Finanzierung von Migrantenunternehmen
Onkel statt Sparkasse

Schon deutschen Unternehmern fällt es schwer, ihre Ideen finanziert zu bekommen. Für die 300 000 Unternehmen in Deutschland, die von Einwanderern gegründet wurden, ist die Lage noch komplizierter: Sie können meist keine Sicherheiten für Kredite vorweisen, und Sprachschwierigkeiten erschweren es, mit Banken zu verhandeln oder Fördermittel zu beantragen. Bei der Finanzierung sind Migrantenunternehmen oft auf die Familie angewiesen.

FRANKFURT. Für kleine Projekte gelingt meist eine Finanzierung ohne Bank. Doch wenn diese Unternehmen weiterkommen wollen, müssen sie sich trotz aller Schwierigkeiten an die gängigen Finanzierungsformen gewöhnen. Schätzungen zufolge setzen Unternehmer mit Migrationshintergrund in Deutschland etwa 44 Mrd. Euro um, die Hälfte davon entfällt auf türkische Unternehmen. „Migranten haben besondere Probleme, an Bankkredite zu kommen“, heißt es in einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). „Von nahezu allen Experten und Selbstständigen wird darauf hingewiesen, dass Banken die größte Hürde für Gründer mit Migrationshintergrund auf dem Weg in die Selbstständigkeit darstellen“, schreibt das Deutsche Institut für Urbanistik in der Studie „Von Tante Emma zu Onkel Ali“.

Etwa 80 Prozent der Unternehmen finanzieren sich daher aus Eigenmitteln und leihen sich das Gründungskapital von Familie und Freunden. Die Finanzkraft der Familien ist jedoch begrenzt. Große Investitionen, Expansionen und eine langfristige Liquiditätsplanung sind allein mit Eigenmitteln meist unmöglich.

Für Ibrahim Kus und Aslan Kizilhan, Geschäftsführer der Firma Finanzen, Immobilien, Projektplanung (FIP) in Bielefeld, kam es von Anfang an nicht in Frage, das Kapital in der Familie einzusammeln. „Viele erfolgreiche Vorzeigeunternehmen mit Migrationshintergrund haben zwar mit sozialem Kapital den Grundstein für ihren Erfolg gelegt. Aber soziales Kapital wird zum sozialen Sprengstoff, sobald das Geld nicht zurückgezahlt werden kann“, sagt Kus. „Dann wird die gesamte Familie in Mitleidenschaft gezogen.“

Die Experten, die Studien und die Betroffenen sind sich einig: Wer wie Kus und Kizilhan mit seinem Unternehmen weiterkommen will, darf nicht an der Familie als Finanzier hängen bleiben, sondern muss sich professionelle Geldgeber suchen.

Im Jahr 2001 hatten sich die kurdischen Unternehmer aus der zweiten Einwanderergeneration mit einer Internetplattform für Baudienstleistungen selbstständig gemacht. Dafür erhielten sie von der Volksbank Halle in Westfalen Startkapital in Höhe von 100 000 Euro – aber nur, weil sie ein Unternehmenskonzept, einen Finanzierungsplan und vor allem Sicherheiten vorweisen konnten. „Mein Vater hatte ein Haus in Deutschland erworben und konnte daher eine Bürgschaft unterschreiben“, erklärt Kus.

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