Mittelstand

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Familienunternehmen: Wenn Luxus überlebenswichtig wird

IT-Dienstleister GFT: Einst belächelten Banker das Unternehmen und sein Risikokontrollsystem - seit der Finanzkrise nicht mehr

von Claudia Tödtmann
GFT-Vorstandschef Ulrich Dietz sieht sich als Gewinner der Krise. Foto: obs/GFT Technologies AG
GFT-Vorstandschef Ulrich Dietz sieht sich als Gewinner der Krise. Foto: obs/GFT Technologies AG

"Wir haben andere Themen", wurde Ulrich Dietz noch bis vor kurzem oft von Bankmanagern schnöde beschieden. Das war vor der Finanzkrise. Jetzt, so erzählt Dietz, wolle jede Woche ein anderer Bankvorstand mit ihm über IT-Lösungen für das Risikomanagement sprechen - das Kerngeschäft der IT-Beratung GFT Technologies AG, deren Chef Dietz ist. Risikomanagement wird plötzlich offenbar nicht mehr als überflüssiger Luxus betrachtet.

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"Aber das Installieren so eines maßgeschneiderten Systems dauert nun mal zwei Jahre", schildert Dietz. "Weil es keine Standardsoftware am Markt gibt, die allumfassend die Risiken abdecken kann", ergänzt GFT-Berater Oliver Schreiber. Und selbst ein Vollblutdienstleister und gestandener Familienunternehmer wie Dietz kann verzweifelten Bankern so schnell keine Infrastruktur für solides Wirtschaften aus dem Boden stampfen. Auch er - Dietz ist Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur - musste in den 21 Jahren, in denen sein Unternehmen nun besteht, schon oft langen Atem beweisen. Ereignisse wie das Platzen der New-Economy-Blase gingen damals auch an ihm als solidem Mittelständler nicht spurlos vorbei.

Sein Erfolgskonzept beschreibt Dietz so: "Wir arbeiten kontinuierlich an der Firma, um sie zu einem Unternehmen zu entwickeln, das nachhaltigen Bestand hat in dieser schnelllebigen Welt." Und dazu gehört manchmal, auch dann eine Sache hartnäckig zu verfolgen, wenn andere abwinken. Oder einen Karren mühsam aus dem Dreck zu ziehen. Als kürzlich Dietz und seine Mannschaft ein von anderen völlig verfahrenes Projekt retteten - mit täglichen Telefonkonferenzen mit zehn Teilnehmern über mehr als zwei Monate, auch an den Wochenenden. Das erfordert Durchhaltewillen.

Zu seinen Kunden zählen Adressen wie die Deutsche Bank, Banco Sabadell, Royal Bank of Scotland, Banco de Bradesco oder IT Ergo. Immerhin gehört GFT aus Stuttgart laut Marktforscher Lünendonk zu den drei führenden mittelständischen IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen (siehe Grafik). Ulrich Dietz und seine Frau Maria - sie arbeitet als Leiterin der Rechtsabteilung mit - halten gemeinsam 38 Prozent der Firmenanteile. Das börsennotierte Unternehmen hat Standorte in neun Ländern: Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Österreich, Spanien, Schweiz und den USA. Nach den 21 Jahren hat der 50-jährige über 1 100 Mitarbeiter, davon 300 in Deutschland.

Der IT-Dienstleister machte im vergangenen Jahr 247 Mio. Euro Umsatz und 8,6 Mio. Gewinn. "Im Schnitt haben wir in den vergangenen Jahren je rund 20 Prozent an Umsatz zugelegt, in 2007 waren es 40 Prozent", berichtet Dietz. Zwar seien auch bei ihm zu Jahresbeginn manche Aufträge weggefallen, besonders in Großbritannien. Doch die zweite Jahreshälfte macht das wieder wett, erwartet er. Dieses Jahr werde GFT wohl mit ähnlichem Umsatz wie in 2007 herauskommen. Für 2009 plant er wieder ein leichtes Wachstum, "wenngleich eine Prognose derzeit sehr schwer fällt". Doch radikale Sparmaßnahmen wie SAP sie jüngst anordnete, "planen wir nicht. Wir sind ohnehin immer recht sparsam", vergleicht er. Sein Plus gegenüber den ganz großen Konkurrenten: "Bei uns wechselt nicht dauernd der Ansprechpartner." Dietz freut sich über eine Trend, die die Finanzkrise mit sich bringt: "Plötzlich findet man Partner aus dem Mittelstand gut, weil auf die Verlass ist." Die nächsten Ziele des Schwaben: In Osteuropa und Südamerika würde er gerne mehr Fuß fassen. In Ungarn und Tschechien arbeite GFT bereits heute. Und viel Potenzial sieht er in Frankreich und in Brasilien. Den Geschäftserfolg macht zudem das Mischportfolio aus: "Auch wenn es die Börse nicht mag, betätigen wir uns auf verschiedenen Geschäftsfeldern. Um in der Krise untereinander ausgleichen zu können", begründet Kaufmann Dietz.

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