Finanzinvestoren helfen bei Nachfolge
Zweiter Anlauf

Diskussion um Heuschrecken? Unternehmer, die an nichts anderes denken als ihren Profit? Das war einmal. Der Mittelstand entdeckt die geschmähten Finanzinvestoren als verlässliche Partner bei der Unternehmensnachfolge.

Joachim Czech sollte sich glücklich schätzen. Er hat fünf Söhne - und damit eigentlich kein Problem, den Betrieb auch in der nächsten Generation als Familienunternehmen weiterzuführen. Doch der 72-jährige Czech hat sein Unternehmen, die Czewo Full Filling Service mit Hauptsitz in Neutraubling bei Regensburg, trotzdem verkauft - an einen Finanzinvestor: Mitte vergangenen Jahres übernahm Argantis, ein von den Banken IKB und Sal. Oppenheim gesponserter Mittelstandsfonds, komplett den Dienstleister mit Schwerpunkt in der Kosmetikindustrie.

Dabei arbeiten einige Czech-Söhne sogar selbst als Unternehmer. Nur gründeten sie eigene Firmen, statt den Betrieb des Vaters zu übernehmen. Für Czech, der sein ganzes Leben dem Wohl des eigenen Unternehmens gewidmet hatte, war die Verkaufsentscheidung nicht einfach. Doch rückblickend hält er sie immer noch für richtig: "Denn wie teilt man ein Unternehmen gerecht unter fünf Kindern auf?" Mit dem Geld, das er für den Verkauf einstrich, ist das einfacher. "So kann ich meine Kinder nun bei ihren Aktivitäten unterstützen", sagt der Senior.

Auch Käufer Fritz Graf von der Schulenburg, Geschäftsführer von Argantis, ist mit dem Erwerb zufrieden: "Czewo hat sich weit besser entwickelt, als wir es erwarten konnten." Dazu dürfte auch beigetragen haben, dass Czech mit seiner Erfahrung nicht von einem Tag auf den anderen aus dem Unternehmen ausschied. Er ist weiterhin Beiratsvorsitzender von Czewo und arbeitet als Berater des Unternehmens. "Je nachdem, wie viel Spielraum mir meine Hobbys und meine 15 Enkelkinder lassen, verbringe ich zwischen 10 und 30 Prozent meiner Zeit im Unternehmen", sagt Czech.

Durch dieses ganz besondere Kooperationsmodell wurde für Czech möglich, was sich viele Unternehmer wünschen: Nicht von einem Tag auf den anderen aus ihrem Unternehmen ausscheiden, sondern möglichst stufenlos den Einsatz zurückfahren. Das Beispiel zeigt, wie sich Mittelstand und Finanzinvestoren in Deutschland allmählich näherkommen. Schreckten viele Unternehmer bislang davor zurück, ihr Lebenswerk in die Hände eines Finanzinvestors zu geben, sind sie dazu nun immer häufiger bereit.

Auch, weil Investoren an solche Beteiligungen heute anders herangehen. Statt mit standardisierten Übernahmemodellen kommen sie nun oft mit flexiblen Konzepten direkt auf die Unternehmer zu. Ob Mehrheits-, Minderheits- oder Komplettverkauf: Für fast jeden Unternehmerwunsch steht inzwischen der passende Finanzinvestor bereit. Das zeigt sich in der Statistik. Übernahmen Finanzinvestoren vor drei Jahren in Deutschland erst zehn Unternehmen aus Familienhand, waren es im vergangenen Jahr bereits 32.

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