Familienunternehmen
Wo der Mensch im Mittelpunkt steht

Verbraucher greifen immer häufiger zu Bioprodukten und natürlichen Arzneimitteln, sie wollen nachhaltiger und mit gutem Gewissen einkaufen. Davon profitieren anthroposophisch orientierten Unternehmen.

Der Joballtag von Johannes Stellmann klingt fürchterlich ineffizient: „Wir müssen jede Arbeit zweimal machen“, sagt der Geschäftsführer der Wala Heilmittel GmbH. „Zum einen müssen wir vernünftig wirtschaften, das ist unser Handwerk. Zum anderen versuchen wir stets Lösungswege zu finden, die mit unserem Ansatz in Einklang stehen.“

Und dieser Ansatz ist ungewöhnlich: Wala, ein Hersteller von Naturkosmetika und Arzneimitteln, ist eines der deutschen Unternehmen, die streng nach anthroposophischen Prinzipien wirtschaften. Diese meist mittelständischen Firmen sind in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Doch gerade derzeit boomen viele dieser Exoten dank des Trends zu Biowirtschaft und Nachhaltigkeit.

Wala wurde vor 73 Jahren von Rudolf Hauschka gegründet. Sein zentrales Anliegen: Der Mensch muss in den Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns. Er folgte damit der Idee Rudolf Steiners, dem Begründer der Anthroposophie. In der Praxis heißt das bei Wala: Die Mitarbeiter bekommen nicht nur umfangreiche Sozialleistungen. Einfache Jobs werden überdurchschnittlich bezahlt, Führungsaufgaben eher unterdurchschnittlich. Jeder Einzelne soll so eigenverantwortlich wie möglich arbeiten und seine Talente entwickeln und einsetzen. „Ein Geben von beiden Seiten“, nennt Stellmann das. Gesprächskreise und Eurythmie – in Bewegung umgesetzte Sprache oder Musik – unterstützten die Mitarbeiter dabei.

Für den normalen Manager mag dies nach esoterischem Gedöns klingen. Für Wala aber rechne sich die Einstellung, sagt Stellmann. Der Umsatz ist im vergangenen Jahr von 86 auf 96 Mill. Euro gestiegen, der Gewinn sei „nicht unangenehm“. Auch wenn es sich um eine Nische handelt, es gibt zahlreiche anthroposophisch orientierte Unternehmen, die sich überdurchschnittlich entwickeln: Walas Mitbewerber Weleda, ebenfalls mit Sitz auf der schwäbischen Alb, die Drogeriekette dm, die GLS Gemeinschaftsbank, die Biosupermarktkette Alnatura und das Handelsunternehmen Tegut gehören zu den bekanntesten.

Anthroposophie allein ist natürlich kein Garant für gute Geschäfte. „Wir machen unsere Produkte seit jeher auf dieselbe Weise“, erläutert Wala-Chef Stellmann. „Jetzt belebt allerdings der Trend die Nachfrage.“ Gemeint ist der Lohas-Trend, benannt nach dem Lifestyle of Health and Sustainability, eine Lebensweise, die Gesundheit und Nachhaltigkeit mit Konsumfreude vereint. Seit Hollywood-Schauspielerinnen Ende der 90er-Jahre die Kosmetikmarke Dr. Hauschka aus dem Hause Wala für sich entdeckt haben, laufen die Produkte noch besser. Tatsächlich sind viele Firmen mit anthroposophischen Wurzeln im boomenden Bio-Markt aktiv. Rudolf Steiner hat seine Lehre nicht nur auf Medizin und Pädagogik angewandt – er ist der Begründer der Waldorf-Schulen und hat den ökologischen Landbau ersonnen. Demeter, einer der großen Anbauverbände der Landwirtschaft, gilt als anthroposophisches Markenzeichen.

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