Finanzplatz-Initiative plant vergleichbare Ratings und will Gelder schneller auszahlen
Banken wollen Kreditvergabe erleichtern

Private Großbanken haben sich mit Vertretern des Genossenschafts- und Sparkassenlagers darauf geeinigt, die Kreditvergabe an kleine und mittlere Firmen zu erleichtern. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der „Initiative Finanzstandort Deutschland“ (IFD). Obwohl Experten von einem „Durchbruch“ sprachen, bleiben viele mittelständische Unternehmer skeptisch.

dih/hjk/ost FRANKFURT/M./DÜSSELDORF. Die Details der Übereinkunft wollen der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, Finanzminister Hans Eichel (SPD) und Bundesbank-Präsident Ernst Welteke am kommenden Dienstag in Frankfurt bekannt geben. Nach Informationen des Handelsblatts haben sich die in der IFD vertretenen Politiker und Banker unter anderem darauf geeinigt, kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zum klassischen Fremdkapitalkredit zu erleichtern und die Vergabe zu beschleunigen. Das soll künftig durch ein standardisiertes Verfahren nach dem Vorbild von Verbraucherkrediten ermöglicht werden.

Fachleute sehen in der Standardisierung eine Vorstufe für den Aufbau regelrechter Kreditfabriken. Dort würden Arbeitsabläufe wie etwa die Durchleuchtung des Kreditnehmers rationalisiert. Außerdem würde die spätere Verbriefung der einzelnen Kredite in gebündelten Großkrediten organisiert, die dann auf dem Kapitalmarkt gehandelt werden können und die Bankbilanzen entlasten. Das mache das Kreditgeschäft für die Banken wieder attraktiv, sagte ein Insider dem Handelsblatt. „Damit können wir die Kreditklemme, unter der vor allem die Firmen mit weniger guter Bonität leiden, beenden.“

Tatsächlich beklagen nach einer Umfrage der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger Unternehmer fast zwei Drittel aller deutschen Mittelständler, dass es für sie seit dem Jahr 2000 immer schwieriger geworden sei, Kredite zu erhalten. Gerade die privaten Großbanken haben in den vergangenen Jahren kleine und mittlere Unternehmer verprellt. Nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen stecken viele Unternehmen seit dem zweiten Halbjahr 2002 in der Kreditklemme. „Davon ist der Mittelstand besonders stark betroffen“, sagt RWI-Konjunkturexperte Torsten Schmidt.

Um die Wirtschaft aus der Klemme zu befreien, soll nach den IFD-Plänen auch die Geheimniskrämerei um die bankinternen Ratings beendet werden, mit denen die Institute ihre Kunden in verschiedene Bonitätsklassen einordnen. Danach verpflichten sich die Banken und Sparkassen, die Ratings künftig „bilateral“ zwischen den Geldhäusern offen zu legen. Das erhöht die Transparenz für Banken und Kreditnehmer. Außerdem sollen die Ratings anhand vergleichbarer Kriterien auf einer Skala abgebildet werden – vergleichbar etwa mit den verschiedenen Konfektionsgrößen der Bekleidungsfirmen in Europa. Damit würde die Kritik vieler Mittelständler, „jede Bank will von uns etwas anderes“, hinfällig.

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