Axel Bree
Mit Handtaschen aus Autoreifen auf Kundenfang

Axel Bree schreckt auch vor exotischen Kooperationen nicht zurück: Der Chef des Taschenherstellers Bree arbeitet mit dem Reifenhersteller Continental zusammen. Sein Ziel: eine robuste Handtasche für modebewusste Kunden.
  • 0

BerlinAxel Bree ist kein Theoretiker. Der Chef des gleichnamigen Taschenherstellers aus Isernhagen bei Hannover probiert neue Produkte lieber selbst aus, bevor er sie verkauft. „Ich habe die große Tasche Punch Pro, die wir ab August verkaufen, selbst drei Monate getestet“, erzählt er bei einem Kaffee während der Fashion Week in Berlin.

Die Tasche, die zuerst von Inline-Kurieren in Hamburg erprobt wurde, ist aus einem neuen hautfreundlichen, strapazierfähigen Kunststoffmaterial. Sie entstand in Zusammenarbeit mit dem Autoreifen-Hersteller Continental in Hannover. Sie ist robuster und leichter als die bisherigen Kunststoff-Taschen. Bei ihnen kommen LKW-Planen zum Einsatz.

Doch von der Kooperation mit Continental verspricht sich der Bree-Chef noch mehr: „Der Konzern entwickelt auch biologisch abbaubares Material, das wir künftig verwenden wollen.“

Bree hat es nicht leicht im Handtaschen-Markt. Er muss gegen große Marken wie Longchamp aus Paris und Furla aus Italien antreten. Deren Umsätze übersteigen den 50-Millionen-Jahreserlös von Bree um das Zehnfache. Außerdem verkaufen alle großen Modemarken und Modeketten eigene Handtaschen.

Das Unternehmen hat einen starken Umbruch hinter sich. Die 1970 von Renate und Wolf Peter Bree in Isernhagen bei Hannover gegründete Firma wird 2001 erschüttert, als der Vater überraschend stirbt und die Söhne Axel und Philipp Bree einspringen müssen. Einen weiteren Bruch gibt es 2012: Junior-Chef Philipp Bree steigt aus, um sich auf sein eigenes Edel-Label PB0110 zu konzentrieren. Seinen 50-Prozent-Anteil verkauft er an die beiden Unternehmer Klaus Schmidt (Ex-Dekra-Chef), Peter Wolf (Ex-Karstadt-Chef). und ein namentlich nicht bekanntes Family Office. Bruder Axel Bree bleibt als geschäftsführender Gesellschafter weiter im Amt.

Im vergangenen Jahr folgt ein weiterer Eigentümerwechsel: Die Investoren Wolf und Schmidt steigen aus – nun hält das Family Office die Mehrheit an Bree, Geschäftsführer Axel Bree hält eine Minderheit.

Zeitgleich treibt er den Umbruch im Sortiment voran: Er verkleinert das Sortiment, schließt Läden, modernisiert die Kollektion. Von den hochgesteckten Zielen, bis 2019 den Umsatz auf 100 Millionen Euro zu verdoppeln, muss sich der Firmenchef verabschieden: "Wir wollen lieber in kleineren Schritten und nachhaltig wachsen", gibt sich Bree heute bescheidener als vor drei Jahren.

Die Investitionen wie in einen neuen eigenen Laden in Wien sind teuer. Auch deshalb schrieb Bree in den beiden vergangenen Jahren rote Zahlen. Im nächsten Jahr will er aber mit den knapp 200 Mitarbeitern die Gewinnschwelle „und 2019 schwarze Zahlen erreichen“.

Dazu soll auch die Lederkollektion beitragen. Der Umsatz mit hochpreisigen Naturleder-Taschen wächst zweistellig. Denn trotz oder wegen der vielen Billigangebote im Taschenmarkt „spielt in der Mode die Echtheit, Qualität und Authentizität eine immer größere Rolle“, beobachtet der 49-Jährige. Für Bree eine Chance, sich von der Konkurrenz abzuheben: Er will künftig verstärkt damit werben, dass Bree bei der Produktion des Leders nachhaltig arbeitet.

Kommentare zu " Axel Bree: Mit Handtaschen aus Autoreifen auf Kundenfang"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%