Familienunternehmer William Verpoorten
„Meine Hündin kriegt keinen Eierlikör“

William Verpoorten führt eine Likör-Dynastie in fünfter Generation – mit einer hochprozentigen Leidenschaft. Der Unternehmer über die Verjüngung des Produkts und die Frage, ob Hunde an Silvester Alkohol bekommen sollten.
  • 0

Bonn„Ein bisschen Facebook geht nicht“, sagt William Verpoorten und streicht sich langsam über seine dotterfabene Krawatte. „Wir wollen das von Anfang an richtig machen. Man muss sehr gut präpariert sein, bevor man den Flaschenhals öffnet. Denn wenn der Geist erstmal raus ist, kriegt man ihn nicht mehr so schnell eingefangen.“

Bis jetzt ist der Geist beim Eierlikör-Hersteller aber in der Flasche geblieben, das Unternehmen hat keine Facebook-Seite. Das Beispiel zeigt: Der 57-jährige Chef und Eigner tut sich schwer damit, sein Produkt etwa wie Jägermeister – einst Inbegriff des Muffigen und Spießigen, heute der röhrende Party-Hirsch – beim Jungvolk zu vermarkten.

Denn im Laufe seiner 137 Jahre hat sich Verpoorten so gut wie nicht verändert: Immer derselbe Slogan („Ei, ei, ei Verpoorten, ob hier und allerorten“) dieselbe Flasche, dasselbe Etikett. Sogar der Umsatz ist seit Jahren gleich (siehe: Worauf ich stolz bin).

Verpoorten blickt dennoch nicht neidisch auf das gelungene Revival von Jägermeister, bei dem er nach seiner Lehre bei der Deutschen Bank als Trainee gearbeitet hat. „Das ist für uns kein Vergleich. Unsere Marketingstrategie geht in eine andere Richtung“, so Verpoorten. Nur ganz zaghaft arbeitet der Firmenchef in fünfter Generation daran, den Eierlikör für die Nachwuchstrinker bewusst von seinem spießigen Ruf zu befreien – aus Angst die Stammtrinker zu verprellen. Er hört es aber gar nicht gerne, wenn man das Getränk als das ideale Mitbringsel für die Großtante im Pflegeheim bezeichnet.

„Eierlikör ist überhaupt kein spießiges Produkt und wird von allen Generationen geschätzt“, erzählt Verpoorten im Gespräch mit Handelsblatt Online (Volltext zum Download). „Vor allem junge Leute mixen damit Drinks, verfeinern ihr Dessert oder backen Muffins und Cupcakes mit Eierlikör als Topping.“ Und fügt hinzu: „Wir haben in allen Altersgruppen eine relativ gleichmäßige Konsumenten-Verteilung.“

Kommentare zu " Familienunternehmer William Verpoorten: „Meine Hündin kriegt keinen Eierlikör“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%