Finanzierung: Große Hilfen unter Freunden

Finanzierung
Große Hilfen unter Freunden

Nur keine Panik - die Kreditklemme lässt viele deutsche Familienunternehmen kalt. Die Kapitalgesellschaften klagen zwar über die knauserigen Banken, doch viele inhabergeführten Betriebe haben keinen Grund zur Sorge. Sie haben eine andere Geldquelle entdeckt.

HB FRANKFURT/MAIN. Finanzmarktkrise und Konjunkturabschwung sorgen für düstere Prognosen. Die Angst vor einer Kreditklemme geht um. Doch die oft als altmodisch abgestempelten deutschen Familienunternehmen scheinen eher gelassen zu reagieren. "Die deutschen Familienunternehmen haben in den zurückliegenden Jahren viel Substanz aufgebaut. Aufgrund dessen folgen sie der allgemeinen Panikmache nicht", sagt Christoph Achenbach, geschäftsführender Gesellschafter der INTES Beratung für Familienunternehmen und früherer KarstadtQuelle-Vorstandschef. Und er weiß: Immer mehr deutsche Familienunternehmer finanzieren sich gegenseitig. "Für viele inhabergeführte Betriebe ist die Hausbank nach wie vor der erste Ansprechpartner", sagt der 50-jährige Berater im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP. Doch in den letzten ein bis zwei Jahren hätten sich regelrechte Netzwerke gebildet, die sich untereinander helfen: "Der Trend der Finanzierung von Familienunternehmen durch Familienunternehmer nimmt zu. Dabei geht es um Themen wie die Restrukturierung von Unternehmen, aber auch um Internationalisierung und Expansion."

Gerade viele der großen Unternehmerfamilien engagierten sich in dieser Weise. Beispiele sind die Quandts oder auch die Brüder Andreas und Thomas Strüngmann, die früheren Besitzer von Hexal. Investitionssummen will Achenbach nicht nennen, spricht aber von "erheblichen Volumina", die von Unternehmer zu Unternehmer fließen.

Gleichwohl sei daraus nicht abzuleiten, dass diese Betriebe mit einer Kreditklemme konfrontiert seien: Familienunternehmen - und das sind in Deutschland immerhin rund 95 Prozent der 3,2 Millionen Betriebe - setzen Achenbach zufolge auch bei ihrer Finanzierung auf Nachhaltigkeit, langfristige Partnerschaften und Vertrauen. "Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not", an diese Regel hielten sich viele Unternehmer und das zahle sich in der Krise aus. "Wer über eine hohe Eigenkapitalquote verfügt, der braucht entweder gar keine Kredite, oder er hat genau deshalb gute Chancen, eine Finanzierung zu bekommen."

Achenbach sieht hier auch einen großen Unterschied zu börsennotierten Firmen: "In vielen Familienbetrieben wurde in den guten letzten Jahren das Eigenkapital im Unternehmen gehalten, der erwirtschaftete Gewinn wieder investiert. Im Gegensatz dazu haben einige Publikumsgesellschaften aufgrund der Orientierung an kurzfristigen Ausschüttungen ihre Immobilien oder andere Substanzwerte veräußert."

Für den 50-Jährigen Berater ist die Vielzahl von Familienunternehmen in Deutschland ganz klar ein Standortvorteil. "Die Familienunternehmer sind nicht von Gier und kurzfristigen Erfolgen getrieben, es geht ihnen vielmehr um Nachhaltigkeit. Sie wollen Werte schaffen und langfristig für die nächsten Generationen sichern."

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