Finanzierung
Dem Mittelstand geht die Puste aus

Viele Mittelständler haben zu wenig Eigenkapital. Doch nur wer eine Reserve hat, kann in der Krise eine wirtschaftliche Durststrecke durchstehen. Doch die Krise zehrt an den aufgebauten Eigenkapitalreserven: Laut einer Umfrage haben immer weniger Mittelständler eine solide Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent.

KÖLN. Das Unternehmen in der Verlustzone, die Hausbank pleite, die Kapitalreserven aufgebraucht: Für Hermann Bröker sind das keine düsteren Zukunftsszenarien im Angesicht der Finanzkrise, sondern längst bewältigte Probleme aus der Vergangenheit. Als der Unternehmer 1998 den nordbayerischen Schleifmittelhersteller Dronco übernahm, war das mittelständische Familienunternehmen ein Sanierungsfall. Sinkende Umsätze führten zu Verlusten in Millionenhöhe.

Aber Bröker sah Potential in dem heruntergewirtschafteten Unternehmen. Er trieb die Sanierung voran, setzte auf innovative Prozesstechnologie und baute die Produktionskapazitäten aus. Dronco sollte aus der Krise herauswachsen. Doch 2001 durchkreuzte eine lokale Finanzkrise die Pläne des Unternehmers: Mit der bayerischen Schmidtbank brach die Hausbank des Unternehmers zusammen. Die Privatbank hatte zu viele faule Kredite in den Büchern, ein undurchsichtiges Netz von Tochtergesellschaften und Beteiligungsfirmen hatte die Probleme lange verschleiert. Jetzt war die Bank bankrott - und der durch die Verlustjahre geschwächten Dronco ging mit dem Rückzug des Kreditinstituts finanziell die Luft aus.

Eine Situation, die in der aktuellen Rezession viele Mittelständler fürchten. Umsatzeinbrüche und Verluste fressen ihre Liquiditätsreserven auf, und über Bankkredite bekommen viele längst kein frisches Kapital mehr. "Verkraften kann eine solche Durststrecke auf Dauer nur, wer genug Kapital im Unternehmen hat", konstatiert Bernd Papenstein. Der Experte für Mittelstandsfinanzierung bei der Unternehmensberatung Price Waterhouse Coopers betont: "In der aktuellen Krise steht zwar zunächst kurzfristige Liquiditätssicherung im Vordergrund - ohne solide Eigenkapitalbasis wird es aber schwierig, frisches Geld von den Banken zu bekommen."

Viele Mittelständler haben das bereits nach der New-Economy-Krise erkannt. Sie verbesserten ihre Eigenkapitalquoten im wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahre kontinuierlich. "Die Unternehmen sind wesentlich besser aufgestellt als vor dem letzten wirtschaftlichen Abschwung 2001. Das aufgebaute Eigenkapital wirkt als Risikopuffer", bestätigt Margarita Tchouvakhina. Dennoch warnt die Volkswirtin der staatlichen KfW-Förderbank: "Je länger und tiefer die Rezession Deutschland trifft, desto stärker schwinden die Eigenkapitalreserven."

Bereits jetzt beginnen die Finanzpolster mittelständischer Unternehmen zu schrumpfen, zeigt eine Umfrage der genossenschaftlichen WGZ-Bank aus dem April: Immer weniger Mittelständler haben eine solide Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent. Insbesondere bei Dienstleistern, Bauunternehmern und Kfz-Händlern sinkt die Bilanzqualität. Sie haben oft weniger als zehn Prozent Eigenkapital im Unternehmen. Doch viele Mittelständler haben die Gefahr bereits erkannt und nehmen den Kampf gegen den Kapitalschwund auf. Gut ein Drittel der befragten Firmen plant, in den kommenden Monaten ihre Eigenkapitalreserven aufzustocken. Sie wollen Gewinne im Unternehmen behalten, und die Gesellschafter sollen sich stärker beteiligen, um Liquiditätsengpässe zu überwinden.

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