Finanzierungshilfen
Deutsche Maschinenbauer stützen russische Kunden

Nach zwei sehr guten Jahren erwarten die rund 130 deutschen Hersteller von Bergbaumaschinen eine Wachstumsdelle. Der Umsatz der Branche wird in diesem Jahr voraussichtlich um elf Prozent auf rund drei Mrd. Euro sinken. Besonders zu spüren bekommen sie die Auftragsstornierungen aus Osteuropa - und prüfen deshalb Finanzierungshilfen.

ESSEN. Zutiefst betrübt sind die Hersteller von Bergbaumaschinen nicht: "Nach einem Plus von jeweils 18 Prozent in den beiden vorangegangenen Jahren können wir diesen Rückgang verkraften", sagte Peter Jochums, Vorsitzender des Fachverbandes Bergbaumaschinen im VDMA. "Das Jahr 2007 war das beste in unserer Geschichte." Für 2009 erwartet die Branche dann wieder ein Umsatzplus von etwa zehn Prozent.

Allerdings spürt die Branche erste Auswirkungen der Finanz- und Konjunkturkrise und ist deshalb unsicher, wie sich die nächsten Jahre entwickeln werden. "Es gab einige Auftragsstornierungen oder Verschiebungen insbesondere aus dem osteuropäischen Raum, die nach unserer Einschätzung auf die Krise zurückzuführen sind", sagte Jochums. "Von massiven Einbrüchen wie in anderen Wirtschaftszweigen sind wir aber bisher verschont geblieben."

Die Hersteller versuchen, Kunden aus Osteuropa über verstärkte Nutzung von Hermes-Instrumenten oder der Finanzierung über deutsche Banken entgegenzukommen. Dies bestätigt Paul Rheinländer, Geschäftsführer der Bochumer Gebr. Eickhoff Maschinenfabrik u. Eisengießerei. "Wir sind in Gesprächen mit russischen Bergbaugesellschaften, weil der Kapitalverkehr dort zum Erliegen gekommen ist. Wir versuchen, ihnen Kredite zu verschaffen."

Zusätzlich hat der dramatische Verfall der Rohstoffpreise in den letzten Monaten dazu geführt, dass einzelne Kunden Investitionsprojekte zurückstellen. "Bisher halten sich die Auswirkungen aber noch im Rahmen", sagte Jochums. Zurzeit sind die Auftragsbücher der deutschen Hersteller noch sehr gut gefüllt. Im Durchschnitt reichen die Bestellungen für sechs bis acht Monate. Die Durchlaufzeit für Großprojekte kann bis zu zwei Jahren betragen.

Deutschland ist für die Branche immer noch der größte Markt, doch der Bergbau in Deutschland schrumpft. Deshalb hat die Branche das Auslandsgeschäft gestärkt, das bereits 87 Prozent zum Umsatz beiträgt. Doch gerade in den großen Exportmärkten Russland, China und den USA rechnen die Bergbaumaschinen-Hersteller in den nächsten Jahren mit Rückgang oder Stagnation. Dafür läuft das Exportgeschäft in Ländern wie Indien, Australien oder Mexiko weiter gut, da hier neue Erzvorkommen erschlossen werden.

China hat sich für die deutschen Hersteller zu einem wichtigen Konkurrenten auf dem Weltmarkt entwickelt. Nicht nur weil "gnadenlos abgekupfert" werde, sondern die Bergbaumaschinen auch weiterentwickelt würden, sagte Jochums. China hat die Exporte nach Angaben des Verbandes zwischen 2005 und 2007 auf 1,8 Mrd. Euro verdoppelt.

Um Aktivitäten neben dem Bergbau zu fördern, hat sich zum Beispiel der Hersteller Eickhoff aus Bochum in der Windkraft ein zusätzliches Standbein gesucht. Bei dem 1864 gegründeten Familienbetrieb kommen vom Gesamtumsatz von 270 Mio. Euro nur noch rund 110 Mio. Euro aus dem Verkauf von Bergbaumaschinen, darunter 150 Tonnen schwere Walzenschremmlader, die in den Stollen Kohle fördern.

Seit Mitte der neunziger Jahre stellt Eickhoff auch Getriebe für Windkraftanlagen her und erzielt damit nach Aussage von Geschäftsführer Paul Rheinländer bereits einen Umsatz von 100 Mio. Euro. "Wir haben aus der Bergbautechnik große Erfahrung mit Getrieben", erläutert Rheinländer.

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