Family-Investor Christian Schwarz
„Eine Konkurrenz besteht durchaus“

Der Family-Investor Christian Schwarz sieht sich im Wettbewerb mit strategischen Käufern von Mittelständlern und Finanzinvestoren. Warum er die Zahl der Übernahmen steigen sieht, erklärt er im Interview.
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Warum sich auch Mittelständler mit Wachstumsstrategien verstärkt an Family-Offices wenden und oftmals weniger Reibungsverluste produzieren.

Herr Schwarz, Sie sind selbst als Family-Investor unterwegs. Steigt die Zahl der Übernahmen im Mittelstand?

Sie haben bereits im vergangenen Jahr zugenommen. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Drei Gründe sprechen dafür: Erstens verfügen gerade mittelständische Familienunternehmen über entsprechende liquide Mittel. Zweitens sind aufgrund des niedrigen Zinsniveaus anderweitige Geldanlagen unattraktiv und drittens ist die Finanzierung entsprechend attraktiv. Außerdem werden Kooperationen und/oder Partnerschaften im Mittelstand zunehmen, um sich im internationalen Umfeld behaupten zu können.

Gibt es neue Spieler?

Im vergangenen Jahr haben wir vor allem mehr kleinere Transaktionen, also unter fünf Millionen Euro beobachtet. Da sind vor allem mittelständische Unternehmen und Family Offices aktiv. Während die klassischen Beteiligungsgesellschaften sich auf Transaktionen über zehn Millionen Euro fokussieren. Insgesamt sehe ich nach wie vor die klassischen strategischen Käufer in der Mehrheit.

Familiy Offices als Übernehmer scheinen zur ernsthaften Konkurrenz zu werden, für Private Equity und strategische Käufer?

Eine Konkurrenz besteht durchaus, vor allem bei den kleineren Übernahmen zu den strategischen Mittelständlern, das zeigen Gespräche mit anderen Family Offices. Auch Mittelständler mit Wachstumsstrategie wenden sich vermehrt an Family Offices. Grund: Besseres Verständnis, keine „Heuschrecken“-Attitüde, langfristiges Engagement. Folge: Klassische Finanzierungsformen wie Darlehen werden zunehmend weniger. Bei größeren Mittelständlern sehe ich zudem den Trend, dass es zu Übernahmen von ausländischen Beteiligungsgesellschaften oder auch von Finanzinvestoren kommen wird. So hat erst kürzlich Berkshire Hathaway den Motorradausstatter Louis übernommen.

Welche Rolle spielen Management-Buy-Outs (MBO) und Management Buy-Ins (MBI)?

Sie werden im Mittelstand zunehmen. Dies auch unter Einbeziehung von Family Offices als Geldgeber. Einige Anfragen hatten wir bereits direkt.

Was sind die attraktivsten Übernahmeziele?

Die Gespräche mit Unternehmern, Family Office und dem Private Equity Segment zeigen eine Tendenz zu soliden Geschäftsmodellen. Gut eingeführte Unternehmen sind attraktiv und finden relativ schnell einen Käufer.

Was versprechen sich die Unternehmen von Übernahmen? Konkurrenten übernehmen, Vermögen investieren, diversifizieren, Wachstum erzeugen?

Aus meiner Sicht von allem etwas. Wir beispielsweise konzentrieren uns auf Unternehmensnachfolgen und Wachstumsszenarien. Eine Investition von Familienvermögen spielt dabei selbstverständlich auch eine Rolle. Darüber hinaus sehe ich aber auch Fälle der Marktkonsolidierung, der Diversifizierung und strategische Partnerschaften.

Nehmen auch grenzübergreifende Übernahmen zu?

Ja. Gerade größere Mittelständler haben zunehmend Expertise darin aufgebaut.

In welchen Ländern halten sie am meisten die Augen auf?

Hierbei sehe ich Schwerpunkte in Richtung USA und Asien.

Wo liegen die größten Hürden, wenn Mittelständler andere übernehmen?

Neben den klassischen Themen wie Preis und Garantien, um nur einige zu nennen, spielt regelmäßig die Beschäftigung dann ehemaliger Inhaber und Angehöriger aus der Familie eine wesentliche Rolle. Ehemalige Inhaber kommen mit Ihrer neuen Rolle nicht immer zurecht. Sofern ehemalige Inhaber operativ oder als Berater beschäftigt werden, treffen sie Entscheidungen so wie vor der Übernahme. Dies ist aufgrund der neuen Situation häufig problematisch.

Welche Rolle spielen unterschiedliche Unternehmenskulturen?

Ich beobachte, dass bei Übernahmen durch mittelständische Unternehmen die Integration häufig mit weniger Reibungsverlusten erfolgt. Dies liegt vor allem daran, dass Mittelständler eine besseres Verständnis für andere mittelständische Unternehmenskulturen haben.

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