Farbdesign
Farblich abgestimmter Wertewandel

Seit jeher werden in unserer Kultur Farben mit bestimmten Gefühlen und Vorstellungen in Beziehung gebracht. So steht Silber für Zukunftsglaube, Weiß für das Wesentliche. Wie Farbforscher versuchen, die Stimmung der Kunden zu erahnen.

KÖLN. Für Michaela Finkenzeller sind Lacke nicht einfach nur rot, grün oder blau. "An den bevorzugten Farben lässt sich der seelische Zustand einer Nation ablesen", weiß die Farbdesignerin des Autolackproduzenten BASF Coatings. Gemeinsam mit ihren Kollegen arbeitet sie daran, den vielfach beschworenen gesellschaftlichen Wertewandel mit passenden, neuen Lackfarben zu unterlegen.

Bisher zeigten sich die Deutschen wenig experimentierfreudig, wenn es um die Lackierung ihrer Autos ging. Silber und Schwarz sind seit Jahren die dominanten Farben auf Straßen und Parkplätzen. "Silber drückt Zukunftsglauben sowie Begeisterung für Hightech und das neue Jahrtausend aus", sagt Finkenzeller. Die Hoch-Zeit der Farbe war dementsprechend um das Jahr 2000. Dass sich der Trend auch danach noch hartnäckig hielt, hatte auch praktische Gründe. Die Metallicfarbe lässt sich leicht pflegen und garantierte höhere Erlöse beim Wiederverkauf des Wagens. Deswegen setzten auch große Flottenbetreiber wie Autovermietungen auf diesen Lack. Auch die Polizei tauschte ihre weißen Wagen gegen silberne Fahrzeuge aus - für Finkenzellers Geschmack zu spät: "Mit weißen Autos wäre sie, was das Design betrifft, voll im Trend gewesen."

Denn Weiß - in Japan schon seit langem eine beliebte Autofarbe - wird nach ihrer Prognose in zwei bis drei Jahren auch vermehrt auf deutschen Straßen zu sehen sein. "Auf der Suche nach neuen Werten konzentrieren sich immer mehr Menschen auf das Einfache und Wesentliche", sagt sie. Die Farbe Weiß sei der Ausdruck dafür.

Da die Menschen zunehmend mobiler werden und viel Zeit in ihrem Auto verbringen, spiele der Wohlfühlfaktor eine immer größere Rolle. Der schlägt sich in behaglich wirkenden Farbtönen wie Braun, Beige, Kupfer oder Gold nieder.

Einen Mittelweg bei der farblichen Gestaltung im öffentlichen Raum empfiehlt Hans Irtel, Professor für Psychologie an der Universität Mannheim und zweiter Vorsitzender des Deutschen Farbenzentrums. So hätten Labortests ergeben, dass Menschen mit bunten Farben wie Rot, Gelb, Grün oder Blau besonders positive Gefühle verbinden. "Eine Bushaltestelle bunt zu lackieren, wäre trotzdem nicht ratsam", erklärt er. Diese Farben wirken zwar anregend und interessant, so dass ihre Betrachtung einen netten Zeitvertreib beim Warten auf den Bus darstellt. Die Signalfarben würden aber Autofahrer zu sehr vom Verkehr ablenken und zudem verstärkt zum Vandalismus animieren.

Auf unbunte Farben wie Grau zurückzugreifen, sei aber auch keine Lösung. Die wirken zwar beruhigend, aber gleichzeitig auch lieblos. Und der Anschein von Verwahrlosung locke erst recht "Künstler mit Spraydosen und Edding-Stiften" an. "Die Farbe muss ausdrücken, dass sich jemand bei der farblichen Gestaltung der Bushaltestelle Gedanken gemacht hat", erklärt Irtel.

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