Finanzierungsprobleme
Die Hausbank hilft beim Investieren

In Zeiten der Wirtschaftskrise ist auch für viele Mittelständler die Finanzierung neuer Projekte zum Problem geworden. Unternehmen, die jedoch konstant an einem engen Verhältnis zu ihrer Hausbank gearbeitet haben, leiden deutlich weniger.



DÜSSELDORF. Geld gibt es in Unkel am Rhein noch genug. Hier hat die Firma von Eckhard Bluhm ihren Sitz. Während es anderen Unternehmen zunehmend schwer fällt, Kredite für neue Projekte zu bekommen, hat Bluhm Systeme damit keine Schwierigkeiten. Der Hersteller von Codier- und Etikettiersystemen braucht für seine Investitionen keine Banken. Das Unternehmen leiht sich das Geld von seinen Mitarbeitern.

Rund 400 Angestellte hat Eckhard Blumhs Firma. Sie erhalten jedes Jahr einen Teil des Unternehmensgewinns als Mitarbeiterguthaben. Das bekommen sie nicht sofort ausgezahlt - mindestens zehn Jahre lang bleibt das Geld im Unternehmen. Dafür erhalten die Mitarbeiter durchschnittlich 5,5 Prozent Zinsen jährlich. Und das Unternehmen kann mit dem Geld notwendige Investitionen beispielsweise in neue Maschinen tätigen. 750 000 Euro kommen auf diese Weise jedes Jahr in den Topf, der die Liquidität des Unternehmens sichert. Vor 28 Jahren hat sich Eckhard Bluhm dieses Mitarbeiterbeteilungsmodell ausgedacht. Heute erspart es ihm viele schlaflose Nächte.



Im Gegensatz zu seinem Unternehmen ist für viele andere Mittelständler die Finanzierung neuer Projekte zum Problem geworden. Die Experten der großen Wirtschaftsverbände sprechen zwar noch nicht von einer generellen Kreditklemme, "wir vernehmen im Moment aber ein zunehmendes Grummeln im Mittelstand", sagt Arndt Kirchhoff, Vorsitzender des BDI-Mittelstandsausschusses. Das Münchner Ifo-Institut fasst dieses Grummeln in alarmierenden Zahlen zusammen: 42,5 Prozent der befragten Firmen des verarbeiteten Gewerbes gaben im Februar an, dass Kredite nur noch eingeschränkt vergeben würden. Massive Folgen hat das vor allem für große Unternehmen - sie trifft die Kreditklemme laut Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn bereits in vollem Umfang. Unter den kleineren Firmen klagen erst 36,6 Prozent darüber, schwieriger an Geld zu kommen. Bei den mittelgroßen sind es 41,9 Prozent.

Sascha Haghani, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und Experte für Finanzierungsfragen, kennt den Unmut vieler Mittelständler über das Verhalten der Banken. Er wundert sich darüber nicht, denn lange Zeit sei der Mittelstand vom Finanzsektor geradezu verwöhnt worden. "Bis 2006 wurden die Firmen mit Liquidität überschüttet", so Haghani. Dort wo die Banken nein sagten, kamen andere Geldgeber und sagten ja. Mit modernen Produkten wie zum Beispiel Mezzanine-Kapital wurden Finanzierungslöcher gestopft. Außerdem drängten ausländische Banken verstärkt auf dem deutschen Markt und buhlten mit ausgezeichneten Konditionen um die kleinen und mittelgroßen Unternehmen.

Als die Finanzkrise aufzog, änderte sich die Situation schlagartig. "Die ausländischen Banken haben sich wieder in ihre Heimatmärkte zurückgezogen. Viele Anbieter von Factoring- oder Mezzanine-Produkten sind verschwunden. Auch die Landesbanken besinnen sich wieder auf ihre Kernregionen", sagt Haghani. Expertenschätzungen zufolge sind allein 15 Prozent der deutschen Unternehmen davon betroffen, dass ausländische Institute hierzulande so gut wie keine Kredite mehr vergeben.

Unternehmen, die konstant an einem engen Verhältnis zur Hausbank gearbeitet haben, leiden hingegen deutlich weniger, hat Roland-Berger-Berater Haghani beobachtet. Als solche Hausbanken wollen sich Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken und die Commerzbank jetzt profilieren. Allein die Commerzbank hat das Volumen ihrer Kredite an mittelständische Unternehmen im vergangenen Jahr um elf Prozent auf 46,5 Milliarden Euro gesteigert. "Weitere 2,5 Milliarden Euro stehen bereit", sagt Jochen Ihler, der bei der Commerzbank als Bereichsvorstand für den Mittelstand zuständig ist.

Doch die Rückkehr zur Hausbank fällt vielen Unternehmern schwer. Das Vertrauen müsse neu aufgebaut werden, sagt Haghani. Dazu sieht er aber kaum eine Alternative. "Man kann in dieser Situation nur raten, sich wieder an die Hausbank zu halten", sagt er.

Aber auch die Banken selbst könnten nicht alle Kunden wieder aufnehmen. Bernd Papenstein, der sich bei dem Beratungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers (PwC) um Mittelstandsfinanzierung kümmert, beobachtet vor allem dort Schwierigkeiten, wo ein alter Kreditgeber abspringt. Die Sparkassen und die Banken, die derzeit noch den Mittelstand stützen, wollen nicht alle frei werdenden Kreditlinien übernehmen. "Mittlerweile ist es auch für gesunde Unternehmen schwierig, in solchen Situationen die Finanzierung zu sichern", sagt Papenstein. "Es sind eigentlich nur noch die Unternehmen mit einer festen Beziehung zu ihrer Hausbank, die keine Probleme haben." Die Hoffnung liegt aus seiner Sicht vor allem im KfW-Sonderprogramm, das im Rahmen des zweiten Konjunkturpaketes der Bundesregierung eingerichtet wurde. Mit einem Volumen von 40 Mrd. Euro soll das Programm die schwierigen Anschlussfinanzierungen sichern. Dabei sollen die Banken nur noch für rund die Hälfte der Kredite selbst haften müssen. Das bedeutet: Die KfW übernimmt einen Teil des Risikos. "Viele Banken wollen kein Risiko mehr allein übernehmen", sagt Papenstein. "Wenn sie Geld geben, dann suchen sie einen Partner."

Gehen sie doch ein Risiko ein, dann lassen sie sich dieses auch gut bezahlen. Trotz der Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank, bleiben die Kreditzinsen für den Mittelstand hoch. "Viele Investitionen lohnen sich so einfach nicht mehr", sagt Haghani. Er kann den strengen Prüfungen der Banken aber auch eine gute Seite abgewinnen: "Das ist für die Pläne der Mittelständler ein guter Test. Es kann auch fatale Folgen haben, in der Krise zu offensiv zu investieren."

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