Finanzinvestoren
Übernahmen bringen Zuckerbrot und Peitsche

Wenn Finanzinvestoren darauf angesprochen werden, wie sie bei Übernahmen das Management motivieren können, greifen sie gerne auf eine historische Anekdote über Furcht und Belohung zurück. Im Klartext: „Strafen“ zahlt sich manchmal mehr aus.

FRANKFURT. So soll Rachman IV., Kalif von Cordoba, um 950 n. Chr. gegen gelehrte Freunde auf die Macht der Belohnung gewettet haben. Zwei gleich starke Läufer starteten, dem einem winkte eine stattliche Belohnung, dem anderen war ein aggressiver schwarzer Hund auf den Fersen. Das Ergebnis war nach etlichen Wiederholungen immer gleich: Furcht treibt mehr an als Belohnung, der Kalif verlor.

Übertragen auf Management Buyouts (MBO) bei mittelständischen Firmen heißt das, dass die Private-Equity-Häuser bei einer Übernahme mit Rückgriff auf das vorhandene Management nicht nur auf Belohnungen setzen, sondern auch auf „Strafen“. Beide Strategien zielen darauf ab, das vorhandene Management bei der Stange zu halten. „Finanzinvestoren sind in der Regel auf das vorhandene Management angewiesen. Wenn drei von fünf Führungskräften von Bord gehen, ist der Erfolg des übernommenen Unternehmens gefährdet“, sagt Hermann Schlindwein, Partner bei der internationalen Anwaltskanzlei Ashurst.

Ein Problem bei Übernahmen durch die „Heuschrecken“ sind aus Sicht der Finanzinvestoren und auch der Banken die Garantien des Managements. Diese können sich etwa darauf beziehen, dass es keine illegalen Vorgänge im Unternehmen gegeben hat oder dass die Angaben für die wirtschaftliche Detailprüfung („due diligence") richtig sind. Aber Verträge sind eine Sache, ihre Einhaltung eine andere. Deshalb sehen es Finanzinvestoren gerne, wenn sich das Management mit eigenem Geld beteiligt. „Ein Manager sichert sich beispielsweise mit 250 000 Euro einen Anteil von einem Prozent am Unternehmen, als Faustregel gelten rund ein bis zwei Jahresgehälter. In der Regel gehen fünf bis zehn Prozent der Anteile an das gesamte Management“, erläutert Beteiligungsexperte Schlindwein.

Hauptanreiz: „sweet equity“

Ein Hauptanreiz für eine Beteiligung der Ex-Manager ist so genanntes „sweet equity“: Während der Finanzinvestor für einen Anteil zum Beispiel eine Million Euro hinlegt, zahlt der Manager hier nur 100 000 Euro. Die Grundidee ist dabei, dass alle Manager bis zum Exit helfen, den Wert des Unternehmens zu steigern. Exit bezeichnet in der Beteiligungsbranche entweder einen Börsengang oder den Verkauf an einen industriellen Erwerber.

Management Buyouts (MBO) unter Führung von Finanzinvestoren kommen zunehmend auch im deutschen Mittelstand vor. Ein Grund sind die enormen Mittelzuflüsse der Beteiligungsfonds, die einen hohen Anlagedruck erzeugen. Auf der anderen Seite schwinden die Vorurteile der Firmeninhaber gegenüber den Heuschrecken. MBO finden in allen Branchen statt, sie reichen vom Caterer Hofmann-Menü-Manufaktur bis zur Werbeagentur Scholz & Friends.

Wichtig ist auch, dass die Führungskräfte über die Haltedauer von üblicherweise vier bis sieben Jahren nicht vorzeitig aussteigen. Hier werden drastische Sanktionen in die Verträge geschrieben. Die Branche unterscheidet den „good leaver“, der bis zum Ausstieg des Finanzinvestors an Bord bleibt, vom „bad leaver“, der beispielsweise schon nach zwei Jahren aussteigen will. „Ein ‚good leaver' bekommt sein eingezahltes Kapital zum Marktwert, mindestens aber sein eingesetztes Kapital plus Zinsen zurück. Der „bad-leaver“ bekommt nur den niedrigeren der beiden Werte“, erklärt Schlindwein. Wer nicht durchhält, verliert also eine Menge Geld.

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