Oetker-Gruppe: Schifffahrt sorgt für Umsatzminus

Oetker-Gruppe plant Übernahmen
Die Kriegskasse ist prall gefüllt

Das schwache Geschäft bei Hamburg Süd hat dem Oetker-Konzern ein letztes Mal die Bilanz verdorben. Mit den Milliarden aus dem Verkauf der Reederei will das Familienunternehmen aus Bielefeld künftig weiter wachsen.
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BielefeldDer Mischkonzern Oetker will mit den Einnahmen aus dem milliardenschweren Verkauf seiner Reederei Hamburg Süd Übernahmen stemmen und seine Digitalisierung vorantreiben. „Wir haben mehr Spielraum als in der Vergangenheit“, sagte Oetker-Chef Albert Christmann am Dienstag in Bielefeld. „Jede Sparte hat konkrete Akquisitionsziele.“ Die Gelder würden aber „nicht leichtfertig“ investiert.

Oetker will Hamburg Süd an den dänischen Konzern A.P. Moeller-Maersk verkaufen, letzte Genehmigungen der Kartellbehörden stehen noch aus. Maersk hatte den Kaufpreis mit 3,7 Milliarden Euro beziffert. Christmann zufolge werden davon nach Steuern und Transaktionskosten über zwei Milliarden Euro in die Oetker-Kassen fließen. Er rechne nun damit, dass der Deal endgültig bis Ende dieses Jahres über die Bühne geht.

Der Oetker-Konzern, der Backzutaten und Pizza herstellt, zu dessen weit verzweigtem Reich aber auch Brauereien, Hotels und ein Bankhaus gehören, erwirtschaftete 2016 knapp die Hälfte seines Umsatzes in der Schifffahrt. Die Gesamterlöse sanken im Vergleich zum Vorjahr um 2,1 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro. Den größten Anteil am Rückgang hatte mit Minus 7,2 Prozent auf 5,6 Milliarden Euro Hamburg-Süd. Der Umsatz bei Lebensmitteln legte mit einem Plus von 2,7 Prozent ebenso zu wie das Geschäft mit Bier (plus 1,2 Prozent). Zum Gewinn macht das Familienunternehmen keine Angaben.

Die Containerreedereien hadern seit Jahren mit Überkapazitäten und sinkenden Frachtpreisen. Fast alle Unternehmen schreiben rote Zahlen und suchen in Allianzen oder Fusionen die Rettung. „Es war der richtige Zeitpunkt und die richtige Entscheidung, diesen Markt zu verlassen“, sagte Christmann.

Oetker sieht sich aber auch bei seinem zweiten Standbein, dem traditionellen Geschäft rund um die Nahrungsmittel, vor Herausforderungen gestellt. Digitale Handelsplattformen wachsen, Online-Riesen wie Amazon profitieren von sich ändernden Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher, jüngere Kunden sind mit traditioneller TV-Werbung nur noch schwer zu erreichen. „Das Wettbewerbsumfeld hat sich ziemlich verändert“, sagte Christmann. Oetker müsse seine Marken dort anbieten, „wo sie für die Verbraucher relevant sind“.

Oetker wolle nun selbst Daten sammeln, auswerten und nutzen. Eigene Handelsplattformen schloss Christmann nicht aus, gleichzeitig wolle Oetker aber auch weiter mit den Einzelhändlern zusammenarbeiten.

Weltweit beschäftigt die Oetker-Gruppe 33.600 Mitarbeiter. Dabei bilden die Nahrungsmittel nach der Schifffahrt das zweite Kerngeschäft. Der Umsatz mit Pizza, Backpulver und Pudding kletterte auf über 3,0 Milliarden Euro. Mit Bier und alkoholfreien Getränken erlöste der Konzern 2016 mit der Radeberger-Gruppe 1,9 Milliarden Euro, mit Chemie und Hotels 278 Millionen beziehungsweise 146 Millionen Euro. Im Hotelgeschäft sorgten Terroranschläge in Frankreich für ein Umsatzminus von 2,4 Prozent.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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