Deutsche Familienunternehmen Chefs? Am liebsten aus der Familie

Europaweit schätzen Familienunternehmen den Input externer Manager. Nicht so in Deutschland. Hier legt man Wert darauf, dass die Firma von Familienmitgliedern geführt wird. Eine Studie zeigt weitere Besonderheiten.
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Die deutschen Familienunternehmen wollen die Führung der Firma nicht gerne externen Managern überlassen.

DüsseldorfDie Familienunternehmen in Deutschland und Europa schauen positiv in die Zukunft. Das zeigt das „European Family Business Barometer“ der Wirtschafsprüfungsgesellschaft KPMG, das dem Handelsblatt vorliegt. 70 Prozent der befragten Familienunternehmen in Deutschland und 71 Prozent in Europa geben an, positiver Stimmung zu sein.

Das hat sich in den vergangenen zwölf Monaten ausgewirkt: 37 Prozent der befragten deutschen Unternehmen gaben an, dass sie mehr Mitarbeiter eingestellt haben, 53 Prozent haben den Umsatz erhöht und 28 Prozent die Auslandsaktivitäten erhöht. Europaweit sieht es sogar noch besser aus. Dort gaben 44 Prozent an, ihre Auslandsaktivitäten ausgebaut zu haben, 57 Prozent bejahen eine Umsatzsteigerung.

Doch im guten Stimmungsbild zeigen sich kleine Risse: Denn die deutschen Familienunternehmen sorgen sich – mehr als der Rest Europas – um den Fachkräftemangel. Auch steigende Lohnkosten fürchten die Befragten in Deutschland, zeigt die Studie, die in 26 Ländern durchgeführt wurde. „Ein Grund für diese abweichenden Einschätzungen kann in den aktuell unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen liegen“, sagt Vera-Carina Elter, Bereichsvorstand Familienunternehmen bei KPMG.

Das sind Deutschlands größte Familienunternehmen
Platz 10: Heraeus
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Im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung die größten deutschen Familienunternehmen ermittelt. Auf den zehnten Platz schafft es mit einem Umsatz von 12,9 Milliarden Euro die Heraeus Holding. Der Technologiekonzern und Edelmetallspezialist mit Sitz im hessischen Hanau beschäftigt knapp 12.500 Mitarbeiter.

Platz 9: Schaeffler
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Der neunte Platz geht an den Automobilzulieferer mit Hauptsitz im bayerischen Herzogenaurach: 13,2 Milliarden Euro setzte das von Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann (Foto) und ihrem Sohn Georg kontrollierte Unternehmen im Jahr 2015 um. Die Zahl der Mitarbeiter lag bei rund 83.900.

Platz 8: Boehringer Ingelheim
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Das Pharmaunternehmen belegt mit einem Umsatz von 14,8 Milliarden Euro den achten Platz. Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei rund 47.500. Unternehmenschef ist seit 2016 Hubertus von Baumbach, ein Urenkel des Firmengründers Albert Boehringer.

Platz 7: Bertelsmann
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Der Gütersloher Medienkonzern schafft es mit 17,1 Milliarden Euro auf Platz sieben der Top-10-Familienunternehmen und beschäftigt 117.300 Mitarbeiter weltweit. Damit liegt das Unternehmen der Familie Mohn im Ranking nach der Beschäftigtenzahl auf Platz 5. Liz Mohn (Foto) ist die Witwe des ehemaligen Bertelsmann-Chefs Reinhard Mohn und Vorsitzende der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft, in der die Stimmrechte der Bertelsmann SE & Co. KGaA gebündelt sind.

Anm. d. Red.: In einer ersten Fassung war Liz Mohn versehentlich als Mitglied des Bertelsmanns-Vorstands bezeichnet worden.

Platz 6: Henkel
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Hinter dem sechsten Platz verbirgt sich das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Düsseldorf. Der Umsatz 2015 lag bei etwas mehr als 18 Milliarden. Der Hersteller von Kosmetik-, Waschmittel- und Klebstoffprodukten beschäftigt weltweit knapp 50.000 Mitarbeiter.

Platz 5: Phoenix
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Der fünfte Platz geht an Deutschlands größten Pharmagroßhändler Phoenix mit Sitz in Mannheim. Der Umsatz liegt bei 23,3 Milliarden Euro und damit in deutlichem Abstand zu den vier umsatzstärksten Familienunternehmen. Die Mitarbeiterzahl ist mit etwas mehr 24.800 Personen ebenfalls deutlich geringer.

Platz 4: Metro
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Der Handelskonzern belegt mit 59,2 Milliarden Euro Umsatz Platz vier, beschäftigt aber mit 226.900 mehr Mitarbeiter als die Aldi-Gruppe. Hauptsitz des Unternehmens, zu dem auch die Elektronikmärkte Saturn und Media Markt gehören, ist Düsseldorf.

„Vergleicht man Bruttoinlandsprodukte, Geburtenraten und die (Jugend-)Arbeitslosigkeitsquoten, zeichnet sich ab, dass diese Aspekte in Deutschland zu einer tendenziell höheren Zuspitzung des Fachkräftebedarfs führen.“ Das würde auch mit dem Produktionsschwerpunkt deutscher Unternehmen zusammenhängen, der stark auf Ausbildungsberufe ausgerichtet sei. „Durch den zunehmenden Trend zu akademischen Abschlüssen entsteht bei den klassischen Ausbildungsberufen ein Defizit, das sich wiederum direkt auf die Kernbereiche der klassischen Industrie auswirkt.“

Damit die Unternehmen in Deutschland weiter wachsen können, hoffen die Familienunternehmen laut Studie vor allem auf Bürokratieabbau und eine Lockerung der Arbeitsvorschriften. Europaweit setzen die befragten Unternehmen neben den flexibleren Arbeitsmarktbedingungen vor allem auf niedrigere Steuern.

In Sachen Familienunternehmen gibt es einen weiteren deutlichen Unterschied zwischen Deutschland und dem Rest Europas: Deutsche Familienunternehmen wollten die Chefposten am liebsten mit Familienmitgliedern besetzten. Nur 44 Prozent schätzen laut Studie die Vorteile von externen Managern. Anders im Rest Europas: 77 Prozent der Befragten glauben daran, dass sich Chefs, die nicht aus der Familie kommen, positiv auf das Unternehmen auswirken.

Während in Europa 78 Prozent der Familienunternehmen einen familienfremden Manager beschäftigen, sind es in Deutschland nur 63 Prozent. „Man kann also durchaus sagen, dass in deutschen Familienunternehmen der Wunsch nach einem familieninternen Management sehr ausgeprägt ist“, sagt Vera-Carina Elter von KPMG.

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