Finanzinvestoren: Boom im Beteiligungsmarkt

Finanzinvestoren
Boom im Beteiligungsmarkt

Das Transaktionsvolumen im europäischen Beteiligungsmarkt hat im Jahr 2005 erstmals die Marke von 100 Mrd. Euro überschritten. Haupttreiber für die Entwicklung der Branche in Deutschland sind laut einer Umfrage vor allem Mittelstandsunternehmen.

FRANKFURT. Das Transaktionsvolumen im europäischen Beteiligungsmarkt hat im Jahr 2005 erstmals die Marke von 100 Mrd. Euro überschritten. Laut einer Studie von Incisive Media und der Beteiligungsgesellschaft Bridgepoint nahmen die Investitionen im europäischen Private-Equity-Markt im vergangenen Jahr um 43 Prozent auf 116,5 Mrd. Euro zu. Dabei belegte Deutschland den dritten Rang hinter Großbritannien und Frankreich. Zwar stieg die Zahl der Deals hier zu Lande um zehn auf 76 Transaktionen, der Wert der Übernahmen und Herauskäufe von Konzernteilen fiel dagegen mangels sehr großer Mega-Deals auf 13,9 Mrd. von 21,1 Mrd. Euro.

Haupttreiber für die Entwicklung der Branche in Deutschland sind laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG nicht die ganz großen Transaktionen, sondern vor allem Mittelstandsunternehmen und kleinere Übernahmen bis 150 Mill. Euro. Künftig stünden Unternehmen der Dienstleistungs-, Gesundheits- und Logistikbranche stärker im Fokus der Finanzinvestoren. Bridgepoint-Geschäftsführer Anthony Bunker rechnet damit, dass sich die Familienunternehmen weiter für Beteiligungskapital öffnen. Stephan Krümmer, Deutschland-Chef der Beteiligungsgesellschaft 3i, erwartet im mittleren Marktsegment zwischen 25 Mill. und 500 Mill. Euro ca. 40 bis 50 Transaktionen im laufenden Jahr. Private-Equity-Häuser sammeln Geld von institutionellen Investoren und kaufen damit Unternehmen, die dann für einige Jahre restrukturiert werden. Durch den Weiterverkauf zu einem höheren Preis werden zweistellige Renditen angestrebt.

Die boomende Beteiligungsbranche muss seit dem vergangenen Jahr mit dem Ruf von „Heuschrecken“ leben. „Das Ansehen Deutschlands hat durch die feindliche Berichterstattung einen Schaden erlitten“, klagte gestern Thomas Pütter vom Branchenverband BVK in Frankfurt. Ursprünglich habe er erwartet, dass die Heuschrecken-Diskussion nur Polemik zum Landtagswahlkampf in Nordrhein-Westfalen gewesen sei. Entgegen seiner Erwartung halte sich der Vergleich aber bis in die jüngste Zeit.

Der heutige Vizekanzler Franz Müntefering hatte Finanzinvestoren mit Heuschrecken verglichen, die über Firmen herfielen, sie abgrasten und dann weiterzögen. Zur Eröffnung der weltweit wichtigsten Konferenz der Finanzinvestoren – der „Super-Return 2006“ – verwies Pütter auf die wachsende Bedeutung der Branche für den Arbeitsmarkt in Europa, wo mittlerweile sechs Millionen Beschäftigte von den Finanzinvestoren abhängig seien.

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