Finanzmanagement
Die Bank im Unternehmen

In großen Konzernen gleichen Finanzabteilungen oft einer kleinen Bank. Sie bündeln und sichern das Vermögen des Konzerns und verteilen es möglichst ertragreich im Unternehmen. Modernes Treasury Management ist aber auch für viele Mittelständler von entscheidender Bedeutung. Wie Unternehmer ihre Liquidität effizient einsetzen.

KÖLN. Seit Timo Kraus vor drei Jahren als Leiter des Rechnungswesens und Prokurist bei der Dillinger Fabrik gelochter Bleche GmbH einstieg, hat er eine Mission: Mehr Liquidität und damit mehr finanzielle Sicherheit für die mittelständische Unternehmensgruppe im saarländischen Dillingen. Zusammen mit ihren Tochter- und Schwestergesellschaften beschäftigt das Unternehmen mehr als 300 Mitarbeiter und liefert Lochblech-Produkte auf direktem Wege oder über ausländische Partner in mehr als 20 europäische und außereuropäische Länder. Da kann man leicht einmal den Überblick über Vorräte, Forderungen und Kreditkosten verlieren.

"In der Vergangenheit war unsere Liquiditätsplanung allenfalls auf ein, zwei Wochen in die Zukunft orientiert, und jede einzelne Niederlassung unserer Unternehmensgruppe wurde in der Finanzplanung als Einzelunternehmen betrachtet", erinnert sich Kraus. Dass die uneinheitliche und kurzfristig orientierte Finanzplanung enorme Risiken barg, wurde dem neuen Chefbuchhalter schnell klar. "Unser Unternehmen arbeitet extrem materialintensiv: Wir benötigen laufend genug flüssige Mittel, um den Materialeinkauf für unsere Aufträge vorzufinanzieren", berichtet Kraus. "Diese liquiden Mittel sind aber überall im Unternehmen gebunden: Im Vertrieb, der Fertigung, dem Einkauf, der Materialwirtschaft der jeweiligen Standorte. Wir brauchten dringend ein einheitliches und zentrales Managementsystem, das all diese Faktoren einbezieht."

Im Fachjargon der Finanzexperten werden solche zentralen Finanzmanagementsysteme als Treasury Management bezeichnet. Der Begriff Treasury leitet sich nicht ohne Grund vom englischen Begriff für Schatzkammer ab: In großen Konzernen sind die Treasury-Abteilungen oft wie kleine unternehmensinterne Banken organisiert: Sie bündeln und sichern das Vermögen der Konzerne und verteilen es möglichst ertragreich wieder im Unternehmen.

Eine aktuelle Umfrage der Fachzeitschrift "Der Treasurer" unter führenden Finanzverantwortlichen zeigt, dass Treasury-Abteilungen in der Wirtschaftskrise immer wichtiger werden: Großunternehmen machen die Sicherung der Finanzierung zur Chefsache und setzen auf ein zentrales Risikomanagement.

Doch auch für Mittelständler gewinnt das Management von Finanzrisiken an Bedeutung. "Erst ab einer gewissen Unternehmensgröße werden bestimmte Strukturen im Unternehmen als Treasury bezeichnet, aber die mit diesem Begriff bezeichneten Aufgaben gibt es in jedem Unternehmen, gleich welcher Größe", sagt Mario Bruns, Corporate-Treasury-Experte bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO in Bonn. Denn Treasury Management zielt letztlich auf nichts anderes als die Optimierung der Liquiditätssituation eines Unternehmens - einschließlich der Minimierung aller Risiken, die die Liquidität bedrohen könnten, von Zinsrisiken über Währungsrisiken bis hin zu Risiken, die beim Einkauf an den Rohstoffmärkten drohen.

Gerade deutsche Mittelständler, die zunehmend international aufgestellt sind und mit Kunden und Lieferanten in der ganzen Welt zusammenarbeiten, haben diese Risiken in den vergangenen Jahren am eigenen Leib zu spüren bekommen und mussten erleben, dass die immer rasanter ablaufenden internationalen Marktentwicklungen ihre Finanzpläne hinwegfegten.

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