Finetrading
Vorschuss vom Zwischenhändler

Mit einer neuen Art der Finanzierung können etliche Mittelständler ihre Rechnungen auch in der Krise schnell begleichen. Ein so genannter Finetrader fungiert als Zwischenhändler für Kunde und Lieferant und ermöglicht den Unternehmen so eine schnelle Zahlung, ohne die eigene Liquidität zu gefährden.

KÖLN. Noch vor wenigen Jahren benötigte die Schnell Zündstrahlmotoren AG & Co. KG aus Amtszell im Allgäu mehrere Wochen, um die Rechnung eines Lieferanten zu zahlen. Heute begleicht das Unternehmen die offenen Forderungen innerhalb weniger Tage. Und kassiert das vereinbarte Skonto. Schnell bedient sich eines neuen, Finanzierungsmodells. Man betreibt Finetrading, auch Reverse-Factoring genannt. Auf diesem Weg können Unternehmen schnell zahlen, ohne die eigene Liquidität zu gefährden.

Die neue Form der Wareneinkaufsfinanzierung bieten viele Kreditfinanzierer in Deutschland an. Das Prinzip gleicht dem des Factorings: Dabei kauft ein Dienstleister, der so genannte Factorer, die Forderungen seines Kunden gegen dessen Abnehmer. Als Gegenleistung zahlt der Factorer an den Factoring-Kunden sofort den Kaufpreis der Forderung.

Dieser Betrag entspricht dem der Forderung abzüglich eines Anteils für die schnelle Zahlung. Beim Reverse-Factoring oder Finetrading ist es spiegelverkehrt. Der Finetrader fungiert als Zwischenhändler für Kunde und Lieferant.

Der Finetrader vergibt an den Kunden ein Limit und berechnet dafür eine Stundungsgebühr. Diese vereinbart der Dienstleiter individuell und zieht dabei die Kreditwürdigkeit und das geplante Bestellvolumen des Kunden als Grundlage heran. Die Sätze variieren zwischen 0,5 und 1,75 Prozent im Monat. Bekommt der Kunde auf fristgerecht bezahlte Ware ein Skonto von zwei oder drei Prozent, ist der erste Monat damit auf jeden Fall abgegolten.

Im Fall der Schnell AG heißt das: Der Finetrader bestellt die Ware beim Lieferanten - zwar im Auftrag der Schnell AG - aber auf eigene Rechnung. Ist der Vertrag abgeschlossen, liefert der Lieferant direkt an die Schnell AG. Der Finetrader begleicht die Rechnung des Lieferanten dann sofort. Die Schnell AG hat daraufhin 120 Tage Zeit, um den ausstehenden Betrag plus der vorher vereinbarten Zinsen an den Finetrader zurückzahlen.

Der Kerngedanke ist einleuchtend: Die Schell AG erhält für die sofortige Begleichung der Rechnung ein Skonto, aus dem sie wiederum die Kosten für den Finetrader teilweise oder ganz zahlt. "Erhält ein Unternehmen von seiner Bank nur schwer Kapital, ist eine Wareneinkaufsfinanzierung eine Alternative", erklärt Michael Borman in Berlin. Oftmals fehlt Unternehmen vor allem in der Krise das notwendige Kapital, um Ware einkaufen zu können. Finetrading klingt nach einem verlockenden Ausweg, viele Unternehmen bekommen aber momentan keinen Vertrag: "Die Finetrader führen erst eine umfassende Bonitätsprüfung durch, weil sie sonst keine Sicherheiten haben", warnt Bormann.

Für krisengeschüttelte Unternehmen ist diese Art der Finanzierung also nichts: "Momentan ist das Finetrading eher auf dem Rückzug. Denn die Bonität der Kunden ist schlecht", sagt der Steuerberater. Einige Finetrading-Kunden wie beispielsweise Automobilzulieferer konnten dieses Jahr ihre Rechnung nicht begleichen, da Aufträge weg brachen.

Peter Martetschläger, Kreditexperte der Schnell AG, nutzt diese Vorfinanzierung seit 2008: "Finetrading schafft Handlungsspielräume. In umsatzschwächeren Phasen ermöglicht es unserem Unternehmen eine höhere Liquidität." Das Finetradingkonzept ist ausgelegt für den breiten Mittelstand, Unternehmen nutzen es ab einem Einkaufswert von einer Viertel Mio. Euro im Jahr.

Und es erfreut sich immer größerer Beliebtheit: "Auch wenn wir die Bonitätskriterien genau prüfen, steigt das Interesse an Finetrading", freut sich Arno Schneider, Vorstand der WCF Finetrading AG. "Der Kunde gewinnt an Zeit und seine Bonität gegenüber dem Lieferanten steigt erheblich", sagt Schneider. Denn Lieferanten suchen in der aktuellen Krise nach Sicherheiten. Einziger Nachteil des umgekehrten Factorings: "Dem Kunden entsteht im Vergleich zur normalen Abwicklung ein höherer Aufwand."

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