
HAMBURG. Tobias Bauckhage liebt gute Filme. Tausende Western, Thriller und Love-Storys hat der Cineast schon gesehen. Manchmal aber fühlt er sich eher wie der Dirigent der Berliner Philharmoniker: Der Geschäftsführer der Firma Moviepilot muss die Interessen von sieben Business Angels, einem strategischen Investor, zwei institutionellen Wagnisfinanzierern und einer öffentlichen Fördergesellschaft aufeinander abstimmen.
Jeder der elf Geldgeber hat seine eigene Motivation für das Investment in seiner Firma mitgebracht. "Aber jeder bringt auch seine Stärken ein", betont Bauckhage. "Und das ist wichtig für uns. Alle Solisten bei uns zusammen schaffen eine harmonische Symphonie." Knapp zwei Jahre nach ihrer Gründung beschäftigt die Internetfirma bereits 20 Mitarbeiter. Das Berliner Startup ist eine Erfolgsgeschichte. Ein Grund für den guten Klang sind die eingesetzten Finanzierungs-Instrumente.
Neben Tobias Bauckhage führt Jon Handschin bei Moviepilot den Taktstock. Beide sind Jahrgang 1975, beide studierten an der Berliner Humboldt-Universität Betriebswirtschaftslehre. Bauckhage verdiente sich seine beruflichen Sporen als Unternehmensberater bei The Boston Consulting Group, Handschin als Producer bei dem bekannten Filmproduzenten Nico Hofmann. 2004 kündigten die Freunde ihre Festanstellungen und gründeten die Filmproduktions- und Verleihfirma Jetfilm, im Juni 2007 dann Moviepilot.
Seit Anfang 2009 komplettiert Benjamin Krause (35) das Führungsteam. Er kümmert sich um die Technologie und Weiterentwicklung des Internetauftritts der jungen Firma, die unter www.moviepilot.de Filmempfehlungen gibt, die auf den individuellen Geschmack des Nutzers ausgerichtet sind. Außerdem bieten die Berliner auf ihren Seiten im Netz Informationen zu rund 40 000 Filmen und 120 000 Stars. Geld verdienen sie mit Werbung auf ihren Seiten und Provisionen, die sie beispielsweise für verkaufte DVDs erhalten.
Mit der Gründung von Moviepilot begann die Suche nach Kapitalgebern. "Wir brauchten aber nicht nur Geld, sondern vor allem Helfer, die mit uns an einem Strang ziehen, Türen öffnen, Kontakte herstellen", betont Bauckhage. Kaum war der Prototyp für die Internetseite fertig, standen Freunde und Bekannte vor der Tür, die sich mit Summen zwischen 10 000 und 100 000 Euro beteiligen wollten. Sieben von ihnen wurden hereingelassen, knapp fünf Prozent der Firmenanteile dafür herausgegeben. "Das war unsere Grundfinanzierung", erklärt Handschin.
Unter den Geldgebern der ersten Stunde: Stefan Glänzer, 1998 Mitgründer des Hamburger Online-Auktionshauses Ricardo, später Finanzier des Musikdienstes LastFM, der 2007 von CBS für 280 Mio. US-Dollar gekauft wurde. Glänzer brachte bei Moviepilot vor allem seine Erfahrungen ein. "Er riet uns beispielsweise, unsere Internet-Seite stärker auf Google auszurichten", erinnert sich Handschin. "Business Angels wie Glänzer sind wichtig für ein Start-up, weil sie eine Unternehmer-Brille aufhaben." Ein "Engel" half bei der Vertragsgestaltung, ein zweiter in steuerlichen Fragen, ein dritter brachte der Firma weitere Finanziers.
Im Mai 2007 suchten die Entrepreneure nach einer Early-Stage-Finanzierungsgesellschaft, die schon einmal in eine Internet-Company investiert hatte. Unter einer Handvoll interessierter Wagnisfinanzierer wählten die Movie-Piloten die Stuttgarter Grazia Equity aus, "weil die unternehmerisch denken, international gut vernetzt sind und wir schnell ein gutes Vertrauensverhältnis hatten", sagt Bauckhage.
In der ersten Gesellschafterversammlung saßen neben den Gründern nun acht Externe. "Die Anteile der sieben Business Angels liegen aber in einem Pool. Das macht Abstimmungen einfacher", erläutert Handschin. "Außerdem hält sich der administrative Aufwand in Grenzen, der einem Start-up leicht die Luft abschnüren kann." Das blieb auch trotz der Finanzspritze in Höhe von 300 000 Euro durch die Filmförderung Media und nach der letzten Finanzierungsrunde so, in der Moviepilot die IBB Beteiligungsgesellschaft und T-Venture ins Boot holte, "um das Entwickler-Team schneller aufbauen und Marketingmaßnahmen finanzieren zu können", wie Bauckhage sagt.
IBB erleichtert Moviepilot außerdem den Zugang zu weiteren kreativen Köpfen in Berlin, T-Venture festigt die Position beim Großkunden T-Online, für dessen Portal die Film- und Internetexperten Inhalte liefern. "So ein strategischer Investor ist wie ein Turbo, mit dem die Expansion beschleunigt wird", sagt Bauckhage. Die Gründer halten noch knapp 50 Prozent an ihrem "Baby", die VC-Gesellschaften rund 45 Prozent, aber die Zahl der User ist von 150 000 im Jahr 2007 auf 1,2 Mio. Ende Oktober 2009 gestiegen. "Aus unserem Cashflow hätten wir dieses Wachstum nicht hinbekommen", konstatiert Bauckhage. Und wie hält er sein Investoren-Team im Zaum? "Durch ein sehr gutes Vertragswerk, aus dem niemand einfach ausbrechen kann. Und durch Transparenz und Vertrauen. Das ist das A und O. Damit kann man auch aus unterschiedlichen Musikern ein wohlklingendes Ganzes schaffen."