Finanzierung
Verbriefung wieder salonfähig machen

Die Krise hat den Verbriefungsmarkt zum Erliegen gebracht. Nun bildet sich eine Allianz für seine Rehabilitation. Die Argumentation der Banken: Wenn sie Kredite am Kapitalmarkt platzieren können, ensteht auch Raum für neue Darlehen ohne das Eigenkapital zu belasten.
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FRANKFURT. Exzesse an den Verbriefungsmärkten gehören zu den Auslösern der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Nun sollen diese Finanzinstrumente dabei helfen, die Folgen der Krise für die Unternehmen abzumildern. Die Bankenbranche fordert vehement die Belebung des Verbriefungsmarkts. Ihr Argument: Nur wenn die Banken wieder Mittelstandskredite, die sie auf ihrer Bilanz halten, am Kapitalmarkt ausplatzieren können, schaffen sie Raum für neue Darlehen.

„Der Verbriefungsmarkt ist wichtig, um einer Kreditklemme entgegenzuwirken“, sagt Cherifa Larabi, die das Verbriefungsgeschäft der KfW verantwortet. „Wenn die Unternehmen im Aufschwung investieren wollen, stoßen sie sonst auf die schrumpfenden Kredit-Spielräume der Banken“, sagt sie. Eigenkapital könne zum beschränkenden Faktor bei der Kreditvergabe werden, schreibt der Bundesverband deutscher Banken (BdB) in einem Papier zur Wiederbelebung des Verbriefungsmarkts.

Die Verbriefung von Mittelstandsdarlehen ist hierzulande nicht neu. „In Deutschland haben die Banken in den Jahren bis 2007 Verbriefungen sehr stark genutzt, um das Risiko aus Mittelstandsdarlehen zu transferieren und so Freiräume für die Vergabe neuer Darlehen zu schaffen“, erklärt Larabi. Vor allem die Großbanken hätten das Instrument eingesetzt.

„Es gab aber auch kleinere Transaktionen von mittelgroßen, auf Mittelstandsfinanzierungen fokussierte Banken, die auf diese Art ihr Eigenkapital entlastet haben“, sagt sie. Allein über das Mittelstands-Verbriefungsprogramm Promise der KfW wurden seit 2000 Kredite im Volumen von 36,7 Mrd. Euro ausplatziert.

Große Verbriefungen, bei denen Banken ein breit gestreutes Mittelstandsportfolio ausplatzierten, sind nach Larabis Beobachtung oft Positivbeispiele: „Bis heute hat es über alle Promise-Transaktionen hinweg eine Verlustquote von nur 0,15 Prozent gegeben“, sagt sie. Davon betroffen sei die Erstverlusttranche, die ja meist bei den Banken selbst verbleibe. Es gibt aber auch Negativbeispiele, wie die vor der Krise sehr beliebten Verbriefungsprogramme für Nachrangkapital aus dem Mittelstand. Dabei platzierten Banken nicht bestehende Kredite am Kapitalmarkt, sondern organisierten nur die Zwischenfinanzierung. Diese Genussrechte wurden von vornherein mit dem Ziel bewilligt, sie zu bündeln und zu verbriefen. Da diese Portfolios oft schlecht gestreut und relativ kleinvolumig waren, verloren diese Wertpapiere schon bei wenigen Firmenpleiten im Portfolio schnell an Bonität und bescherten Investoren Verluste.

Aus den Fehlern der Vergangenheit will der BdB lernen. Er schlägt die Gründung eines „Premiumsegments“ vor. „Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Qualität der zu verbriefenden Kredite“, heißt es in dem Papier. Nur Kredite, die sorgfältig geprüft sind und bei der die Bank bereit war, erst einmal selbst ins Risiko zu gehen, sollen dort in ein Verbriefungsportfolio. Für die ersten auftretenden Verluste in Höhe von bis zu fünf Prozent des verbrieften Portfolios wollen die Banken selbst einstehen. Das wird in der Europäischen Union erst Ende 2010 zur Pflicht.

Damit Verbriefungen wieder Käufer finden, braucht es auch eine bessere Informationspolitik gegenüber Investoren. „Auch für eine hohe Transparenz müssen die Banken sorgen – vor der Transaktion und auch im Nachhinein“, sagt Larabi. Die Banken selbst würden sich auch staatliche Schützenhilfe wünschen. Der BdB schlägt vor, dass der Staat sich beteiligt – indem er Teile der risikobehafteteren Tranchen aufkauft oder die Verluste mit den Investoren teilt. So ein Eingriff könnte dem Markt laut Matthias Hillmer, dem Abteilungsleiter Asset Securitisation der DZ Bank, wieder auf die Beine helfen. „Wie gut das funktionieren kann, zeigt das Beispiel des Covered Bond Marktes. Seit die Europäische Zentralbank angekündigt hat, dort Wertpapiere zu kaufen, läuft dieser Markt wieder.“

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