber die räumliche Nähe habe letztlich zu einem großen und förderlichen Innovationswettbewerb geführt (siehe: Worauf ich stolz bin). Gemeinsam bringen es die Firmen auf einen Weltmarktanteil von geschätzten 75 Prozent.

Deutschland ist damit weltweit führend bei Steckverbindern, einem Milliardenmarkt der Elektrotechnik. Doch die Firmen hinter dem Erfolg sind weitgehend unbekannt. Ein Trend beschert den Betrieben derzeit aber mehr Aufmerksamkeit. „Internet der Dinge“ oder „Industrie 4.0“ sind die Schlagwörter, die derzeit auch auf der Industriegüterschau Hannover Messe diskutiert werden. Jederzeit und von jedem Ort aus wissen zu können, was eine Maschine gerade leistet oder warum sie ausgefallen ist: Dafür braucht es Technik und Software, die von den über 6.000 Wago-Mitarbeitern weltweit geliefert wird.

„Die gute Nachricht ist: Europa ist für die Industrie-4.0-Revolution besser vorbereitet, als viele denken", sagt Max Blanchet von der Unternehmensberatung Roland Berger. Und so sieht das auch Hohorst. „Wir haben uns ja schon lange auf dem Weg befunden, Fabriken weiter zu automatisieren und Maschinen zu kompletten Parks zusammenzuschalten und zu steuern“, erzählt er. Seit etwa 20 Jahren arbeite man an diesem jetzt heiß diskutierten Trend.

Enormer Konkurrenzdruck

Doch das Konkurrenzdenken der deutschen Mittelständler in dem Marktsegment habe auch einen Nachteil, weiß der Wissenschaftler und IT-Unternehmer Matthias Brucke. Nur wenige Firmen denken in branchenübergreifenden Dimensionen - dem Kernpunkt von 4.0. „Da fehlt dem Mittelstand die Kooperation“, kritisiert Brucke.

Viele fürchten, Geschäftsgeheimnisse an die Konkurrenz zu verlieren, wenn beide auf einer übergeordneten Serviceplattform agieren. Das führt dazu, dass Maschinen unterschiedlicher Hersteller und Branchen häufig nicht kooperieren können - ein Manko für Industriekunden, die Vorteile aus der Vernetzung ziehen wollen. Der Konkurrenzdruck in der Branche sei enorm, sagt Hohorst. Man tausche sich nicht wirklich miteinander aus.

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