Firmen bevorzugen Kredit
Mezzanine-Anbieter basteln an Zusammenschlüssen

Viele Unternehmen finanzieren sich angesichts niedriger Zinsen lieber über die günstiger zu habende Kredite und die derzeit sprudelnden Gewinne – und schulden zum Teil von Mezzanine auf Kredit um. Unter den Anbietern ist deshalb Konsolidierung angesagt.

FRANKFURT. Es sind Namen, die man im Firmenkundengeschäft derzeit nur ungern hört: Nici, Rohde oder Schieder. Die Unternehmen eint, dass ihre Insolvenzen in den vergangenen Wochen und Monaten einen Begriff entzaubert haben, der als eine Art Zauberwort für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen galt: Mezzanine. Das Hybridkapital, das Züge von Eigen- und Fremdkapital hat, war, als Unternehmen in Deutschland nur schwer an Kredite kamen, eine Alternative, die zudem die chronisch niedrige Eigenkapitalquote und damit das Rating der Mittelständler verbesserte.

Mittlerweile hat sich das Bild geändert, die Banken unterbieten sich mit Kreditzinsen. Während die Kreditvergabe bei den Großkrediten äußerst verhalten zunimmt, werden kleinere Kredite bis zu einer Mill. Euro stark nachgefragt. Vor allem bei mittelständischen Kunden zwischen 2,5 und 200 Mill. Euro steige die Kreditnachfrage, sagt der Konzernbereichsleiter Unternehmensfinanzierung der Commerzbank, Markus Beumer.

Die Folgen für den Mezzanine-Markt: Viele Unternehmen finanzieren sich lieber wieder über die günstiger zu habenden Kredite und die derzeit sprudelnden Gewinne - und schulden zum Teil von Mezzanine auf Kredit um. Denn als Nachrangkapital ist Mezzaninekapital teurer als ein klassischer Kredit - vor allem, wenn es als Individualmezzanine speziell auf das Unternehmen zugeschnitten ist. Dass mit Mezzanie durch eine bessere Eigenkapitalposition häufig der Zinssatz für die nächste Kreditfinanzierung sinkt, übersieht ein Unternehmen im Preisvergleich oft.

Der Zufluss interessanter Mezzanine-Nehmer ebbt für die Anbieter folglich ab. Vor allem die bisher acht Anbieter, die Mezzanine-Portfolios über Verbriefungen an den Kapitalmarkt brachten, haben erkannt, dass ihre Mittelstands-Mezzanine-Programme zu klein sind, um Insolvenzausfälle problemlos zu verkraften. Konsolidierung ist deshalb angesagt. Gespräche über mögliche Zusammenlegungen liefen, berichten mehrere Anbieter. In dem kommenden Jahren könnte sich die Zahl der Anbieter halbieren, meint Beumer. „Wir überlegen, uns mit anderen Mezzaninegebern zu einer Verbriefungsplattform für mittelständische Unternehmen zusammenzutun.“ Es mache für die Banken keinen Sinn, Mezzanineprodukte beim Kunden zu pushen, nur um die Mindestvolumina für eigenständige Programme zu erreichen.

Eine Herausforderung ist, die Mezzanine-Programme künftig so zu strukturieren, dass sie auf eine Verbriefungsplattform gesetzt werden können. Denn noch sind die Vergabestandards höchst unterschiedlich, meint Michael Auracher von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Gemeinsame Verbriefungsstandards sind deshalb ein erster Schritt der Konsolidierung. Zusammentun werden sich wohl jeweils die Anbieter, die schon jetzt relativ ähnliche Konzepte haben. Langfristig, sind die Mezzanine-Geber überzeugt, wird die Finanzierungsform sich durchsetzen. Derzeit jedoch ist der günstige Kreditzins eine der Hürden.

Denn trotz des Anstiegs der Leitzinsen sind die Finanzierungskosten für Kredite in Deutschland immer noch äußerst günstig. Im Durchschnitt, ermittelte die Postbank, zahlten Unternehmen für bestehende Kredite mit Laufzeiten über fünf Jahre heute nur 0,1 Prozentpunkte mehr als Ende 2005, dem Beginn der Leitzinsanhebungen. Das liegt an den in Deutschland verbreiteten Krediten mit langfristiger Zinsbindung. Doch auch bei Neufinanzierungen dämpfen die Liquidität im Markt und der Wettbewerb der Banken den Anstieg.

Finanzierungsexperten sehen die erneute Neigung zur Kreditfinanzierung aber zum Teil mit Skepsis und warnen, Firmen müssten sich auf Zeiten zögerlicher Kreditvergabe einstellen. „Ich kann Unternehmen nur raten, darüber nachzudenken, was eine Wende am Kreditmarkt für sie bedeuten würde“, mahnt Ulrich Lenz, Mittelstandsexperte bei Ernst & Young. Zwar stehen die Firmen bilanziell besser da als in den Vorjahren. Doch bei mehr als 30 Prozent macht Fremdkapital immer noch über 90 Prozent des Kapitals aus – trotz Aufschwung und sinkenden Insolvenzdrucks. Je kleiner die Unternehmen, desto gravierender der Mangel an Eigenkapital - und damit die Abhängikeit von Kreditzyklen.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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