Finanzierung
Große Firmenübernahmen kommen ins Stocken

Unternehmen müssen in Zeiten der Krise prüfen, ob Transaktionen strategisch sinnvoll sind und wie sie diese finanziell tragen können. Die Kriterien, die das Übernahmeobjekt, der Käufer und die Gesamtstruktur der Transaktion erfüllen müssen, sind anspruchsvoller geworden.

HAMBURG. Konservativ finanzierte mittelständische Käufer haben auch weiterhin wenig Probleme, Akquisitionen zu finanzieren. Nur sind die Kriterien, die das Übernahmeobjekt, der Käufer und die Gesamtstruktur der Transaktion erfüllen müssen, insgesamt anspruchsvoller geworden.

Die Finanzierung großer Übernahmen ist seit einigen Monaten deutlich ins Stocken geraten. Dies ist eine ähnliche Überreaktion des Marktes, wie sie schon nach dem Platzen der Technologie-Blase zu beobachten war. Zum Teil ist diese Marktreaktion ein durchaus notwendiger Heilungsprozess, denn der Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapitalbedarf einer Finanzierung (Leverage) lag bei Großtransaktionen zuletzt teilweise bei über 90 Prozent. Bei manchen Übernahmen wurde weder die Eigenmittelausstattung des Käufers ausreichend geprüft noch hinterfragt, ob die Ertragskraft des Übernahmeziels für die Refinanzierung des Kaufpreises ausreicht.

Im Mittelstand hingegen gab es keinen solchen Wildwuchs. Deshalb fällt die Gegenreaktion des Marktes hier weniger übertrieben aus. Sicherlich gibt es einige Banken, die aufgrund eigener Liquiditätsanspannung verhalten in der Kreditvergabe sind, aber letztlich ist ausreichend Geld im Markt, um Übernahmefinanzierungen realisieren zu können.

Die Kriterien an die Kreditvergabe sind allerdings strenger geworden. Der Eigenkapitalanteil einer Finanzierung sollte deutlich oberhalb von 40 Prozent liegen, und die Bonität von Käufer und Zielunternehmen werden gleichermaßen berücksichtigt. Ein wichtiges Kriterium ist das Verhältnis von EBITDA zur Gesamtverschuldung, da es eine Indikation erlaubt, in welchem Zeitraum das Unternehmen seine Bankschulden zurückführen kann. Ein gesundes Maß ist kleiner als Faktor vier.

Neben dem Eigenkapitaleinsatz und der Kapitaldienstfähigkeit der Transaktionsbeteiligten gibt es zwei weitere Kriterien, die für den verantwortlich handelnden Unternehmenslenker selbstverständlich sein sollten: Macht die Transaktion strategisch Sinn, und lässt sich der Kaufpreis insgesamt rechtfertigen? Die strategische Sinnhaftigkeit ergibt sich zum einen aus der Analyse von Markt-, Wettbewerbs- und Technologietrends, zum anderen aus wirtschaftlichen Überlegungen. Der Kaufpreis für ein Unternehmen lässt sich letztlich immer erst rückblickend rechtfertigen. Es gibt aber durchaus Indikatoren, die vor dem Kauf herangezogen werden sollten. Dies können zum Beispiel die etablierten Methoden der Unternehmensbewertung sein. Unerfahrene Unternehmenskäufer lassen sich häufig in einem Bietergefecht mitreißen - und am Ende stellt sich der Kauf als überteuert heraus. Eine kritischere Herangehensweise an die Akquisitionsfinanzierung kann davor schützen.

Michael Thiele ist Geschäftsführer der Angermann M&A International GmbH.

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