Familienzwist beim Fleischkonzern
Wieder Funkstille bei Tönnies und Tönnies

Im Sommer erschien eine Einigung zum greifen nah, doch nun herrscht im Streit zwischen Clemens und Robert Tönnies erneut Funkstille. Es geht um die Abberufung eines Geschäftsführers beim Fleischgiganten.

OsnabrückDie Verhandlungen über eine Neuordnung des Fleischkonzerns Tönnies stocken. Mit einer kurzfristigen Einigung der beiden Familienzweige ist nicht mehr zu rechnen, wie aus der gegenwärtigen Positionierung der Parteien hervorgeht. Geplatzt ist sie allerdings noch nicht.

So hat der Anwalt von Robert Tönnies (37), Neffe des Mitgründers Clemens Tönnies (59), unlängst die Demission des Geschäftsführers Josef Tillmann zur Bedingung gemacht, auch wenn dessen Abberufung auf juristischem Weg gescheitert war. Tillmann habe vor Gericht gelogen und könne daher nicht das Vertrauen einer Führung genießen, die aus einer neuen Familienholding mit Clemens und Robert Tönnies als gleichberechtigten Gesellschaftern an der Spitze bestehen soll.

Clemens Tönnies lehnt dies kategorisch ab. Der 63-jährige Tillmann ist seit 1991 im Unternehmen und seine rechte Hand. Ferner sei im Frühjahr eine Grundsatzeinigung erzielt und beiderseits akzeptiert worden. Sie sei weiterhin die Basis, um den Streit beizulegen. Die Vereinbarung hatte unter anderem vorgesehen, dass Clemens Tönnies die ihm bisher privat gehörende Zurmühlen-Gruppe einbringt, Robert Tönnies in die Führung der Holding einsteigt und beide das Unternehmen weitgehend außerhalb des Tagesgeschäfts leiten.

Die Seite von Robert Tönnies gewann im Nachgang den Eindruck, dass das Entgegenkommen in der Realität nicht sonderlich weit reichen würde. Clemens Tönnies wiederum verweigerte sich den regelmäßig gestellten Nachforderungen der Gegenseite, die von einem größeren Einfluss auf die operative Führung über Details in der Nutzung des Firmengeländes bis zur Rolle weiterer Familienangehöriger im Unternehmen reichten.

Im Ergebnis herrscht gegenwärtig Funkstille, nachdem ein erster Vertragsentwurf im Sommer bereits vorgelegen hatte.

Wiedersehen werden sich die Parteien am 16. und 19. Oktober vor dem Bielefelder Landgericht. Dann soll auch Steuerberater und Testamentsvollstrecker Josef Schnusenberg aussagen und Licht in die Frage bringen, unter welchen Umständen eine Schenkung von fünf Prozent der Unternehmensanteile von Clemens verstorbenen Bruder Bernd an ihn zustande kam, die ihm das hälftige Eigentum am Unternehmen einbrachte. Sein Neffe will die Schenkung wegen Undanks und Täuschung widerrufen lassen. Nach dem bisherigen Verlauf der Verhandlung sind die Chancen dafür begrenzt. Der Richter hatte beiden Seiten am letzten Verhandlungstag eine außergerichtliche Einigung nahegelegt.

Dieser Artikel ist eine Übernahme der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, mit der das Handelsblatt im Rahmen einer Kooperation zum Thema Tönnies zusammenarbeitet.

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