Faserverstärkte Kunststoffe
Ultraleichte Schwergewichte

Faserverstärkter Kunststoff erlebt einen Boom: Das High-Tech-Gemisch wird zum Allzweckmaterial in der Kleinserienfertigung.

KÖLN. Martin Wiesmann legt Wert auf Handarbeit. „Wir brauchen keine teuren Maschinen, um hochwertige Karosserien zu bauen“, sagt der Gründer und Inhaber der Wiesmann Automobil-Manufaktur. Das Unternehmen produziert in seinem Dülmener Werk Sportwagen in Preisklassen jenseits der 100 000-Euro-Marke. 152 Exemplare sind es in diesem Jahr, allesamt von Hand gefertigt. „Bei dieser kleinen Serie würde sich die Investition in große Maschinen niemals rentieren“, sagt Wiesmann.

Neben dem Kostenaspekt ist es allerdings vor allem der Blick auf das Image, der den Chef der „Manufaktur der Individualisten“ niemals daran denken lassen würde, in seiner Firma ein Fließband einzuführen. Schließlich wollen die Kunden kein Auto von der Stange. Neben dem Design ist es nämlich vor allem das besondere Material der Karosserie, das einen Wiesmann auszeichnet: Die Dülmener verkleiden ihre Boliden mit faserverstärktem Kunststoff, genau wie bei einem Formel-Eins-Rennwagen.

Die Einsatzbereiche für faserverstärkten Kunststoff nehmen rasant zu. Ob beim Flugzeugbau, in der modernen Windradtechnik oder an Bord von Kreuzfahrtschiffen. Aufgrund seiner Materialeigenschaften ist das High-Tech-Gemisch zur ernsthaften Konkurrenz für Aluminium- und Stahlprodukte geworden.

Bei der Produktion eines Wiesmann-Sportwagens kleiden Techniker vorgearbeitete Formen schichtweise mit Kunstharz und Verstärkungsmaterial aus, das über Nacht schließlich aushärtet. Resultat ist eine Kunststoff-Karosse, die leichter und steifer ist als ihre Gegenstücke aus herkömmlichem Stahlblech. Grundsätzlich lässt sich bei faserverstärkten Kunststoffen zwischen Glas-, Kohle- und Aramidfasern unterscheiden, die jeweils spezifische Eigenschaften besitzen. Bei glasfaserverstärkten Kunststoffen handelt es sich um geschmolzenes Glas, das zu Fäden gezogen und mit einem Harz verbunden wird.

Auf diese Weise entsteht das so genannte Fiberglas, aus dem sich Tischtennisschläger ebenso formen lassen wie Kotflügel, Angelruten oder Rohrleitungssysteme für Kraftwerke. Es ist robust und isoliert elektrischen Strom, was es zu einem beliebten Werkstoff im Anlagen- und Bootsbau sowie in der Elektroindustrie macht. Kohlefaserverstärkter Kunststoff hingegen, der auch als Carbon bezeichnet wird, ist erheblich fester und steifer als Fiberglas und zudem in der Lage, elektrischen Strom zu leiten. Carbon ist deutlich teurer als Fiberglas und kommt vor allem in der Luft- und Raumfahrtindustrie zum Einsatz.

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