Finanzierung
Mischkapital im Hörsaal

Die Finanzierung des Mittelstands wird jetzt auch verstärkt von der Wissenschaft unter die Lupe genommen. Die Commerzbank-Stiftung wird dazu der Frankfurter HfB – Business School of Finance & Management eine Professur finanzieren, um neue Möglichkeiten zu erforschen.

FRANKFURT. „Wir wollen dazu beitragen, dass innovative und grundsätzliche Fragen der Mittelstandsfinanzierung angegangen werden. Dieses Feld sollte man nicht nur den Verbänden überlassen“, sagt Commerzbank-Vorstand Martin Blessing im Gespräch mit dem Handelsblatt. Gemessen an der Bedeutung der Mittelstandsfinanzierung für die Volkswirtschaft werde das Thema in der Wissenschaft bisher kaum abgebildet.

Die Stiftungsprofessur hat ein Gesamtvolumen von 180 000 Euro jährlich und wird zunächst auf drei Jahre eingerichtet. Die Ausschreibung für die Professur soll noch in dieser Woche erfolgen. Hochschul-Präsident Udo Steffens will an der HfB mit dem Geld der Commerzbank eine „Schnittstelle zwischen Unternehmen, Wissenschaftlern und Banken“ herstellen. Wichtig werde der Praxisbezug sein; außerdem sollten alle Forschungsergebnisse via Internet frei zugänglich gemacht werden. Die Commerzbank verspricht sich von der Partnerschaft einen direkten Zugang zur wissenschaftlichen Forschung und den Kontakt zu qualifizierten Studenten. Neben einer gewissen Werbewirkung der Siftungsprofessur sieht Blessing, der in der Commerzbank für das Mittelstandsgeschäft verantwortlich zeichnet, auch Vorteile aus der Aufklärung der Unternehmer über alternative Finanzierungen abseits des reinen Kredits. „Informierte Kunden kann die Bank leichter ansprechen“, meint Blessing.

Der neue Lehrstuhl soll sich laut Steffens in erster Linie um die so genannten hybriden Finanzierungsinstrumente kümmern. Das sind in der Regel Mezzanine-Finanzierungen, die zwischen dem Eigen- und Fremdkapital stehen. Nahezu alle Banken sehen hier einen großen Wachstumsmarkt, Commerzbank-Vorstand Blessing schätzt das zukünftige Neugeschäftsvolumen pro Jahr auf etwa zwei Mrd. bis drei Mrd. Euro. Die Commerzbank bietet hier ihr Programm „CB Mezz Cap“ an, die Hypo-Vereinsbank ist mit ihren „Preps“-Produkten am Markt, und die Deutsche Bank hat zusammen mit der IKB das Programm „Equinotes“ aufgelegt. Mezzanine-Kapital kann je nach Ausgestaltung eine eigenkapitalähnliche Qualität erhalten. Gleichwohl erhält der Kapitalgeber keine Stimmrechte am Unternehmen.

Mezzanine kann dabei helfen, die Kapitaldecke der Unternehmen zu stärken. In Deutschland wird die Eigenkapitalquote auf nur 19 Prozent veranschlagt, in Frankreich sind die Firmen beispielsweise mit durchschnittlich 30 Prozent deutlich besser ausgestattet. Die tatsächliche Nachfrage nach Mezzanine sei bei aller Euphorie für das Thema noch relativ klein; viele Unternehmen wollten warten, bis der Nachbar Erfahrungen gemacht habe, weiß Blessing aus den Erfahrungen der Commerzbank zu berichten. „Mit der Professur wollen wir hier einen kollektiven Lernprozess fördern.“

Ein Hindernis für eine stärkere Verbreitung von Mezzanine in Deutschland – vor allem bei kleineren Mittelständlern – sind die bisher fehlenden Standards im Markt. „Eine einheitliche Beurteilung und Bewertung seitens der Banken würde hier sicherlich helfen“, meint Steffens. Auch die Rating-Systeme in den Banken behandelten die Mezzanine-Komponenten sehr unterschiedlich. „Die Normierung von Steckdosen hat zur Verbreitung von Strom beigetragen. Vielleicht gelingt der Kreditwirtschaft bei innovativen Finanzierungen ein ähnlicher Konsens“, hofft Blessing.

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