Finanzkrise
Den Mittelstand trifft es besonders hart

Die Kreditkrise zieht Kreise. Nicht nur Banken, Unternehmen aller Branchen zittern. Vor allem im Mittelstand. Wer ist am stärksten bedroht?
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Wenn Frieder Löhrer über seine Branche spricht, wird er nachdenklich. Der Vorstandschef des Nobel-Herstellers Rolf Benz aus Nagold erinnert an den Aufschwung der Möbelindustrie nach der Wiedervereinigung, den anschließenden Zusammenbruch, den ein Drittel der Möbler nicht überlebte, und an die kurze Erholung im vergangenen Jahr, als die Leute plötzlich wieder kauften, um der Erhöhung der Mehrwertsteuer zuvorzukommen. Für dieses Jahr erwartet Löhrer wenig Gutes: "Verluste, Liquiditätskrise, Insolvenzen. Dazu kommt der katastrophale Imageschaden durch verbrecherische Konkurse wie im Falle Schieder."

Jetzt kommt nicht nur auf seine Branche eine weitere Prüfung zu: Die Ausläufer der US-Hypothekenkrise erreichen Deutschland. Bei den Banken steigt die Angst vor faulen Krediten. Noch sei davon in den Unternehmen zwar nichts zu spüren, sagt Löhrer, "vielleicht auch, weil die Banken erst einmal überrascht sind". Doch schon warnen Experten vor einer Kreditklemme für den deutschen Mittelstand, wenn die Banken die Richtlinien für ihre Darlehen weiter verschärfen.

Dabei wird sich die deutsche Wirtschaft noch stärker zu einer Zweiklassengesellschaft des Geldes entwickeln. Hart treffen wird es die Vielzahl der Unternehmen mit niedriger Eigenkapitalquote, die ohnehin seit Jahren um ihre Finanzierung bangen müssen. In der Möbelbranche, der Bauindustrie oder im Transportgewerbe liegt die Eigenkapitalquote unter zehn Prozent.

Auf der anderen Seite können die solide finanzierten Unternehmen, vor allem die Brummer der deutschen Wirtschaft wie Henkel, Continental oder die starken Familienbetriebe des Maschinenbaus, von der Krise sogar profitieren. Ihnen werden die Banken die Kredite auf der Suche nach guten Risiken fast nachwerfen.

Die großen Konzerne schwimmen daher im Geld. "Für unsere Innenfinanzierung sehe ich keine großen Auswirkungen, weil wir derzeit über viel Liquidität verfügen und nicht unbedingt Geld aufnehmen müssen", sagt VW-Konzernchef Martin Winterkorn. "Kritischer ist es mit den geleasten Fahrzeugen, wo die Banken und auch wir in Vorleistung gehen. Das könnte in den USA auch für uns ein Thema werden, auch wenn wir bisher noch keine Anzeichen dafür haben." Eine Abschwächung des Konsumklimas in den USA sei "gut möglich"; sagt Winterkorn. Aber "wir verkaufen derzeit – leider – noch zu wenig Autos in den USA, als dass wir das groß spüren würden".

Künftige Probleme bei der Geldbeschaffung sieht auch Continental-Finanzvorstand Alan Hippe in erster Linie bei Unternehmen, deren Finanzdecke bereits dünn ist: "Gute Bonitäten sind weiterhin gesucht." Conti hat ohnehin vorgesorgt: "Unsere Finanzierung für die Übernahme von Siemens VDO ist vertraglich fest vereinbart", sagt Hippe. Dennoch könne die Finanzierung für den Konzern teurer werden, "aber nur wenn das unterliegende Zinsniveau steigt, also wenn etwa die Europäische Zentralbank die Leitzinsen erhöht".

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