Sensoren für autonomes Fahren
Wie der Zulieferer Hella von der Autorevolution profitiert

Der Licht- und Sensorspezialist steuert in eine leuchtende Zukunft. Denn die innovativen Produkte der Lippstädter werden in selbstfahrenden Elektroautos gebraucht. Inzwischen hat sich auch die Profitabilität verbessert.
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DüsseldorfAutofahrer kennen und fürchten das: Sie sind geblendet vom Fernlicht, weil der entgegenkommende Fahrer vergessen hat, abzublenden. Dieses Sicherheitsrisiko will Lichtspezialist Hella ausschalten. Zusammen mit Merck und Forschungsinstituten hat der Autozulieferer aus Lippstadt einen intelligenten LCD-Scheinwerfer entwickelt. Der wurde schon mit Porsche getestet. Das Geheimnis des Scheinwerfers: Zwischen den LED-Leuchten und der Linse liegt ein Display aus Flüssigkristall mit 50.000 Bildpunkten. Damit lassen sich gezielt Segmente aus dem Lichtkegel nehmen – etwa die Windschutzscheibe des entgegenkommenden Fahrzeugs oder die Köpfe von Fußgängern.

Der innovative Scheinwerfer kann noch mehr: einen Gehweg ausleuchten oder Navigationspfeile und andere Infos gestochen scharf auf die Fahrbahn beamen. „Steht etwa ein Kind im Dunkeln am Straßenrand, projiziert der Scheinwerfer einen Zebrastreifen auf Straße – als Zeichen, dass es überqueren darf“, erzählt Rolf Breidenbach, Vorsitzender der Hella-Geschäftsführung. Kombiniert mit Kamerasensoren von Hella kann das Auto künftig erkennen, ob Hindernisse auf der Fahrbahn sind. Das Fahrzeug lenkt automatisch aus der Gefahrenzone.

Schöne neue Autowelt – an der baut Hella kräftig mit. Das börsennotierte Familienunternehmen zählt zu den 40 größten Autozulieferern weltweit. Während Zulieferer rund um Verbrennungsmotor und Getriebe durch den Trend zum selbstfahrenden Elektro-Auto mittelfristig um ihre Existenz bangen, ist Hella klarer Nutznießer der automobilen Revolution. „Wir profitieren vom Trend zum autonomen Fahren“, konstatiert Breidenbach. Die Lippstädter sind einer der Weltmarktführer für Licht und Elektronik im Automobil, insbesondere für Radarsensoren und Kamerasoftware für selbstfahrende Autos. Hellas intelligente Batteriesteuerungen sparen zudem Energie und werden auch im Elektroauto unverzichtbar sein.

Entsprechend positiv entwickeln sich die Geschäfte. Der Konzernumsatz ist im Geschäftsjahr 2016/17 (Ende Mai) um 3,7 Prozent auf rund 6,6 Milliarden Euro gestiegen. Damit hat sich das Wachstum von 8,9 Prozent im Vorjahr allerdings leicht abgeschwächt. „Unser Wachstum ist gut, aber nicht herausragend“, sagte Breidenbach bei der Vorstellung der Jahreszahlen in Düsseldorf. Doch nach einem schwachen ersten Halbjahr habe sich der Umsatz der zweiten Hälfte durch zahlreiche neue Produktionsanläufe stark beschleunigt. Ähnliches Wachstum erwartet er im laufenden Jahr.

Sehr zufrieden ist der Hella-Chef mit der Profitabilität. Das bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) stieg zum Vorjahr um zwölf Prozent auf 534 Millionen Euro, die bereinigte Ebit-Marge stieg und 0,9 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent. Joachim Pieper, Senior Advisor Automobil vom Bankhaus Metzler, ist positiv überrascht: „Die Erträge von Hella haben meine Erwartungen noch deutlich übertroffen.“ Hella wachse seit Jahren stetig und sei mit seinen Innovationen Vorreiter in der Branche. „Was bisher fehlte, war eine attraktive Rentabilität. Nun scheinen die Lippstädter die Kosten besser im Griff zu haben“, so Pieper. Der Branchenexperte geht davon aus, dass sich dieser positive Trend in den nächsten Jahren fortsetzen wird.

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Luftsensoren und energiesparende Scheinwerfer

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Zusammenarbeit mit Tesla

Kommentare zu " Sensoren für autonomes Fahren: Wie der Zulieferer Hella von der Autorevolution profitiert"

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  • Warum wird geflissentlich verschwiegen, was mit den Strompreisen in Deutschland passieren wird, wenn alle ein Elektroauto fahren? Die Nachfrage regelt die Preise in der Marktwirtschaft. Wird die Oma, die ihr ganzes Leben lang hart gearbeitet hat (Wie Schulz das mit markanten Worten populistisch umschreiben würde), die Autofahrer dann mit der von ihr zu bezahlenden Stromrechnung subventionieren?

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