Familienunternehmer Bauer

„Unser Geschäft zündet ziemlich spät“

Mit einem umstrittenen Strategieschwenk rettete Thomas Bauer einst den Familienkonzern. Er verkaufte die selbst entwickelten Baumaschinen auch an die Konkurrenz. Heute beschränkt er sich aber auf Sparen im Detail.
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„Sparen ist harte Detailarbeit“, erklärt Thomas Bauer im Gespräch mit Handelsblatt Online. Quelle: Thomas Einberger für Handelsblatt

„Sparen ist harte Detailarbeit“, erklärt Thomas Bauer im Gespräch mit Handelsblatt Online.

(Foto: Thomas Einberger für Handelsblatt)

SchrobenhausenBehende zieht sich Thomas Bauer die metallenen Sprossen eines riesigen Bohrkrans empor. Das Familienunternehmen Bauer aus dem bayerischen Schrobenhausen hat Kunden aus aller Welt zu einer Messe geladen und vor der Firmenzentrale seine Geräte aufgefahren. Doch an diesem Morgen schlängeln sich nur vereinzelt Besucher zwischen den stählernen Kettenraupen hindurch. Am Abend zuvor saßen Kunden und Gastgeber beim bayerischen Abend zusammen – mit Trachten, Schweinshaxen und Bier.

Grund zu feiern hat Bauer eigentlich nicht. Das im SDax notierte Unternehmen fuhr 2013 einen Verlust von rund 20 Millionen Euro ein. Der Umsatz bezifferte sich auf rund 1,5 Milliarden Euro. Grund waren unter anderem Verzögerungen bei Großbauprojekten. Im ersten Quartal 2014 legten die Erlöse wieder gegenüber dem Vorjahr um 14,3 Prozent auf 378,1 Millionen Euro zu. Dennoch stand unterm Strich weiterhin ein Verlust von 7,4 Millionen Euro.

Doch der Chef des Familienbetriebs sieht die derzeitige Schwächephase gelassen. „Wenn man ein super Jahr hat, ist die Begeisterung groß. Wenn man ein schlechtes Jahr hat, ist die Kritik groß. Das muss man aushalten“, meint der studierte Betriebswirt. Der Konzern ist weltweit im Spezialtiefbau aktiv. Zudem entwickeln und produzieren die rund 10.300 Mitarbeiter komplexe Maschinen zum Bau von Fundamenten, Bodenverankerungen oder Tiefbohrungen.

Vorstandschef Bauer zufolge leidet sein Unternehmen immer noch unter den Nachwehen der Finanzkrise. „Unser Geschäft ist eines, das ziemlich spät zündet. Die Bremskurve ist ziemlich lange. Dafür brauchen wir aber auch lange, bis wir wieder in der Spur sind“, so Bauer. An der Strategie will er unverändert festhalten. Investoren und Banken hatten zuletzt aufgrund der schwachen Entwicklung und des hohen Schuldenstands zunehmend Besorgnis geäußert.

Der Krise begegnet der Firmenchef stattdessen mit einem Sparprogramm mit vielen kleinen Maßnahmen. So sollen Mitarbeiter weniger auf Dienstreisen um den Globus jetten und stattdessen öfter per Videoschaltung konferieren. Einen groß angelegten Stellenabbau schließt Bauer aber aus. „Sparen ist harte Detailarbeit. Da kann man nicht einfach mit dem großem Besen durchkehren“, erläutert Bauer.

Die Gelassenheit des Familienunternehmers nährt sich auch aus der Gewissheit, noch gravierendere Krisen überwunden zu haben. So steckte der Konzern in den 1980er-Jahren in einer misslichen Lage. Der Baumarkt war im Abschwung begriffen. Nur die Nische des Spezialtiefbaus wuchs. Immer mehr Tiefgaragen, U-Bahnen und immer größere Brücken wurden gebaut. Alle großen Baufirmen wie Hochtief, Holzmann, Strabag, Bilfinger oder Züblin stürzten sich auf den kleinen Markt. „Ein mörderischer Konkurrenzkampf entbrannte“, erinnert sich Bauer.

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